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Kantor Dittmer nimmt Abschied von St. Nikolai

Stralsund Kantor Dittmer nimmt Abschied von St. Nikolai

Er war der Vater der Hanse- Konzerte in St. Nikolai, wirbel- te für die Sanierung der Buch- holz-Orgel, baute hier erstmals seit Jahrzehnten wieder einen Kinderchor auf. Nun verab- schiedet sich Kantor Frank Dittmer von der Gemeinde.

Stralsund. Am Ostermontag setzt der Kirchenmusiker den offiziellen Schlusspunkt. Beim gemeinsamen Familiengottesdienst der gesamten Großgemeinde St. Nikolai sind alle noch einmal dabei die großen Sänger des Bachchors und die kleinen des Kinderchors.

„Das Musizieren in diesem wunderschönen Kirchenraum, das werde ich sicher vermissen“, blickt der gebürtige Emsländer auf

sein viereinhalbjähriges Wirken in Stralsund zurück. Doch ein wenig bleibt der 36-Jährige St. Nikolai noch erhalten um einen gleitenden Übergang zu ermöglichen. Ein Nachfolger, so Pastor Hanns-Peter Neumann, wird wegen des komplizierten Auswahlverfahrens wohl frühestens im September sein Amt antreten.

Bis 8. Juni, wenn der Bach-Chor zum Landeskirchentag in Neubrandenburg bei einer großen Aufführung von Mendelssohns „Lobgesang“ mitwirkt, will Dittmer die 50 Sänger noch betreuen. Und die Restaurierung der Buchholz-

Orgel, bei der es nach vierjähriger Vorbereitungszeit jetzt richtig ernst wird, möchte er noch bis zum Frühjahr 2003 begleiten. So reist Dittmer im Juni mit dem Orgelbauer Philipp Klais nach Siebenbürgen, um die dortige Buchholz-Orgel zu studieren, die einst für Stralsund das große Vorbild war.

So etwas sei typisch für den Mann, sagt der Pastor. „Wir verlieren mit ihm nicht nur einen exzellenten Kirchenmusiker, er ist auch mit seiner Kollegialität und Hilfsbereitschaft ein Vorbild“. Ebenso imponiert hat es Hanns-Peter Neumann, dass Frank Dittmer in allen musikalischen Sphären zu Hause ist, sich nie zu schade war, mit dem Altenkreis oder Konfirmanden zu singen.

Den Wechsel nach Greifswald begründet der Vater von zwei

kleinen Kindern ganz familiär. Ehefrau Birte Frenssen ist am Ryck als Kunsthistorikerin im Pommerschen Landesmuseum tätig, und die ständige Pendelei könne kein Dauerzustand sein. So griff er zu, als in Greifswald die halbe Stelle des Domorganisten frei wurde, die sich mit der Position des Landeskirchenmusikdirektors zu einer ganzen addiert.

Die Glanzlichter, die unter Regie von Frank Dittmer in St. Nikolai gesetzt wurden, lassen sich im Rückblick kaum zählen. So hatte der Bach-Chor mit Händels „Messias“, dem gemeinsamen Konzert mit dem schwedischen Chor aus Halmstadt oder beim ZDF-Fernsehgottesdienst große Auftritte.

Unvergesslich sind für den Kantor auch die Musiknacht im September 2000 und natürlich Highlights der 1998 aus der Taufe gehobenen „Hanse-Konzerte, wie die Gastspiele der „Capella Gedanensis“ und der „Musica Antiqua Köln“. Das berühmte Ensemble für alte Musik kommt dieses Jahr übrigens wieder in die Hansestadt, bringt am 12. Juli unter Leitung von Reinhard Goebel Werke des Stralsunder Barockkomponisten und damaligen Nikolai-Kantors Johann Martin Rubert zu Gehör.

Hanse-Konzerte wird es in diesem Jahr zwar nicht geben da möchte Dittmer seinem Nachfolger nichts „vorschreiben“ doch mit weiteren neun musikalischen Terminen ist das Feld schon bestellt. Am 24. März schwingt der Kantor noch mal beim Passionskonzert in der Heilgeistkirche den Taktstock, wo die Bach-Kantate „Himmelskönig sei willkommen“ und Telemanns „Siehe, das ist Gottes Lamm“ aufgeführt werden.

Orgelkonzerte stehen am 15. Mai, 12. und 26. Juni, 24. Juli, 7. August und 31. Oktober auf dem Plan. Am 21. August kommt erneut die Junge Philharmonie Köln, und am 15. Dezember gibt der Bach-Chor sein Weihnachtskonzert.



CHRISTOPH HOHLFELD

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