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Stralsund Kauf der Gorch Fock: Politiker befürchten Millionen-Grab
Vorpommern Stralsund Kauf der Gorch Fock: Politiker befürchten Millionen-Grab
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06:00 15.09.2018
Die Gorch Fock im Stralsunder Hafen ist ein beliebtes Fotomotiv. Für eine Sanierung der maroden Bark sind viele Millionen Euro nötig. Quelle: Alexander Müller
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Stralsund

Kaufen oder nicht kaufen? Mit Ausnahme der CDU haben alle Fraktionsvertreter große Bedenken im Hinblick auf das Millionen-Projekt geäußert. „Das ist ein großes finanzielles Risiko für die Stadt“, sagt Thomas Haack, Fraktionsgeschäftsführer der „Bürger für Stralsund“. Zwar sei das Segelschiff ein wichtiger Touristenmagnet, doch sehe man am Beispiel des Schwesternschiffes „Gorch Fock II“ aus Kiel, zu welch finanziellem Desaster so eine Sanierung führen kann. Dort kostet die Reparatur des Marineschiffes mittlerweile 135 Millionen Euro statt wie geplant 75 Millionen Euro.

Solch riesige Summen sind für die Stralsunder Gorch Fock zwar nicht nötig, doch auch hier wird es teuer. Nach Angaben der Stadtverwaltung, die sich auf ein neues Gutachten bezieht, würde die Sanierung 6,8 Millionen Euro kosten. Hinzu kämen 980 000 Euro als Kaufpreis für den jetzigen Eignerverein Tall Ship Friends. Weitere 200 000 Euro sollen in eine neue Ausstellung fließen. Ingesamt ist das also ein Paket von knapp acht Millionen Euro. 90 Prozent davon sollen vom Land gefördert werden. Die verbleibenden Reparaturkosten soll der Eignerverein selbst übernehmen.

Für die SPD gibt es wichtigere Baustellen

Für Peter van Slooten, Fraktionschef der SPD, ist jedoch nicht gesichert, dass diese Summe überhaupt ausreicht. „Was passiert, wenn der Bau erst zur Hälfte fertig, aber das Geld bereits aufgebraucht ist? Bleiben wir dann auf den Kosten sitzen?“, fragt er. Aus seiner Sicht habe die Stadt andere Baustellen, als ein Schiff für ein paar Millionen auf Vordermann zu bringen. Insbesondere der Kaufpreis ist ihm zu hoch. Van Slooten weist auf ein rund drei Jahre altes Gutachten hin, in dem der Wert der Bark auf lediglich 416 000 Euro geschätzt wird. Doch auch der SPD-Mann sagt nicht generell Nein zum Kauf der Gorch Fock. „Sie ist ein wichtiges maritimes Denkmal der Hansestadt. Doch die Stadtverwaltung muss uns mehr Antworten liefern.“

Auch Andrea Kühl, Fraktionschefin der Linken, ist nicht wohl bei der ganzen Sache. „Ich habe große Bauchschmerzen“, sagt sie. Die Politikerin befürchtet besonders die Folgekosten, wenn Kauf und Sanierung abgeschlossen sind. Nach den Plänen der Stadtverwaltung soll dann der Verein Tall Ship Friends das Schiff betreiben und im Idealfall die laufenden Kosten durch Einnahmen wie Eintrittsgelder wieder reinholen. Zurückhaltend äußern sich auch die Grünen. „Die Gorch Fock I gehört zu Stralsund und zum maritimen Flair, das unsere Hansestadt besonders macht. Aber die Risiken, die mit einem Kauf verbunden wären, sind erheblich und müssen auch für die Zukunft darstellbar sein“, meint Fraktionschef Jürgen Suhr.

CDU-Politikerin hat auf der Gorch Fock geheiratet

Einzige Optimistin in der Runde ist Ann Christin von Allwörden, Landtagsabgeordnete und Bürgerschaftsmitglied der CDU: „Ich bin für den Kauf der Gorch Fock. Sie ist ein Wahrzeichen geworden und gehört zu Stralsund. Beinahe jeder Stralsunder hat schon mal ein Foto von sich vor dem Traditionssegler gemacht.“ Sie selbst habe auf dem Schiff geheiratet. Ann Christin von Allwörden knüpft den Kauf jedoch an Voraussetzungen. Ein nachhaltiges Nutzungskonzept müsse her, das Schiff solle für jedermann zugänglich bleiben und die Finanzierung müsse gesichert sein.

Alexander Müller

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