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Stralsund Kinderbetreuung: Der Markt zwingt zum Umdenken
Vorpommern Stralsund Kinderbetreuung: Der Markt zwingt zum Umdenken
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04:26 13.09.2013
Diskussion über Kinderbetreuung: Von links: Moderator Nikolaus Möbius, Silke Herrmann von der Kita „Biene Maja“ und Jürgen Schulz vom Landesverband der Dehoga. Quelle: Karin Rogalska

Kindertagesstätten in Stralsund sind in der Regel bis 2014 ausgebucht, in der Innenstadt von Schwerin sogar bis 2015. Tun Unternehmen vor diesem Hintergrund schon genug dafür, dass Eltern ihren Nachwuchs während der Arbeitszeit in guten Händen wissen können?

Die Frage wurde am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion über die Perspektiven der Kinderbetreuung in unserer Region, zu der die liberale Friedrich-Naumann-Stiftung in den Arbeiter-Samariter-Bund eingeladen hatte, nicht abschließend geklärt. Deutlich wurde aber: Arbeitgeber müssen auch an die Familien ihrer Mitarbeiter denken, wenn sie qualifizierte Fachkräfte gewinnen und halten wollen.

„Die Unternehmen machen sich mit dem Hinweis auf eine bessere Kinderbetreuung die Mitarbeiter streitig“, berichtete Christian Feldmann, Sprecher des Elternbundes Mecklenburg-Vorpommern, aus der Landeshauptstadt. „Der Markt zwingt uns dazu, umzudenken, die Unternehmen müssen ganz einfach Angebote machen“, unterstrich Jürgen Schulz vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Er stellte ein auf zwei Jahre angelegtes Pilotprojekt unter Hoteliers auf Usedom vor, an dem sich 16 Unternehmen beteiligt hatten. Untersucht wurde, welche Leistungen Mitarbeiter zusätzlich zum Gehalt bekommen. Besonders attraktiv seien Arbeitgeber, die zumindest einen Teil der Kosten für die Kinderbetreuung übernehmen. Nur wenige Mitarbeiter müssten ihre Kinder dauerhaft rund um die Uhr betreuen lassen. Vielmehr seien verlässliche Angebote zwischen 6 Uhr und 20.30 Uhr gefragt.

Dem widersprach Silke Herrmann, Inhaberin der Kindertagesstätte „Biene Maja“ in Stralsund. Es habe keinen Sinn, Kinder über 18 Uhr hinaus in einer Einrichtung zu betreuen, weil sie dann schon müde seien. Ihr schwebt eine „Börse vor, über die eine Abendbetreuung nach Hause vermittelt werden kann“.

Wiebke Wegner, Geschäftsführerin des Regionalverbandes Nord-Ost im Arbeiter-Samariter-Bund, sieht die Wirtschaft noch deutlich mehr in der Pflicht. „Es bemühen sich alle, aber viele Eltern haben falsche Vorstellungen, was Kommunen und Träger der Kinderbetreuungseinrichtungen überhaupt leisten können“, betonte sie. In jüngster Zeit passiere allerdings viel. So wolle sie jetzt auch mit dem Klinikum etwas unternehmen.

„In jedem Falle ist es zu wenig, wenn alles immer nur die Kita richten soll“, ergänzte Christian Feldmann. Dörte Heinrich, Fachbereichsleiterin beim Landkreis Vorpommern-Rügen, appellierte an die Eltern, mobil zu bleiben. Wegen der übergroßen Nachfrage könne kaum jemand sein Kind in einer Wunscheinrichtung unterbringen. Eine Alternative bleibe die Kindertagespflege. Da gebe es in Stralsund viele freie Plätze, sagte die Amtsleiterin auf Anfrage der OZ .

Entscheidend für eine gute Kinderbetreuung ist nicht nur, dass es genügend Plätze in Krippen, Tagesstätten und Horten gibt, war sich die Runde einig. „Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt, dass genügend Betreuer da sind, das kann ich heute nicht mehr behaupten“, so Wiebke Wegner. Deshalb müssten künftig so viele Erzieher ausgebildet werden, „wie wir tatsächlich brauchen“. Auch müssten Quereinsteiger eine Chance bekommen.

Es bemühen sich alle, aber viele Eltern haben falsche Vorstellungen, was Kommunen und Träger der Kinderbetreuungseinrich- tungen überhaupt leisten können.“Wiebke Wegner, Arbeiter-Samariter-Bund

Karin Rogalska

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