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Kita-Plätze knapp: Eltern stehen Schlange

Prohn/Stralsund Kita-Plätze knapp: Eltern stehen Schlange

Ob in Prohn oder in der Hansestadt: Die Kinder sind noch nicht einmal geboren, da werden sie schon für die Krippe angemeldet. Doch lange Wartelisten sind kein Anreiz für junge Familien, in der Region zu bleiben.

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144 Kindertagesstätten gibt es in Vorpommern-Rügen — eine ist die Einrichtung in Preetz, die zu den wenigen kommunalen Kitas gehört. Die meisten Häuser befinden sich in freier Trägerschaft. Von den Erziehern im Kreis werden insgesamt 13 000 Knirpse betreu

Quelle: engelbrecht

Prohn. In München werden Krippenplätze bei Preisausschreiben verlost — ein Jahr Kinderbetreuung als Hauptgewinn. So weit ist es bei uns zum Glück noch nicht, dennoch kann nicht jede junge Familie beim Thema Kita-Platz entspannt bleiben. In manchen Einrichtungen sind Plätze für den Nachwuchs Mangelware.

„Ich muss so manche Eltern vertrösten. Gerade die, die vorher eine Tagespflege für ihren Knirps in Anspruch genommen haben, wollen dann in den Kindergarten wechseln. Doch da rücken ja auch unsere Krippenkinder nach, so dass es mitunter eng wird“, sagt Claudia Borchardt. Die Leiterin der Kita „Kunterbunt“ in Prohn hat im Moment keinen der 30 Krippen- und der 87 Kindergartenplätze frei. Doch sie sieht das Problem nicht nur bei den Lütten. „Die Prohner Kinder wollen auch hier in den Hort gehen. Deshalb haben wir neben dem 2009 gebauten Haus in der Mühlenbergstraße noch ein zweites Gebäude samt Container in der Stralsunder Straße. Dort werden nach der Schule 70 Mädchen und Jungen betreut“, so Claudia Borchardt.

Ein paar Kilometer weiter südlich das gleiche Problem: Auch in Stralsund sind Kita-Plätze so heiß begehrt, dass nicht jeder Bedarf gedeckt werden kann. „Wir merken es ganz deutlich: Viele junge Familien ziehen in die Innenstadt, dann wollen sie natürlich hier auch ihre Kinder betreut wissen. Direkt in der Altstadt gibt es ja seit Jahren keine Einrichtung mehr, auch wenn die Bürgerschaft einst den Beschluss für einen Neubau fasste. Und die Kitas rundherum können den Ansturm aus dem belebten Zentrum und aus der immer beliebter werdenden Frankenvorstadt nicht abfangen“, legt Kathrin Remus den Finger in die Wunde. Die Chefin der gerade neu gebauten Kita „Zwergenhaus“ in der KarlMarx-Straße — hier werden 130 Kinder bis zum siebenten Lebensjahr betreut — findet die Situation schrecklich: „Die Eltern sitzen teilweise vor mir und weinen, weil sie so dringend den Platz gleich vor der Haustür haben wollen. Ich kann sie nur vertrösten und setze sie auf die Warteliste. Und die läuft jetzt schon bis 2014. Es sitzen junge Schwangere vor mir, da ist noch nicht mal das Baby im Bäuchlein zu erahnen, da wird sich schon für die Kita angemeldet. Und die meisten fahren mehrgleisig.

Das kann ich auch verstehen, denn sie haben Angst, ohne Betreuungsplatz dazustehen, wenn sie wieder arbeiten gehen.“

Die blanke Statistik spricht eine andere Sprache. So hatte Vorpommern-Rügen im Januar nur 83 Prozent der Krippen-, 92 Prozent der Kindergarten- und 95 Prozent der Hortkapazitäten ausgeschöpft. Besonders die Horte in Stralsund — „Lütt Matten“, „Pfiffikus“, „Am Bodden“, Montessori-Kinderhaus und „Spielkiste“ — hatten mindestens eine 100-prozentige Auslastung, die meisten sogar höher, was mit einer Ausnahme-Betriebserlaubnis kurzfristig möglich ist.

Mal abgesehen davon, dass die Situation im Februar schon wieder anders aussah und mehr Plätze belegt waren, weiß Katrin Remus: Das Problem ist die Verteilung der Plätze. „Natürlich gibt es in Knieper West noch Möglichkeiten in der Krippe. Aber das ist für Eltern in der Stadt keine Alternative. Da wechseln viele auf Kindertagespflege oder reihen sich eben in unsere die Wartelisten ein.“

Eine Verschärfung des Problems könnte im Sommer eintreten, wenn für jedes Kind der gesetzliche Anspruch auf einen Kita-Platz besteht. Während Claudia Borchardt in Prohn nicht glaubt, dass es da noch einen Ansturm über die ohnehin bereits erfolgten Anmeldungen gibt, sieht Kathrin Remus schon schwarz. „Natürlich trifft es den Westen viel schlimmer, weil es ja da nur wenige Kindertagesstätten gibt. Aber auch wir werden das Dilemma zu spüren bekommen. Mir graut schon davor, wenn ich noch mehr Eltern wegschicken muss. Es geht mir so schon nahe — so wie all meinen Kollegen im ,Zwergenhaus‘.“

Das Jugendamt Vorpommern- Rügen geht nicht von einem große Run aus. „Wir haben eine kleine Pufferzone eingebaut, das ist auch im Haushaltsplan des Kreises berücksichtigt. Natürlich können wir nun auch noch nicht sagen, wie viele Familien das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen. Da bleibt uns jetzt nichts weiter übrig, als abzuwarten“, sagte Amtsleiterin Dörte Heinrich während der letzten Jugendhilfeausschuss-Sitzung.

Insgesamt stehen in 220 Kindertagespflegestellen und 144 Kitas im Kreis rund 13 000 Plätze für den Nachwuchs in Krippe, Kindergarten und Hort zur Verfügung. Rund zehn Millionen Euro sind im Haushalt Vorpommern-Rügen für Betreuung, Förderung, Zuschüsse und Übernahme von Elternbeiträgen eingeplant.

Serie

Eine Region

im Wandel

Kita-Plätze im Kreis zu 91 Prozent ausgelastet
Hansestadt Stralsund

Krippe/Tagespflege: von 990 Plätzen sind 772 belegt.

Kindergarten: 1637 von 1763 belegt.

Hort: alle 1285 Plätze sind ausgebucht.


Insel Rügen

Krippe und Tagespflege: von 981 Plätzen sind 832 belegt.

Kindergarten: 1716 von 1865 Plätzen,

Hort: 1156 von 1193 Plätzen.


ehemaliges Nordvorpommern

Krippe/Tagespflege: 1193 von 1401 Plätzen.

Kindergarten: 2677 Kinder werden betreut, die Kapazität liegt bei 2943.

Hort: 1970 Mädchen und Jungen besuchen die Einrichtungen, Plätze gebe es für 2156 Kinder.


Die Auslastung in Vorpommern-Rügen liegt demnach bei den Kleinsten bei rund 83 Prozent, bei den Drei- bis Siebenjährigen bei rund 92 Prozent und in der Hortbetreuung bei etwa 95 Prozent.


Betrachtet man die Auslastung territorial, sieht es so aus: Rügen (4039 Plätze) und Stralsund (4038) kommen auf rund 92 Prozent. Im ehemaligen Nordvorpommern (6500 Plätze) sind 90 Prozent der Kindertagesstättenplätze belegt.

Ines Sommer

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Das Problem einer ungenügenden Betreuungssituation für den Nachwuchs besteht sicherlich nicht erst seit Kurzem. Vater Staat hat nun mit seinem gesetzlichen Anspruch einen Schritt in die richtige Richtung getan, um Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern.

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