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Kleine Ausreißerin entwischt schlafendem Aufpasser

Stralsund Kleine Ausreißerin entwischt schlafendem Aufpasser

Mit ihrem Job sorgen sie für Sicherheit und Ordnung in der Hansestadt. Hier geben Stralsunder Polizisten Einblick in ihre Arbeit.

Stralsund. Es war ein Taxifahrer, der die Polizei eines Morgens informierte: In der Frankenvorstadt irre ein kleines Mädchen ohne Jacke und Mütze umher. Nach diesem Anruf schickte der Diensthabende sofort einen Streifenwagen in den Stralsunder Stadtteil. „Tatsächlich fanden die Kollegen hier ein etwa dreijähriges Mädchen mit langen blonden Haaren“, berichtet Mario Ullrich, Leiter des Polizeihauptreviers. Allerdings wurde die Geduld der Beamten dann einer harten Probe unterzogen. Die Kleine konnte zwar erzählen, dass sie ihre Mutter suche, wusste aber nicht so recht, wo sie wohnte.

So viel ließ sich immerhin herausfinden — es sollte in einem blauen Haus sein. Da ein solches in der Nähe nicht zu finden war, nahmen die Polizisten das Mädchen erst einmal mit aufs Revier.

„Unterwegs wurde an jedem Haus gestoppt, das irgendwie blau aussah, doch die Kleine schüttelte stets tapfer den Kopf“, erzählt Mario Ullrich die Geschichte weiter.

Nun ist so ein Polizeirevier nicht unbedingt auf einen längeren Aufenthalt kleiner Kinder eingerichtet. „Und da wir auch keine richtige Spielecke haben, brachten wir die Lütte sicherheitshalber zum Kinder- und Jugendnotdienst, bevor ihr bei uns vielleicht langweilig geworden wäre“, sagt Ullrich mit einem Augenzwinkern. Am selben Tag lief gegen 13 Uhr ein Anruf von der Wasserschutzpolizei auf.

In deren Dienststelle am Hafen hatte sich ein Pärchen gemeldet, das ein Mädchen vermisste. „Klar, dass wir mit den beiden erst einmal zum Kinder- und Jugendnotdienst fuhren“, erzählt der Revierleiter und vergisst auch nicht zu erwähnen, dass man zuvor gemeinsam bei dem Pärchen zu Hause vorbeifuhr, um Jacke, Schal und Mütze mitzunehmen. Groß war die Freude, als sich danach die kleine Familie wieder in den Armen lag.

Allerdings ersparte das der 20-jährigen Mutter und ihrem ein Jahr älteren Lebensgefährten nicht ein paar Fragen. „Doch keiner von beiden konnte sich erklären, wie das Kind alleine auf die Straße gekommen war“, so Ullrich. Wie die Frau berichtete, war sie am Morgen aufgebrochen, um einen Verwandten im Krankenhaus zu besuchen. Ihr Partner sollte sich derweil um das Mädchen kümmern. Der gab an, dass er das auch getan habe und sich mit der Kleinen gemeinsam vor den Fernseher gesetzt hatte.

Jedoch schien dem Kinderprogramm an diesem Morgen der rechte Pep gefehlt zu haben. Der Aufpasser jedenfalls war über kurz oder lang eingeschlafen. Offenbar muss dann irgendwann auch dem Mädchen langweilig geworden sein. Als der Mann Stunden später wieder erwachte, dudelte nur noch der Fernseher vor sich hin. Die Kleine war fort. Jetzt allerdings war die Müdigkeit schlagartig wie weggeblasen. Der unzuverlässige Betreuer informierte die Mutter, und gemeinsam machte man sich etwas hektisch auf die Suche nach dem verlorenen Kind.

„Die Sache ist dank des aufmerksamen Taxifahrers und der engagierten Mitarbeiter vom Kinder- und Jugendnotdienst noch einmal gut ausgegangen“, sagt Mario Ullrich. Dennoch wurde das Jugendamt über den Vorfall informiert, um einem Wiederholungsfall vorzubeugen. Jörg Mattern

OZ

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