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Stralsund Kostenexplosion bei städtischen Bauprojekten
Vorpommern Stralsund Kostenexplosion bei städtischen Bauprojekten
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00:05 22.04.2017
Das Gebäude der ehemaligen NVA-Nachrichtenzentrale: Die Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft (LEG) der Hansestadt Stralsund will den Komplex zu einem modernen Zentraldepot für das Stadtarchiv Stralsund ausbauen. Quelle: Foto: Stefan Sauer

Bei zwei bedeutenden Stralsunder Bauprojekten laufen die Kosten völlig aus dem Ruder: Der auf dem Dänholm geplante Wasserwanderrastplatz an der Ostmole mit insgesamt 25 Liegeplätzen soll knapp eine Million Euro mehr kosten als geplant. Ursprünglich waren für das Projekt 6,5 Millionen Euro vorgesehen.

Der Neubau des Depots für das Stadtarchiv an der Schwedenschanze liegt inzwischen 270000 Euro über den vor dem Baustart eingeplanten 3,3 Millionen Euro. Dies geht aus Unterlagen des Finanzausschusses der Bürgerschaft hervor, die der OZ vorliegen. Das Gremium soll am Dienstag über die darin von Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) eingeräumten Kostenexplosionen beraten.

Gründe für den überraschenden Anstieg der Ausgaben beim Bau des Archivdepots sind einerseits eine Überarbeitung des Brandschutzkonzeptes, eine bessere Klimatisierung sowie eine aktualisierte Tragwerkplanung. Das Hauptproblem, das die von der Stadtverwaltung beauftragten Bauingenieure und Architekten bei der Planung aber falsch eingeschätzt haben, sind zusätzliche Kosten, die durch die Entsorgung des alten Asbestdaches der ehemaligen NVA-Nachrichtenzentrale verursacht werden. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, hätte die alte Asbestdecke während des Umbaus der Nachrichtenzentrale zum Archivdepot lediglich neu verkleidet werden sollen und wäre somit weiterhin Bestandteil des Gebäudes geblieben. Die „vorgesehene Überbauung/Überdeckung“ stelle „nunmehr eine verbotene Arbeit an einem asbesthaltigen Gebäudeteil dar“, heißt es dazu in der von Badrow unterzeichneten Vorlage für den städtischen Finanzausschuss.

Nach Angaben des Oberbürgermeisters hätte sich die entsprechende Rechtslage im Verlauf der Planungen geändert. Badrow verweist dazu auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtes Magdeburg, das dort bereits im Jahr 2015 gefällt worden ist. Einziger Ausweg: „Die Dachdeckung muss demontiert und fachgerecht entsorgt werden“, schreibt Badrow in der Vorlage für den Ausschuss.

Hinzu kommt das Ansinnen der Stadt, in dem Archiv künftig auch einige besonders sperrige Preziosen des Stralsund Museums einlagern zu wollen, wozu die Dachkonstruktion noch mal verstärkt werden müsste. Badrow: „Durch diese Maßnahme wird eine bis zu 20 Prozent höhere Auslastung des Bestandsgebäudes und damit eine effektivere Archivnutzung erreicht.“

Die sechsstelligen Mehrkosten sollen mit Mitteln, die die Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund (SES) als Sanierungsträger bei anderen Bauprojekten eingespart hat, kompensiert werden.

Für den enormen Kostenanstieg bei dem geplanten Wasserwanderrastplatz an der Ostmole sollen indes Munitionsreste verantwortlich sein. Das gesamte Baugebiet auf dem Dänholm sowie die dazugehörige Wasserfläche sind laut den Unterlagen vom Munitionsbergungsdienst des Landes Mecklenburg-Vorpommern als „kampfmittelbelastet“ eingestuft worden. Die Munitionsexperten des öffentlichen Dienstes hätten aber „aus Kapazitätsgründen“ die Segel gestrichen, als es darum ging, ein Konzept zu erstellen, wie die Bomben, Blindgänger und Granaten gehoben werden sollen. Stattdessen sei auf einen externen Experten aus der Privatwirtschaft verwiesen worden. Der muss nun extra bezahlt werden. Konzept, die Räumung und weitere Planungsarbeiten kosten knapp eine Million Euro zusätzlich. Die Landesregierung habe laut Badrow „Bereitschaft signalisiert“, sich an den Mehrkosten zu beteiligen.

Immer später

Der Bau des Wasserwanderrastplatzes und die Erneuerung der Ostmole sind immer wieder verschoben worden. Zuletzt sollte der Baustart im 1. Quartal 2017 stattfinden. Das Projekt war bereits 2013 angekündigt worden. Vor zwei Jahren hieß es noch, dass die Arbeiten 2016 beginnen sollen.

Der neue Wasserwanderrastplatz soll über 25 Gastliegeplätze verfügen. Die Gesamtinvestitionen beliefen sich bisher auf 6,5 Millionen Euro, 5,85 Millionen Euro sind Fördermittel.

Benjamin Fischer

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