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Stralsund Kreis springt seltener für Kita-Beitrag ein
Vorpommern Stralsund Kreis springt seltener für Kita-Beitrag ein
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07:15 26.04.2018
Statt für 5000 Kinder wie bisher muss der Kreis jetzt nur noch für 4000 Knirpse den Kita-Platz bezahlen. Quelle: Foto: Johannes Eisele

Stralsund. Kommt der wirtschaftliche Aufschwung auch in den Portemonnaies der Eltern mit Kindern an? Die 2017er-Zahlen des Landkreises sprechen dafür. Musste das Jugendamt 2015 noch für über 5000 Eltern einspringen und deren Anteil am Kita-Platz bezahlen, waren es im Vorjahr nur noch 4000 Fälle. Statt geplanter 6,642 Millionen Euro gab der Kreis nur 6,565 Millionen aus.

Macht ein Plus von gut 76000 Euro, die jetzt nicht im Gesamtetat des Landkreises versickerten, sondern für die Kindertagesbetreuung der Flüchtlingskinder ausgegeben wurden.

„Ich habe das mal für unsere Kita ,Am Stadtwald’ recherchiert. Dort ist es tatsächlich so, dass der Anteil an Kindern, die ihren Platz vom Kreis bezahlt kommen, weil die Eltern sich den Beitrag nicht leisten können, gesunken ist. Im Kalenderjahr 2017 waren das im Vergleich zum Vorjahr immerhin acht Prozent. Ich denke, dass sich die Zahlen in der Kita ,Käpt’n Blaubär’ ähnlich entwickelt haben“, sagt Dörte Binder, beim Internationalen Bund in Stralsund für die Kitas zuständig. Der Träger hat im gesamten Landkreis Vorpommern-Rügen von Poseritz bis Grimmen sieben Kindertagesstätten und einen Hort.

Einsparungen gab es laut Information im letzten Jugendhilfeausschuss auch im Bereich der Schul- und Jugendsozialarbeit, allerdings passierten die eher unfreiwillig. In diesem Bereich fließt zwar Fördergeld der EU, doch Vorpommern-Rügen muss einen Eigenanteil tragen. Und der beläuft sich bei der Schulsozialarbeit auf 316000 Euro, geplant waren 340000 Euro.

„Wir hatten 29 Stellen geplant, inclusive einer kleinen Reserve für Personalkostensteigerungen“, so Jugendamtsleiterin Dörte Heinrich. Man hatte jedoch einen hohen Krankenstand zu verzeichnen, so dass einige Krankengeld bezogen. Bis zur Nachbesetzung fließt kein Geld, und das kann Monate so bleiben, denn der Fachkräftemangel ist enorm.

Ähnlich verhält es sich bei der Jugendsozialarbeit. Hier waren im letzten Jahr 21 Stellen zu besetzen. Dafür wurden 297000 Euro als Kreisanteil geplant. Abgerufen wurden letztendlich 228

000 Euro für 19 Stellen. Auch hier hatten die Träger mit erheblichem Krankheitsausfall und der Suche nach neuen Mitarbeitern zu kämpfen.

„Wir hatten eine Stelle in Altenpleen neu zu besetzen und haben dafür fast vier Monate gebraucht“, sagt Anke Ehrecke, Geschäftsführerin des Storchennest-Vereins in Niepars. „Es gilt ja das Fachkräftegebot, das heißt, ich brauche möglichst einen Diplom-Sozialpädagogen oder jemanden, der soziale Arbeit studiert hat. Und die sind nicht leicht zu finden, die meisten wandern ab.“ Das Problem sei, dass man hier das Fachkräftegebot so auslegt, dass es sich auf berufliche Abschlüsse beschränkt. „Die Rechtssprechung geht davon aus, dass der Kandidat geeignet sein muss, und das ist er auch, wenn er Lehrer ist und schon in der Jugendhilfe gearbeitet hat. Auch Erzieher mit Erfahrungen in der Jugendarbeit dürften dann eingestellt werden“, so Anke Ehrecke, die davon ausgeht, dass sich hier bald etwas ändern wird, ansonsten bekomme man die Stellen nicht mehr besetzt.

Ausgaben für Heim-Unterbringung leicht gesunken

6,5 Millionen Euro gab der Landkreis 2017 für jene Eltern aus, die sich den Kita-Platz nicht leisten können. Das sind 76000 Euro weniger als 2016.

165 Kitas gibt es im Landkreis Vorpommern-Rügen. Sie betreuen 13 906 Kinder in Vorpommern-Rügen. 2183 sind es in der Krippe, 6503 im Kindergarten und 5220 im Hort. Dazu kommen 161 Tagespflegepersonen. Sie umsorgen 620 Mädchen und Jungen. 320 sind es in der Hansestadt, 165 in Nordvorpommern und 135 auf Rügen.

11,1 Millionen Euro (9000 Euro weniger als 2016) hat das Jugendamt 2017 gezahlt für Kinder und Jugendliche, die in Einrichtungen betreut werden mussten. Das ist in jedem Jahr die größte Ausgabe im Etat der Jugendhilfe. Geplant hatte man 225 Fälle für je rund 49000 Euro. Tatsächlich waren es 213 Fälle mit je etwa 52000 Euro. Das heißt mit anderen Worten: Weniger Fälle, aber pro Person höhere Kosten, die aus einer längeren Unterbringung resultieren.

Ines Sommer

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