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Stralsund Küstenfischer: Ein Beruf der Optimismus braucht
Vorpommern Stralsund Küstenfischer: Ein Beruf der Optimismus braucht
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00:00 31.08.2018
Zusammen mit der „Condor“ lag am Mittwoch nur noch dieser Kutter mit Heimathafen Sassnitz in Barhöft.
Barhöft

Marc Richter hatte eines Tages beschlossen, vom Fischfang leben zu wollen. Da hatte er Jan Wienholz kennengelernt, der sich mit einem Kutter selbstständig machen wollte. Als der ihn fragte, ob er als Gehilfe mit an Bord will, war Marc Richter sofort dabei. Seither ist er mit an Bord, wenn der Zehn-Meter-Kutter „Condor“ zum Fang ausläuft. Gestern früh ging es raus auf Schollenfang.

Der Berufsstand stirbt aus / Seit 1990 ging die Zahl der Küstenfischer in MV von 1300 auf 362 zurück

„Ich habe das bisher nicht bereut“ sagt der 25-Jährige. „So wie es bislang läuft, kann ich damit meine Familie ernähren.“ Dazu gehören seine Frau und zwei Kinder.

Dieses Jahr lief es für die zweiköpfige Condor-Besatzung gut. Schon alleine wegen des Sommerwetters. „Viel Sonne, wenig Wind, das führte dazu, dass wir kaum Schlick und Gras in den Netzten hatten und diese schneller einsetzen konnten“, sagt Richter. Ihre Heringsquote haben die beiden ausgeschöpft, Hornhecht, Dorsch und Scholle liefen, bzw. laufen gut. „Wenn wir mittags wieder anlegen verkaufen wir die Schollen gleich von Bord“, sagt der junge Fischer. Aber auch Hotels und Gastronomen in Stralsund und Umgebung gehören zu den Kunden.

„Ich bin optimistisch, was die Zukunft angeht“, betont Marc Richter. Doch der Stralsunder ahnt auch mögliche Gefahren, wenn er sagt: „Hoffentlich bleibt die Heringsquote so wie in diesem Jahr.“ Der Hering ist der Brotfisch der Küstenfischer.

Doch darüber streiten sich nach wie vor Landes- und Europa-Politiker sowie Umweltschützer. So empfahl der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES), den Heringsfang in der westlichen Ostsee vorerst auszusetzen und im Rest des Binnenmeeres weniger zu fischen. Ein Ansinnen, das Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) im Juni vor dem Landtag als „nicht nachvollziehbar“

bezeichnete. Im Oktober will die EU-Kommission über ein mögliches Fangverbot entscheiden. Backhaus hingegen erklärte: „Ich werde mich auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass die Kutter- und Küstenfischerei nicht auf der Strecke bleibt.“

Viel ist von der Küstenfischerei inzwischen nicht mehr übrig. Seit 1990 war die Zahl der Küstenfischer von mehr als 1300 Fischern auf heute 362 Betriebe gesunken. Ein Rückgang von mehr als 72 Prozent. 230 der 362 verbliebenen Betriebe fischen noch im Haupterwerb, wie Marc Richter und sein Chef Jan Wienholz, der Rest im Nebenerwerb.

Eine Entwicklung, die Brigitte Peter seit 14 Jahren von ihrem Kiosk aus im Barhöfter Hafen hautnah mit erlebt hat. „Früher lagen hier mehr Fischerboote. Es ist traurig, mit ansehen zu müssen, wie allmählich ein so traditioneller Berufszweig eingeht“, sagt die Fischhändlerin und die 71-Jährige fordert: „Die Politik muss die Fischer mehr unterstützen! Sonst kann hier bald kein Tourist mehr zuschauen, wie der Fang angelandet wird.“

„Zur Heringssaison sind es ein paar Fischer mehr, die hier anliegen, meist sind es jedoch nur noch zwei, drei Kutter“, sagt Hafenmeister Sven Marquardt, der sich noch an mehr Fangboote an der Barhöfter Kaikante erinnern kann. Marc Richter will sich davon nicht bange machen lassen. Ausdruck seines Optimismus: Er büffelt für den Facharbeiterbrief zum Fischwirt.

Jörg Mattern

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