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60 Skelette aus der Pestzeit im Johanniskloster entdeckt

Stralsund 60 Skelette aus der Pestzeit im Johanniskloster entdeckt

Bei Sanierungsarbeiten in der 1254 gegründeten Anlage haben Archäologen, Bauforscher und Archivare wertvolle Funde ans Licht gebracht

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Bei den menschlichen Überresten, die Archäologen im Johanniskloster fanden, handelt es sich vermutlich um Pesttote. Fotos (3): Stefan Sauer/dpa

Stralsund. Knochen, Münzen, Kacheln. Die Sanierung des seit dem Schimmelskandal im Jahr 2012 geschlossenen Johannisklosters führte zu einer Flut an archäologischen Funden und Forschungsergebnissen. Die wurden gestern erstmals öffentlich vorgestellt. Dazu gehören rund 60 Skelette. Dr. Heiko Schäfer vom Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege ist sicher, dass es sich dabei um Opfer der verheerenden Pestzeit 1710/11 in Stralsund handelt.

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Bei Sanierungsarbeiten in der 1254 gegründeten Anlage haben Archäologen, Bauforscher und Archivare wertvolle Funde ans Licht gebracht

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Die Leichen sind vermutlich im damaligen Armenhaus der Stadt, das sich im 18. Jahrhundert in der Klosteranlage befand, beerdigt worden. Darauf weise nicht nur die große Anzahl menschlicher Überreste im Schmeerhof hin, die dort regelrecht „gestapelt“ gelegen hätten, sondern auch die Art der Begräbnisse. Zum Teil wurden Knöpfe gefunden. Historisch belegt sei, dass die Pesttoten sehr schnell und angezogen bestattet wurden, so Schäfer. Auch zwei beigelegte Münzen von 1698 und 1707 würden seine These stützen.

Insgesamt sind etwa 200 Geldstücke aus verschiedenen Epochen zu Tage gefördert worden. Aber auch viele weitere Schätze wie ein Schreibgriffel oder Buchschließen erfreuen das Herz der Fachleute.

Archäologische Grabungen begleiten seit Februar die Bauarbeiten in dem Kloster, das im Jahr 1254 von Franziskanermönchen gegründet wurde.

Notwendig geworden war die Sanierung, nachdem Stralsund durch den skandalösen heimlichen Verkauf der historischen Gymnasialbibliothek deutschlandweit in die Schlagzeilen geraten war. Dabei kam heraus, in welchem katastrophalen Zustand die Klosteranlage ist, die zu den größten an der südlichen Ostseeküste zählt. Erst im Februar 2016 konnten die Arbeiten beginnen. Dabei handele es sich aber lediglich um „Substanz-Sicherungen“, die bis Herbst durchgeführt werden und eine Million Euro kosten, wie Kerstin Jagusch von der Stadterneuerungsgesellschaft sagte.

Ziel sei es, das Raumklima, das durch die starken Durchfeuchtungen und den hohen Salzgehalt zu dem verhängnisvollen Schimmelbefall geführt hatte, wieder zu stabilisieren. Wie schwierig es ist, die Mängel zu beseitigen, schilderte Architektin Petra Kottke. „Wir müssen sehr vorsichtig, Schritt für Schritt vorgehen“, erläuterte die Bauexpertin. Auslöser für die aufsteigende Nässe in den Wänden, die sogar Algen wachsen ließ, seien bis zu über einen Meter abweichende Fußbodenhöhen – entstanden durch mehrfache Umbauten in den Jahrhunderten. Ein neues Entwässerungssystem im Innenhof und Temperierungsleitungen in den Kreuzgängen und Sälen sowie Schleusen sollen Abhilfe schaffen.

Nach dieser Not-OP steht eine langfristige Sanierung aber weiter aus. Dafür will die Stadt im September die Architektenleistungen vergeben. Denn das Johanniskloster soll auch künftig Hauptsitz des Stadtarchivs bleiben. Wann die Arbeiten abgeschlossen werden, dazu wollte gestern niemand eine Prognose wagen. Dennoch gab es eine gute Nachricht: Der vier Millionen teure Umbau der alten Nachrichtenzentrale an der Schwedenschanze zu einem Zentraldepot für Bücher und Kulturgüter hat begonnen und soll Ende 2017 fertig sein.

Und wie die Forschung trotz aller Probleme floriert, dafür lieferte Archiv-Chef Dr. Dirk Schleinert den Beweis: Er hat ein bislang verschollen geglaubtes Pergament wiederentdeckt – das weltweit einzige Exemplar eines Stettiner Druckes aus dem 16. Jahrhundert.

Buchreinigung soll 2017 abgeschlossen sein

2012 ist der Schimmbelbefall im Stadtarchiv mit dem heimlichen Verkauf der Stralsunder Gymnasialbibliothek bekannt geworden. Seit dem Herbst jenen Jahres ist das Johanniskloster geschlossen.

650 000 Euro wurden bisher für die Buchreinigung ausgegeben, die 2017 beendet werden soll. Bislang sind 53000 von insgesamt 125 000 Bänden gereinigt. Von Schimmelsporen befreit wurden weiterhin 4800 Urkunden und Testamente (von rund 8000), 625 Meter Akten (von 1500 Metern), 4700 Handschriftenbände (von 6000) sowie 5800 Karten und Pläne (von 7000). Zudem steht die Reinigung von 100 Regalmetern Zeitungen noch aus.

Marlies Walther

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