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Alles Dada in der Jugendkunst

Stralsund Alles Dada in der Jugendkunst

Kurse, Projekte und eine Ausstellung beschäftigen sich mit einer Ausdrucksform, die vor 100 Jahren entstand

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Sylvia Knöpfel, Christian Klette und Fred Lautsch (v. l.) vom Verein Jugendkunst bereiten im Speicher am Katharinenberg einen Workshop für Kinder und Erwachsene am Wochenende vor. Unter dem Motto „Wankende Ordnungen“ sollen Collagen in Bewegung entstehen.

Quelle: Marlies Walther

Stralsund. Der Dadaismus — eine bis heute einflussreiche Kunstrichtung — wird 100 Jahre alt. Und das ist für den Verein Jugendkunst und die neu gegründete Jugendkunstschule Vorpommern-Rügen bester Anlass, sich mit dieser Ausdrucksform besonders zu beschäftigen.

Was beim ersten Jugendkunstschultag Mitte März im Quartier 17 bereits begonnen hat, soll sich nun das ganze Jahr durch verschiedene Kurse und Projekte ziehen. Im Sommer ist dazu eine Ausstellung geplant. Bereits an diesem Wochenende startet ein erster Workshop.

Warum eigentlich Dada? Für Vereinschef Christian Klette sind die Parallelen unübersehbar: Als vor 100 Jahren im Cabaret Voltaire in Zürich der Dadaismus aus der Taufe gehoben wurde, habe in der Welt eine festgefahrene Situation geherrscht. In der Bestürzung über den Ersten Weltkrieg und die große Krise in Europa hat eine Gruppe von Leuten eine neue Kunstrichtung gegründet, um für sich einen Freiraum zu finden.

„Genau in so einer festgefahrenen Situation befinden wir uns heute“, sagt Klette in Bezug auf die politische Weltlage. „Deshalb haben wir uns selbst dazu ermächtigt, mit dieser Situation auf Dadas Weise umzugehen“, erklärt Klette. Denn aus seiner Sicht gäbe es nur zwei Möglichkeiten. „Entweder man flüchtet sich in den Fatalismus und Endzeitstimmung, oder man fängt an, spielerisch mit der Situation umzugehen, nimmt die Herausforderung an, und entwickelt eine eigene Position dazu.“ Und genau das wollen die engagierten Vereinsmitglieder jetzt tun.

Kursleiter Fred Lautsch war überrascht, „wie offen und frei“ zum Beispiel die Kinder mit Dada umgehen, mit einer Kunst, die auch für ihn immer schwerer erklärbar sei, je mehr er sich damit beschäftige. „Wir haben das an Zahlengedichten ausprobiert. Da rappen sie richtig los “, erzählt Lautsch.

Auf die Idee, Dada zum Jahresthema zu machen, sei man in Zusammenarbeit mit Marc Berger aus Gransee gekommen, der zum Netzwerk der Buchdrucker gehört und im Speicher am Katharinenberg „Drukksel-Kurse“, in denen es um das Spielen mit Buchstaben geht, durchgeführt hat.

Berger ruft in jedem Jahr Kollegen auf, an einem Kalender mitzuwirken. Daran hat sich auch der Verein Jugendkunst beteiligt. „ Insgesamt kamen Arbeiten von 50 Leuten aus elf Ländern zusammen“, erzählt Lautsch. Dazu ist nun eine Ausstellung geplant, für die über Crowdfunding — eine spezielle Finanzierungs-Art, bei der private Geldspenden eingesetzt werden — zustande kommen soll. Die Aktion läuft noch acht Tage. Um das Projekt zu realisieren, fehlen noch 1000 Euro. „Geplant ist, dass wir die Ausstellung vom 3. August bis 3. September — genau bis zur langen Nacht des offenen Denkmals — zeigen“, sagt Fred Lautsch. Entstehen soll außerdem eine Skulptur im Stil von Kurt Schwitters, der seine Wohnung 1922/23 zu einem begehbaren Kunstwerk machte, das als Merzbau in die Geschichte einging.

Fred Lautsch wird bereits im Mai mit Jugendlichen in die Schweiz, direkt an die Geburtsstätte des Dadaismus reisen. In Bischofszell bei Zürich steht ein Besuch des Typoramas, eines Museums für Setzmaschinen, auf dem Programm. Am Ende soll über die Eindrücke eine Zeitung unter dem Motto „Reise-Dada“ gedruckt werden. Fertiggestellt ist bereits ein witziges Dada-Karten-Suchspiel , bei dem die Wortsilben-Paare der gleichen Typographie wie bei einem Memory gesucht, gemerkt und gefunden werden müssen.

Viel Spaß hatte auch eine andere Gruppe, die unter Leitung von Sylvia Knöpfel, das wahrscheinlich „längste Lautgedicht der Welt“, wie die Kulturpädagogin versichert, auf eine über drei Meter lange Papierrolle schrieb. Anton, Jakob, Bruno, Selma, Leon und Valerie — alle zwischen neun und elf Jahre alt — haben sich dafür Quatschworte ausgedacht, Nonsensbegriffe erfunden und Symbole verwendet, die sie aneinander reihten.

Am kommenden Wochenende nun wollen Sylvia Knöpfel und Christian Klette eine Werkstatt für Kinder und Erwachsene — die sich gegenseitig inspirieren sollen — anbieten. Im Speicher am Katharinenberg 35 wird mit Hilfe der Trickfilmtechnik eine bewegte Collage zu originalen Dada-Texten entstehen.

Sylvia Knöpfel kann sich dafür sehr gut das Lautgedicht „Zug der Elefanten“ von Hugo Ball vorstellen. „Vielleicht denken wir uns aber auch selbst etwas aus“, sagt die Archivarin und will der Kreativität keine Grenzen setzen.

Eine Kunst, um die Menschen vom Wahnsinn zu heilen

Unter dem Titel „Dadaland“ schrieb Hans Arp: „Angeekelt von den Schlächtereien des Weltkrieges 1914, gaben wir uns in Zürich den schönen Künsten hin. Während in der Ferne der Donner der Geschütze grollte, sangen, malten, klebten, dichteten wir aus Leibeskräften. Wir suchten eine elementare Kunst, die den Menschen vom Wahnsinn der Zeit heilen und eine neue Ordnung, die das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle herstellen sollte. Wir spürten, dass Banditen aufstehen würden, denen in ihrer Machtbesessenheit selbst die Kunst dazu diene, Menschen zu verdummen.“

Im „Eröffnungs-Manifest“ über den ersten Dada-Abend in Zürich am 14. Juli 1916 hieß es: „Dada ist eine neue Kunstrichtung. Das kann man daran erkennen, dass bisher niemand etwas davon wusste und morgen ganz Zürich davon reden wird.“

Für den Verein Jugendkunst wurde ein Satz des französischen Schriftstellers Francise Picabia (1879 -1953) zu einem Leitgedanken: „Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.“

Weitere Infos zu den Projekten:

• www.spiefa.de www.startnext.com/ausstellung-dada-ist-100/dankeschoens/#pnav

Von Marlies Walther

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