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Stralsund Alte Glaskunst kommt in die Werkstatt
Vorpommern Stralsund Alte Glaskunst kommt in die Werkstatt
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00:00 12.10.2016
Claudia Schumacher dokumentiert per Kamera die Schäden an den Kenzer Bleiglasfenstern. Quelle: Detlef Lübcke

Die historischen Bleiglasfenster in der Sankt-Marien-Kirche von Kenz sollen ausgebaut und restauriert werden. „Wir hoffen, dass die Arbeiten Anfang 2017 beginnen können“, sagt Pastor Kai Steffen Völker. Die Kosten schätzt er nach jetzigem Stand auf eine halbe Million Euro. Einige Kostenangebote lägen noch nicht vor. Die evangelische Kirchengemeinde hofft, das Projekt zu 50 Prozent aus Bundesmitteln finanzieren zu können. Für die andere Hälfte bemüht sie sich bei verschiedenen Stiftungen um Unterstützung.

Vor 40 Jahren sind die Fenster zum letzten Mal repariert worden.“Claudia Schumacher, Sachverständige aus Koblenz

„Mit der Notsicherung eines der Glasfelder, das herauszufallen drohte, wurde der Zustand offensichtlich“, erklärte Pastor Völker. Claudia Schumacher vom Sachverständigenbüro für Kunst- und Denkmalpflege von Dr. Ivo Rauch in Koblenz hat die Fenster untersucht. Die Expertin hat die Schäden analysiert, den zu erwartenden Restaurierungsaufwand aufgeschlüsselt und der Kirchengemeinde eine Kostenschätzung erstellt. Allein für die Glasarbeiten liegt diese bei 200000 Euro.

„Vordergründig ist es wichtig, die alten Malereien zu schützen, auch vor Steinschlag und Vandalismus“, so Claudia Schumacher gegenüber der OZ. „Die Werke sind um 1430 entstanden. Vor 40 Jahren sind die Fenster zum letzten Mal repariert worden“, erklärt die Fachfrau.

Der Zustand der etwa 180 Glasfelder ist ganz unterschiedlich. In wohl jedem von ihnen wurden schon einmal Risse mit Notbleien repariert. Einzelne Bleiglasscheiben weisen außerdem Bruch-, Riss- und Setzungsschäden auf. Eine Ursache dafür sei, dass die einzelnen Glasfelder offenbar keine zusätzlichen Rahmen zur Stabilisierung erhalten haben.

„Dass einige Glasfenster in sich nicht geschlossen stabil sind, hat zuletzt das gebrauchte und herauszufallen drohende Herzoginfenster offensichtlich gemacht“, sagt Kai Völker. Die alten Fenster weisen auch Verunreinigungen und Farbabweichungen auf. Festgestellt wurde ebenfalls, dass die Befestigung der Bleiglasfenster nicht sachgerecht ist. Die sechs Chorfenster in der ehemaligen Wallfahrtskirche zählen zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bleiglasfenstern in Deutschland. Laut Berlin-Brandenburgischer Akademie der Wissenschaften stellen sie den umfangreichsten Bestand mittelalterlicher Glasmalerei in Mecklenburg-Vorpommern dar und besitzen erstrangigen Denkmalwert.

Gegenwärtig wird auch die Sanierung des stark geschädigten Dachstuhls der Kenzer Kirche vorbereitet. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2017 beginnen. Die anstehende Sanierung des Dachstuhls hat mit den Ausschlag dafür gegeben, dass die Kirchengemeinde die Fensterrestaurierung angeht.

Bei der Sanierung des Dachstuhls hätten einzelne Glasscheiben oder gar ganze Glasfelder durch Erschütterungen herausfallen können. Das wollte die Kirchengemeinde verhindern, und auch, dass die Fenster ohne eine vorher beschriebene Restaurierungsperspektive für unbestimmte Zeit eingelagert würden. Für die weitere Sanierung der Kenzer Dorfkirche hat die Gemeinde Ende des letzten Jahres von MV-Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) einen Bescheid über 279000 Euro aus noch verfügbaren Städtebaufördermitteln erhalten. Das Geld wird in Kenz gebraucht, um den Dachstuhl des Kirchenschiffes sanieren zu können.

„Die Holzkonstruktion ist morsch und die Eindeckung teilweise beschädigt“, erklärt Pastor Völker. Zuletzt sei das Dach Ende der 30er- Jahre gedeckt worden. Nach Möglichkeit sollen zwei Drittel der alten Dachsteine wiederverwendet werden. Das hänge jedoch davon ab, ob noch so viele Ziegel erhalten seien, wie Völker sagt. Das werde sich dann nach dem Abdecken zeigen. An Sanierungskosten für den Dachstuhl sind 465000 Euro veranschlagt. Völker freut sich, dass vier Stiftungen die evangelische Kirchengemeinde unterstützen und den Rest der aufzubringenden Summe tragen wollen.

Seit 2010 sind mehr als 450000 Euro verbaut worden, um die Kenzer Kirche zu erhalten. Im Frühjahr 2015 ist das Dach des Kirchturms neu eingedeckt worden. So wie vor 1895 ist das Turmdach seit einem Jahr wieder mit Eichenschindeln gedeckt. Dabei ist die mittelalterliche, achtseitige Rhombenform des Turmdaches wiederhergestellt worden.

Detlef Lübcke

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