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Auf der Suche nach Heimat in der Fremde

Theater Vorpommern lockt mit neuen Stücken Auf der Suche nach Heimat in der Fremde

Dritter Teil der Monodramen-Reihe feiert am Theater Vorpommern Premiere

Stralsund. Er sitzt allein auf einer Bank und wartet. Viele Jahre lebte der alte Mann in einem Dorf in Mecklenburg. Er hatte einen Job, eine Identität und fühlte sich heimisch. Mit der politischen Wende 1990 wurde alles anders. Jetzt will seine Tochter ihn in den Westen holen. Doch für den Melker, gespielt von Jörg F. Krüger, ist das eine fremde, unbekannte Welt. Und während er dort sitzt, bilanziert er sein Leben.

Das Stück „Melken“ ist Teil der Monodramen-Reihe im Theater Vorpommern. Heute Abend ist Premiere. Als zweites Stück wird „Medea. Stimmen“ aufgeführt. Die bekannte DDR-Schriftstellerin Christa Wolf (1929-2011) nahm sich des antiken Stoffes an und erzählte ihn neu. Als Medea steht Claudia Lüftenegger auf der Bühne im Gustav-Adolf-Saal, in der Jakobikirche Stralsund.

Beide Theaterstücke vereint ein Thema: Es geht um Heimat und Fremde. „Und es geht um die eigene Identität in der Heimat oder Fremde“, sagt Regisseur Hannes Hametner. Seine Aufgabe war es, zusammen mit Jörg F. Krüger die Geschichte des Melkers auf die Bühne zu bringen. Dabei gibt es Parallelen zwischen dem Schauspieler und seiner Figur.

Krüger wird am Ende der Spielzeit seine Karriere beenden. Auch er kann, nach mehr als 40 Jahren Bühnenerfahrung, sein Leben bilanzieren. „Beide haben gewisse Brüche wie die Wendezeit in ihrem Leben mitgemacht“, erklärt Regisseur Hametner. Dadurch könne Krüger seine eigenen Erfahrungen gut in die Figur des Melkers einfließen lassen. Für das Buch ist Autor Jörn Klare sechs Wochen gereist. Er habe herausfinden wollen, was für ihn Heimat bedeutet. „Dabei traf er einen alten Melker, der ihm seine Geschichte erzählte“, erklärt Hametner. Der Regisseur gehört seit der Spielzeit 2015/2016 fest zum Team des Theaters.

Das neue Einpersonen-Stück hat neben dem realen Kern einen aktuellen Bezug. Im Dorf des Mannes gibt es ein Flüchtlingsheim – fremde Menschen versuchen, dort eine Heimat zu finden. „Die Situation hat es in Deutschland ja oft gegeben“, sagt Hametner. Das Publikum sei aufgerufen, sich zu der Situation und der Einstellung des Melkers eine eigene Meinung zu bilden. Im Gegensatz zu „Melken“ – wo die Figur sich durch den Verlust der Arbeit in ihrer Heimat nicht mehr wohl fühlt – versucht Medea in der Fremde ein Stück Heimat zu finden.

Im klassischen Sinn ist Medea die Kindsmörderin, ein Ungeheuer und eine Fremde. „Diese Seite kommt gerade nicht in der Geschichte von Christa Wolf vor“, sagt Regisseurin Annett Kruschke. Die Berlinerin schwärmt für die Sprachgewalt der Autorin. „Ihre Werke sind für mich immer eine beeindruckende Literatur gewesen. Es war nicht einfach, aus dem Buch ein Theatermanuskript zu machen“, räumt sie ein.

Die Autorin schickt Medea in einen Machtkampf. Sie ist wieder die Fremde und wehrt sich gegen die Verurteilung der Einheimischen. Die Frage ist schließlich: Wer gewinnt den Kampf? Wird Medea sie selbst bleiben können oder sich schließlich beugen?

„Es wird vermutet, dass Christa Wolf eigene Erfahrungen in das Buch gelegt hat“, sagt Annett Kruschke. Die Autorin hatte es in der DDR nicht immer leicht. Denn auch die gebürtige Polin war gewissermaßen eine Fremde.

Obwohl beide Stücke tiefgründig und melancholisch sind, seien sie gut zu verstehen. „Es wird ein erlebnisreicher Abend“, ist sich Annett Kruschke sicher. Auf Einführungen zu den Stücken habe das Theater bewusst verzichtet. „An einigen Tagen wird es hinterher die Möglichkeit zur Diskussion geben“, verrät Theatersprecherin Petra Haase.

Manuela Wilk

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