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Ausstellung für den Meister des Taufengels

Groß Mohrdorf Ausstellung für den Meister des Taufengels

Mohrdorfer Kirchengemeinde widmet Elias Keßler eine Ausstellung, die heute mit Vortrag und Konzert eröffnet wird

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Elias Kessler hat den Groß Mohrdorfer Taufengel erschaffen. Ihm widmet die Kirchengemeinde jetzt eine Ausstellung, die heute mit einem Vortrag eröffnet wird. Außerdem wird zu einem Benefizkonzert eingeladen.

Quelle: Sebastian Kühl

Groß Mohrdorf. Dem Schöpfer des Mohrdorfer Taufengels wird eine besondere Ehre zuteil: Die Kirchengemeinde möchte mit einer Ausstellung diesen Meister ganz besonders ehren: Elias Keßler hat das Kunstwerk geschaffen, ist aber auch Schöpfer vieler anderer Skulpturen.

Um sein Schaffen in den Mittelpunkt zu rücken, wird heute um 14 Uhr eine Bilderschau in der Mohrdorfer Patronatskirche eröffnet. Zu hören ist dazu ein Vortrag von den beiden Greifswalder Kunsthistorikern Dr. Felix Schönrock und Detlef Witt. Danach findet ein Rundgang durch die Ausstellung statt.

Und die zeigt Fotos, die Elias Keßler als Meister des Barocks würdigen. Der Stralsunder Bildhauer wurde um 1685 geboren und starb auch 1730 in seiner Heimatstadt. Karl Möller bezeichnet Keßler in seinem Werk „Stralsunder Bildhauerkunst des 18. Jahrhunderts“ als „den seit dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts führenden Bildhauer der Provinz Schwedisch-Pommern“. Keßler wird zum

ersten Mal 1704 in einem Verhandlungsprotokoll des Tischleramtes Stralsund erwähnt. Detlef Witt sieht in Keßler den künstlerisch bedeutendsten Vertreter dieser Zunft in der Hansestadt am Sund. Der Bildhauer hinterließ seine Spuren in den Dorfkirchen von Sagard, Niepars, Prohn und eben Groß Mohrdorf. Er schuf über 200 Figuren, etliche Reliefs und ornamentale Plastiken – und dazu zählen auch die Taufengel in Prohn und Groß Mohrdorf.

Erst vor zwei Monaten war der Engel in der Patronatskirche nach umfassender Restaurierung eingeweiht worden (die OZ berichtete). Seitdem hängt der Taufengel – eine besondere Form des Taufbeckens – wieder in der dreischiffigen Backsteinkirche. 16000 Euro wurden investiert.

1945 war der Engel, der 1724 entstand, abgestürzt und lag jahrelang weitgehend unbeachtet im Seitenschiff unter einer Treppe. Erst die Recherchen und ein Vortrag von Autorin Brigitte Becker-Carus 2009 in der Groß Mohrdorfer Kirche im Rahmen ihrer Arbeit an dem Buch „Taufengel in Pommern“ retteten die Skulptur aus der Vergessenheit. Die Germanistin und gelernte Bibliothekarin, die selbst aus einer Grimmener Pfarrersfamilie stammt, erarbeitete eine Dokumentation über den Bestand der Taufengel im Bereich der Pommerschen Evangelischen Kirche. Sie recherchierte in Pfarrgemeinden, Archiven, Bibliotheken, sogar in hinterpommerschen Gotteshäusern und im ehemaligen Ostpreußen.

„Frau Becker-Carus hat den Groß Mohrdorfer Taufengel als schönsten Engel in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnet“, erinnerte sich Dr. Ingrid Hartmann, Chefin des Fördervereins der Mohrdorfer Kirche und Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, damals im OZ-Gespräch. Und so beschlossen 2009 beide Gremien, die Restaurierung der vom Stralsunder Bildhauer Elias Keßler geschaffenen Engelsfigur in Auftrag zu geben.

Mit der Ausstellung, die heute eröffnet wird, wird der Taufengel in das Gesamtschaffen des Stralsunder Bildhauers eingeordnet. Interessenten sind herzlich eingeladen.

Kaffee und Kuchen gibt es anschließend in gemütlicher Runde im Gemeinderaum in der Alten Schule. Um 17 Uhr wartet dann ein weiterer Höhepunkt: Zu erleben ist ein Benefizkonzert mit dem Streichquintett „ViVaViVaCe“ in der Kirche. Dahinter stehen Florian Sigeneger (Violine), Ulrich Schwandt (Violine), Wilfried Schleinitz (Viola), Almut Schleinitz (Viola) und Harm Wulff (Violoncello).

Gespielt werden Werke von Joseph Haydn, Antonin Dvoràk und Ludwig van Beethoven. Der Erlös des Konzerts soll für die Sanierung von Chordach und Turm verwendet werden.

Barocke Taufengel in Vorpommern

Taufengel sind meist Kinder des Barocks. Sie zogen im 18. Jahrhundert in die Gotteshäuser ein, was auch ganz praktische Gründe hat. Nach dem nordischen Krieg mussten viele Kirchen für den protestantischen Predigtgottesdienst neu ausgestattet werden. Da Beicht- und Patronatsstühle sowie ausreichend Sitzplätze gebraucht wurden, der Platz aber knapp war, verbreitete sich auch der Kanzelaltar, wo der Prediger von oben herab die Bibel auslegte.

26 Figuren sind in Vorpommerns Kirchen zu finden. In Nordvorpommern sind es sieben, darunter die Lesepulttaufen in Glewitz, Schlemmin und Semlow. 2008 wurde der schwebende Engel in Flemendorf restauriert. Er wird auch wieder für Taufen genutzt. Vor zwei Monaten kehrte der Engel nach Kohrdorf heim. Auch in der Prohner Kirche schwebt so ein Engel.

Die dreischiffige Backsteinkirche Groß Mohrdorf mit Polygonchor, südlicher Sakristei und einer südlichen Vorhalle wurde im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts errichtet. Der breitere Westbau besitzt unter dem Pyramidendach einen unvollendeten Mittelturm. Am Kirchenschiff befinden sich Reste eines Konsolfrieses.

3 Mausoleen stehen auf dem Kirchhof – die Begräbniskapelle Klot-Trautvetter, die Preetzer Kapelle und eine weitere.

Ines Sommer

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