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Carmen als Provinzsternchen mit dem Zeug für Hollywood

Stralsund Carmen als Provinzsternchen mit dem Zeug für Hollywood

Großer Trubel für ganz große Oper. Im Theater sind in dieser Woche alle auf den Beinen. Morgen hat „Carmen“ Premiere. Der Abend ist schon lange ausverkauft.

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Die Oper „Carmen“ feiert am Sonnabend um 19.30 Uhr im Stralsunder Theater Premiere. Fotos(3): Juliane Voigt

Stralsund. Großer Trubel für ganz große Oper. Im Theater sind in dieser Woche alle auf den Beinen. Morgen hat „Carmen“ Premiere. Der Abend ist schon lange ausverkauft. Aus dem Orchestergraben schmettern Trompeten und große Pauken, Becken scheppern. Schon die Ouvertüre hat ja einen enormen Wiedererkennungseffekt.

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Großer Trubel für ganz große Oper. Im Theater sind in dieser Woche alle auf den Beinen. Morgen hat „Carmen“ Premiere. Der Abend ist schon lange ausverkauft.

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Carmen, eine Oper in vier Akten von Georges Bizet feiert morgen, 19.30 Uhr, im Großen Haus des Theaters Vorpommern in Stralsund Premiere. Am 2. April wird die Oper erstmals in Greifswald aufgeführt, um 19.30 Uhr im Großen Haus und am 15. Mai um 20 Uhr in Putbus.

Denn natürlich kennt jeder „Carmen“, die Oper von George Bizet. 1875 in Paris uraufgeführt, schockierte Bizet sein Publikum mit einer bis dahin einzigartigen Frauenfigur. So eine unverschämte Person, wild und triebhaft, geradezu verdorben. Und das drei Stunden lang auf der Bühne. Paris reagierte ausgesprochen zugeknöpft. Das ist mehr als 100 Jahre her. Und „Carmen“ war seitdem unzählige Male auf allen Bühnen der Welt zu sehen. Endlich auch wieder einmal in Stralsund (zum ersten Mal in diesem Haus übrigens 1916, in der ersten Spielzeit).

Unter der Regie von Operndirektor Horst Kupich haben wir hier eine „Carmen“, bei der man sich schon denken kann, dass es sich hier nicht um eine temperamentvolle Zigeunerin handelt, wenn man weiß, dass Anna Wagner sie singen wird. Die Carmen auf dieser Bühne ist eine blonde amerikanische Schönheit. Und die ganze schreckliche Liebestragödie trägt sich in einem amerikanisch-mexikanischen Grenzort zu. „Wir haben uns von den Flamenco-Röcken befreit“, so Ausstatter Christopher Melching augenzwinkernd. Keine spanische Folklore also, sondern Assoziationen zu „Es war einmal in Amerika“, Gangstertypen, Prohibition, Grenzschmuggel. Die 30er-Jahre, die große Depression der Amerikaner. Diese Carmen sei vor allem eine faszinierende Frau, eine richtige Frau, die als Typ aus der grauen Masse in der Tabakfabrik herausragt, so Horst Kupich.

Und so ist Carmen auch hier eine sehr selbstbewusste Frau, die ganz genau weiß, was sie will, nämlich ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Da kann Don José, der sie als sein Eigentum beansprucht, sich auf den Kopf stellen. Carmen ist ein Provinzsternchen, das das Zeug für Hollywood hat. In der Provinz eine aufsehenerregende Glamour-Partie. Jeder will mal an ihrer Kippe ziehen. Don José, gesungen von Dennis Marr (doppelt besetzt von Karo Khachatryan) bewahrt die Blume, die sie ihm am Anfang zugeworfen hat, bis zum bitteren Ende auf. Er geht für sie ins Gefängnis, lässt sich degradieren. Er lässt es so weit kommen, dass er ihr in die Illegalität der Schmuggler-Szene folgt. Und er wird sie umbringen. Das ist nunmal das Ende von Carmen und der Oper. Interessant ist immer wieder, wie ein Regisseur es zu diesem Eklat kommen lässt.

Auch in der musikalischen Arbeit, so Generalmusikdirektor des Philharmonischen Orchesters Vorpommern Golo Berg, wird diese Produktion nicht alle Erwartungen bedienen. Unter dem, was oberflächlich als die Musik aus dieser Oper bekannt ist, erkennt Berg ganz authentische Dinge von Verlustängsten, Partnerschaft, Verführung und Sex. „Ihre Arien beginnen im piano, ganz leise. Sie benutzt ihre Bühnenpräsenz als Sängerin vor einer Horde Soldaten. Die Männer fordern sie ja auf zu singen, und sie verführt, ohne dass ihr viel daran liegt, aber mit allem, was ihr gegeben ist.“

Der Regisseur hat mit den Sängern intensiv an einer kompromisslosen Umsetzung dieser Herangehensweise an ihre Rollen gearbeitet. Carmen muss auch mal unflätig sein und gar nicht nett oder hübsch. Das muss man auch hören. Das kann auch mal völlig daneben klingen. Das ist schwer für so eine junge Sängerin wie Anna Wagner. Sie kann sich nicht auf irgendwas Gelerntem ausruhen oder zurückziehen. Mit diesem Anspruch des Regisseurs machen die jungen Sänger Grenzerfahrungen. Für die Darsteller sind diese Hauptpartien große solistische Herausforderungen. Auch für den Opernchor, der Unterstützung erhält vom Extrachor des Theaters und dem Kinder- und Jugendchor (alle unter Leitung von Rustan Samedov.) Die Spannung steigt also bis morgen Abend. Und dann heißt es „Auf in den Kampf!“. Die Oper wird übrigens auf Französisch gesungen. Aber die Dialoge sind auf Deutsch. Und die Übersetzung des Gesangs wird über der Bühne eingeblendet.

Chor-Samstag

Tanzen, Singen, Spielen: Das Theater öffnet am Samstag seine Pforten für Familien, Schüler, Studenten, Junge und Junggebliebene, die Spaß am Singen haben.

Unter Anleitung von Chordirektor Rustam Samedov können Samstag unter dem Motto „Im Chor“ einige Hits aus der Oper „Carmen“ entdeckt werden. Außerdem sind die Teilnehmer aufgerufen, ihre eigene Chorszene unter Anleitung einer Musiktheater-Regisseurin in Szene zu setzen. Die Veranstaltung findet von 14 bis 17 Uhr statt.

Von Juliane Voigt

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