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Stralsund Der Mann, der mit den Engeln kann
Vorpommern Stralsund Der Mann, der mit den Engeln kann
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00:00 12.07.2016

Ist er das? Nein, der hält ja gar keine Taufschale – Dr. Ulrich Stolzenburg aus Schmedshagen hatte dem über sich schwebenden Groß Mohrdorfer Original am Sonnabend in der Mohrdorfer Kirche lange und intensiv ins Gesicht gesehen, nun suchte er das Abbild des Engels in der Fotoausstellung mit Werken des bedeutenden Stralsunder Barockbildhauers Elias Keßler (1685 bis 1730). „Aber Ähnlichkeiten unter den Engeln gibt es schon“, erkennt er mindestens eine Handschrift des Holzschnitzmeisters, der erstmals 1707 als Tischlergeselle in der Hansestadt erwähnt wurde und 1719 als Bildhauermeister Stralsunder Bürgerrechte erlangte.

„Keßlers Skulpturen zeichnen sich durch starke körperliche Präsenz, bewegte Körperhaltungen, eine ausdrucksstarke Gestik und schwungvolle Gewanddraperien aus. ... Barock par excellence“, erläutert Kunsthistoriker Detlef Witt aus Greifswald bei seinem Vortrag zur Eröffnung der Foto-Ausstellung mit Kesslers Werken in der Mohrdorfer Kirche.

Keßler hatte sich das Bildhauermonopol in Stralsund gesichert und mit seinen Gesellen so viele Aufträge, dass manche Entwürfe durchaus mehreren Figuren zugrunde liegen könnten, wird gemunkelt.

Skulpturen und Schätze aus der Keßler'schen Werkstatt finden sich auf Rügen, in Niepars, Sagard, Semlow, Prohn, Kenz, Lassan, Loitz, Görin und natürlich auch in Stralsund. Witt hatte den von Kessler geschaffenen Groß Mohrdorfer Taufengel vor Jahren in bedauernswertem Zustand gefunden, der ebenfalls in der Fotoausstellung dokumentiert ist.

„Grau mit weißen Flecken im Gesicht, genau, das ist er“, erkennt Stolzenburg ihn nun mit etwas Mühe im Foto nahe des Eingangsbereiches wieder. Eigentlich war er ja wegen des Konzerts gekommen. Nach dem Taufengel ist nämlich vor dem Chordach und dem Turm, wies Dr. Ingrid Hartmann vom Förderverein der Kirche Groß Mohrdorf und Küsterin das Publikum schon einmal auf die nächsten Baustellen hin. Und unterstützte dann das Greifswalder Streichquintett ViVaViVaCe mit seiner Interpretation einiger Werke von Joseph Haydn, Antonin Dvorák und Ludwig van Beethoven. „Ein hörenswertes Konzert“, fand Stolzenburg. Unterdessen begutachteten die Greifswalder Kunsthistoriker Dr. Felix Schönrock und Detlef Witt weitere restaurierte Engel aus der Groß Mohrdorfer Kirche, sie waren ein paar Jahre „zur Kur“ in Dresden und sind nun die ersten Boten der bevorstehenden Sanierung des Beichtstuhles, die im August von der Sommerschule Dresden ausgeführt werden soll. Anfang September soll der Beichtstuhl – ein Werk des Keßler-Nachfolgers Jakob Freese – mit sanierten Engeln seinen alten Platz dort wieder einnehmen, wo jetzt noch eine Fotowand steht.

„Sie haben ganz etwas Besonderes hier, diese Kirche ist so spannend“, zeigten sich Witt und Schönrock beeindruckt von Groß Mohrdorfs Gotteshaus, seiner tollen Akustik und seiner gesamten Ausstattung.

Besonders, beachtlich und ungewöhnlich seien der Altar und die frühgotischen Portalreste der Sakristei. Man sollte einmal die Archive durchforsten, stimmten sie mit Ingrid Hartmann ein wenig Zukunftsmusik an.

Die Foto-Ausstellung „Elias Keßler - Meister des Barock“ ist bis 30. August werktags von 8 bis 15.30 Uhr in der Kirche Groß Mohrdorf zu sehen.

Susanne Retzlaff

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