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Der Mohrdorfer Engel kehrt endlich heim

Groß Mohrdorf Der Mohrdorfer Engel kehrt endlich heim

2009 begann eine Spendenaktion für die Restaurierung dieses besonderen Taufbeckens von 1724 – morgen wird Einweihung gefeiert

Groß Mohrdorf. Ein Kunstwerk kehrt morgen in die Groß Mohrdorfer Patronatskirche zurück. Der Taufengel, eine besondere Form des Taufbeckens, hängt jetzt wieder in der Dorfkirche. Und das wird natürlich gefeiert: Die evangelische Kirchengemeinde lädt um 14 Uhr zu einem Festgottesdienst mit Taufengelfest ein.

OZ-Bild

2009 begann eine Spendenaktion für die Restaurierung dieses besonderen Taufbeckens von 1724 – morgen wird Einweihung gefeiert

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Den Gottesdienst gestaltet Helga Ruch, Pröpstin der Propstei Stralsund. Außerdem hält Restaurator Tino Simon von der Hochschule für Bildende Künste Dresden einen Vortrag über die in Sachsen erfolgte Restaurierung des Taufengels. Studenten dieser Hochschule kümmern sich im Rahmen von Sommerschulen sehr oft um Schätze aus den Kirchen. So haben die Dresdener auch die Evangelisten-Figuren des Altars aus der Velgaster Kirche gereinigt, gesichert und restauriert (die OZ berichtete).

Im Anschluss an den Gottesdienst feiert die Kirchengemeinde mit ihren Gästen die erfolgreiche Erneuerung des Taufengels in der dreischiffigen Backsteinkirche, die im 13. Jahrhundert gebaut wurde.

Danach sind alle in der Alten Schule in Groß Mohrdorf zu einem Gemeindefest in gemütlicher Runde willkommen.

Im Jahr 1945 war der Engel, der 1724 entstand, abgestürzt und lag dann jahrelang weitgehend unbeachtet im Seitenschiff unter einer Treppe. Erst die Recherchen und ein Vortrag von Autorin Brigitte Becker-Carus 2009 in der Groß Mohrdorfer Kirche im Rahmen ihrer Arbeit an dem Buch „Taufengel in Pommern“ retteten den Engel aus der Vergessenheit. Die Germanistin und gelernte Bibliothekarin, die selbst aus einer Grimmener Pfarrersfamilie stammt, erarbeitete eine Dokumentation über den Bestand der Taufengel im Bereich der Pommerschen Evangelischen Kirche. Sie recherchierte in Pfarrgemeinden, Archiven, Bibliotheken, sogar in hinterpommerschen Gotteshäusern und im ehemaligen Ostpreußen.

„Frau Becker-Carus hat den Groß Mohrdorfer Taufengel als schönsten Engel in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnet“, erinnert sich Dr. Ingrid Hartmann, Chefin des Fördervereins der Mohrdorfer Kirche und Vorsitzende des Gemeindekirchenrats. Und so beschlossen 2009 beide Gremien, die Restaurierung der vom Stralsunder Bildhauer Elias Kessler (1685-1730) geschaffenen Engelsfigur in Auftrag zu geben.

„Wir haben seit 2009 viele Spenden gesammelt, um die Restaurierung zu finanzieren“, so Ingrid Hartmann, die auch als Küsterin in Groß Mohrdorf tätig ist. Unterstützung kam von der Ursel-Grohn-Schönrock-Stiftung. Die Arbeiten an dem Engel wurden an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden durchgeführt und von Restaurator Stephan Thürmer bildhauerisch ergänzt. Auch die Aufhängung des Engels an der Kirchendecke über dem Altar musste erneuert werden. „Beim Anbringen des Taufengels hat uns die Feuerwehr sehr unterstützt. Das war eine Riesenaktion“, erinnert sich Ingrid Hartmann. Allein die Suche nach der historischen Öffnung in der Decke, die inzwischen verputzt war, sei langwierig gewesen. Insgesamt habe die Restaurierung mehr als 16000 Euro gekostet, schätzt Ingrid Hartmann. Entsprechend groß sei die Freude in der Gemeinde, dass nun das Taufengelfest gefeiert werden könne.

Seine eigentliche Funktion kann der Taufengel als besondere Form des Taufbeckens allerdings nicht mehr erfüllen. Die restaurierten Arme des Engels sind zu schwach, um die Taufschale sicher zu halten. Aus diesem Grund wurde kein Absenkmechanismus installiert, mit dem der Engel sonst bei einer Taufe herabschweben würde. „Stattdessen haben wir den alten Taufstein erneuern lassen“, sagt die Küsterin.

Dazu wurden Becken und Mittelstück vom Steinmetzbetrieb Eichhorst neu angefertigt. Der historische Fuß des Beckens, der vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammt, konnte aus dem Fundament eines Emporenpfeilers geborgen werden.

Nun ist endlich alles fertig, der Engel ist wieder heimgekehrt – so können jetzt unter der schwebenden Holzfigur wieder Taufen am Taufstein stattfinden.

Wie der Barock-Engel in die Gotteshäuser kam

Taufengel sind meist Kinder des Barock, zogen im 18. Jahrhundert in die Gotteshäuser ein, was auch ganz praktische Gründe hat. Nach dem nordischen Krieg mussten viele Kirchen für den protestantischen Predigtgottesdienst neu ausgestattet werden. Da Beicht- und Patronatsstühle sowie ausreichend Sitzplätze gebraucht wurden, der Platz aber knapp war, verbreitete sich auch der Kanzelaltar, wo der Prediger von oben herab die Bibel auslegte.

26 Figuren sind in Vorpommerns Kirchen zu finden. In Nordvorpommern sind es sieben, darunter die Lesepulttaufen in Glewitz, Schlemmin und Semlow.

2008 wurde der schwebende Engel in Flemendorf restauriert. Er wird auch wieder für Taufen genutzt. Auch in der Prohner Kirche schwebt so ein Engel. Darstellungen von Engeln bei der Taufe Christi im Jordan finden sich bereits seit dem 12. Jahrhundert auf Taufsteinen. Die Taufe ist eine heilige Handlung, die den Menschen in Verbindung zu Gott bringt, ihn symbolisch rein wäscht, von Sünden und vor einem ewigen Tod bewahren soll. Engel begleiten diese Heiligung und übernehmen den Schutz des Menschen vor dem Bösen.

2010 hat die Studentin Mandy Lenk im Rahmen ihrer Diplomarbeit an dem Taufengel gearbeitet. Die konservatorische Arbeit, die die angehende Restauratorin an der barocken Figur leistete, zeigte schnell Erfolg: Die Reinigung ergab eine reiche historische Bemalung. Der Engel erstrahlte dank frischem Rot und Gold bereits 2010 in ganz neuem Glanz.

Doch die Arbeiten konnte die Studentin allein nicht leisten. Denn die Schäden an der gut 1,60 Meter großen Holzfigur waren erheblich. Die feuchte Lagerung in der Kirche sorgte nicht nur für Risse im Material und Schimmelpilzbildung. Die Fachfrau diagnostizierte damals auch erschreckenden Schädlingsbefall...

Sebastian Kühl und Ines Sommer

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