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Die Dichterin und das Meer

Stralsund Die Dichterin und das Meer

Die gebürtige Polin Paulina Schulz will frischen Wind in die Kultur des Nordens bringen / Die Ostsee hat sie infiziert

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Die Liebe zum Meer hat Autorin und Übersetzerin Paulina Schulz (43) nach Stralsund gelockt.

Quelle: Marlies Walther

Stralsund. Sie hat 20 Bücher aus dem Polnischen übersetzt. Paulina Schulz ist Lyrikerin, Romanschriftstellerin, Herausgeberin, Dozentin, Kulturmanagerin und gründete eine Schreibschule. 2014 brachte sie ihren ersten eigenen Roman, „Das Eiland“, heraus. Und jetzt hat sie auch noch ihren Bootsführerschein gemacht, nachdem sie ihre Liebe zu einem alten Fischkutter aus Stahl entdeckte. Auf dem „Seefuchs“ könnte sie sich gut Lesungen oder andere ähnliche Veranstaltungen vorstellen.

Die 43-jährige gebürtige Polin tanzt auf vielen Hochzeiten. Sie sprüht voller Ideen. Und das scheint ihr nicht nur großes Vergnügen zu bereiten, sondern es ist so etwas wie eine Mission: Sie will frischen Wind in die Kultur des Nordens bringen. Und ist mittendrin.

Die Hansestädterin knüpft seit Jahren Kontakte im deutsch-polnischen Kulturaustausch. Im August wird sie mit ein++em Stipendium innerhalb des Programms „Artists in residence“ in die europäische Kulturhauptstadt Breslau fahren. Am 30. Juli beginnt die Reise dorthin mit dem Kulturzug.

Paulina Schulz wird aus ihren eigenen Werken lesen und an der Übersetzung eines weiteren Romans der Polin Nadia Szagdaj arbeiten. Mit dieser Autorin einer Retro-Krimi-Reihe, die um 1910 in Breslau spielt, landete die Übersetzerin einen regelrechten Glücksgriff. Denn Nadia Szagdaj erfreut sich in Deutschlands Literatur-Szene gerade wachsender Popularität. Die Fernsehsender Arte und MDR stellten sie ebenso vor wie Spiegel online. Und die Leserschaft ruft nach mehr.

Ihren eigenen zweiten Roman hat Paulina Schulz auch schon am Wickel. Wieder soll es wie schon bei ihrem Debüt um die Suche nach der eigenen Identität gehen, um Verletzbarkeiten jugendlicher Seelen, darum, was Menschen sich antun. Der Titel „Wüstungen“ stehe für einen abgelegenen Ort, aber auch für schwere seelische Verwüstungen.

Wenn sie schreibt, habe sie immer „einen Film im Kopf“ sagt Paulina Schulz. Selbst ist sie in einem Haus voller Bücher in den Sudeten aufgewachsen, unmittelbar neben einem Kino. Sie habe mit ihrem Bruder eine idyllische Kindheit verlebt. Doch da gibt es auch andere prägende Ereignisse: Ihr Vater wurde in Polen als Oppositioneller verfolgt. Er war Mitglied der Solidarnosc-Bewegung und kam ins Gefängnis. Paulina erlebte das Leid hautnah mit. Als sie 16 war, ging die Familie mit deutschen Wurzeln und dem Namen Schulz nach Deutschland. Damals konnte sie auf Deutsch gerade mal sagen, wie sie heißt und wo sie wohnt. Am Gymnasium im Saarland machten es die Mitschüler der Fremden nicht leicht. Wenn sie von Brüchen im Leben schreibt, weiß sie, wovon sie spricht. Doch sie bestand nicht nur das Abi, sondern hatte auch einen Deutschlehrer, der sie begeisterte. Früh stand für sie deshalb fest, dass sie „was mit Sprachen und Schreiben“ machen möchte.

„Aus Spielerei habe ich Gedichte und Prosa übersetzt“, erzählt die Stralsunderin über den Anfang. Studiert hat sie am Literaturinstitut in Leipzig literarisches Übersetzen mit den Nebenfächern Prosa und Film. Nach einer „Odyssee durch Deutschland“, wie sie es nennt, landete die Autorin vor fünf Jahren mit Mann und Tochter in Stralsund. Das sei dem „Virus Meer“ geschuldet, den sie geschluckt habe, wie sie lachend zugibt.

Es sei zunächst so etwas wie eine Schnapsidee gewesen, als das junge Paar im „Klabautermann“ am Hafen während eines Urlaubs beschloss, nicht nur an der Ostsee zu heiraten, sondern ganz nach Stralsund zu ziehen. Schon längst stand für die junge Frau fest, dass sie lieber im Osten Deutschlands bleiben möchte, weil sie die Mentalität der Menschen an die eigene Heimat erinnere. „Stralsund hat sich sofort richtig angefühlt. Die Stadt ist herrlich, die Landschaft schön, die Leute toll“, sagt die Hansestädterin.

Gearbeitet hat sie bereits für so namhafte Verlage wie Heyne, Ullstein, Dumont oder den Deutschen Taschenbuch Verlag. Inzwischen gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem jungen, unabhängigen Freiraum-Verlag in Greifswald. Dort tritt sie jetzt auch als Herausgeberin einer polnischen Reihe auf. Das Programm steht bis 2020.

Sonnabend liest die gebürtige Polin aus ihrem Roman „Das Eiland“

1973 wurde Paulina Schulz geboren. Sie stammt aus einer deutsch-polnisch-tatarischen Künstlerfamilie und lebt seit 1989 in Deutschland. Am Literaturinstitut in Leipzig studierte sie Prosa, Film, Dramatik und als Hauptfach Übersetzen. Die Stralsunderin arbeitet als Autorin, Übersetzerin und Dozentin.

Sie veröffentlichte bislang in zahlreichen deutschsprachigen und polnischen Literaturzeitschriften und Anthologien (Deutscher Taschenbuch Verlag, Das Magazin, Odra, Die Horen, MDR-Anthologie), holte mehrere Preise und Stipendien. Erschienen sind von ihr zwei Lyrikbände („Paralysing shadows“ und „Meeres.Spiegel“), zwei Fotobände mit Thomas Karsten und Kurzgeschichten.

Ihr erster Roman „Das Eiland“ kam im März 2014 auf Deutsch und im Sommer 2015 auf Polnisch („Wyspa“) heraus. Eine tschechische Version ist geplant. Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Roman „Wüstungen“, sowie an einer Anthologie, die 2019 beim Greifswalder Freiraum-Verlag erscheinen soll. Bekannt geworden ist Paulina Schulz unter anderem als Übersetzerin der historischen Krimi-Reihe über das alte Breslau von Marek Krajewski und der Biografie „Der letzte Klezmer“ von Jacek Cygan.

Seit 2015 gibt die Hansestädterin die Reihe „Neue polnische Literatur“ im Freiraum-Verlag heraus. Seit vielen Jahren ist sie im deutsch-polnischen Kulturaustausch aktiv.

Am 9. Juli, 18 Uhr, liest Paulina Schulz im Café Art, Querkanal 3a (ehemaliges tschechisches Restaurant). Mehr infos: www.paulinaschulz.eu.

Marlies Walther

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