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Stralsund Die Thalheim singt Lieder von Alter und Tod
Vorpommern Stralsund Die Thalheim singt Lieder von Alter und Tod
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00:00 19.01.2015
Barbara Thalheim während ihres Konzerts am Freitagabend im Theater. Quelle: Christian Rödel

Über Alter und Tod zu reden, zu schreiben, zu sinnieren oder, wie es die Liedermacherin Barbara Thalheim tut, zu singen, ist für viele Menschen nur schwer erträglich.

Obwohl beiden Themen Teil zum Leben gehören, werden sie oft tabuisiert.

Die Berliner Sängerin Barbara Thalheim stellte sich der unumstößlichen Realität und machte daraus ein bemerkenswertes Konzert-Programm, das sie mit dem Titel „Alt-Tag“ überschrieb. Mit ihrer Band gastierte sie am Freitagabend im Stralsunder Theater und ermunterte das Publikum, lustvoll und auch ironisch mit dem Altern umzugehen. Denn immerhin: Bis zum Jahr 2050 wird Deutschlands Bevölkerung nach Barbara Thalheims Aussage, die sich auf statistische Quellen beruft, etwa 17 Millionen Menschen verlieren. „Ohne Zuwanderung wäre Deutschland bald arm dran“, lautete die Schlussfolgerung der 68-jährigen Künstlerin.

In den Liederpausen versorgte die Thalheim das Publikum mit auf Leinwand projizierten wunderbaren Schwarzweißfotos bereits verstorbener Persönlichkeiten wie Regine Hildebrand, Heiner Müller, Günter Gaus und Lothar Bisky. Die mit 122 Jahren in Arles verstorbene Französin Jeannne Calment soll einmal gesagt haben: „Gott hat mich vergessen.“ Als die Thalheim dieses Zitat auf der Bühne zum Besten gab, erntete sie ein begeistertes Lachen im Saal. Die Songs reicherte sie in den Ankündigungen zudem mit weiteren, erheiternden Geschichten an.

Da war ein weitab der Zivilisation lebendes Völkchen in Ecuador, bei dem Lebenserwartung bis heute so erstaunlich ist, dass sich reiche Amerikaner dort in der Nähe Villen bauen ließen — und trotzdem mit 70 Jahren „wie die Fliegen starben“. Ob Songs wie „Alte Frau im Winter“ oder auch „Ich habe keine Höhle mehr“ - es sind Mutmacher-Lieder, die der Vergänglichkeit des Lebens die Stirn bieten und einen angesichts des stetigen Älterwerdens etwas gelassener werden lassen.



Christian Rödel

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