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„Diese ganze sinnlose, restliche Welt!“

Stralsund „Diese ganze sinnlose, restliche Welt!“

Regisseur Hannes Hametner bringt das Hiddenseeabenteuer Kruso von Lutz Seiler gelungen auf die Bühne

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Manfred Ohnoutka als Kruso, hinten Ronny Winter als Edgar Bendler und Sarah Bonitz, die in „Kruso“ am Theater Vorpommern in mehrere Rollen schlüpft. Probenfoto: Vincent Leifer

Stralsund. Kruso auf der Bühne: Das heißt noch lange nicht, dass man diesen Roman erstens jetzt nicht mehr lesen muss oder zweitens jetzt endlich alles verstanden hat. Am Donnerstag hatte das Schauspiel im Gustav Adolf Saal Premiere, übrigens eine so ausverkaufte, dass es an der Kasse Diskussionen um die letzten Karten gab und die Vorstellung später begann.

Kruso: Weitere Termine

Termine bis Ende des Jahres: 20. Oktober, 20 Uhr, 28. Oktober, 20 Uhr, jeweils Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund; 1. November, 20 Uhr, Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald; 24. November, 20 Uhr, Gustav-Adolf-Saal, Stralsund; 2./3. Dezember, 20 Uhr, Rubenowsaal, Greifswald.

• www.theater-vorpommern.de

Und dieser Bühnen-Kruso ist nun wiederum auch nur ein Versuch, sich diesem umständlichen Werk, diesem 2014 mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichneten und hochgelobten Hiddenseeroman von Lutz Seiler zu nähern.

Regisseur Hannes Hametner hat, wie ein Bildhauer eine Figur aus Marmor schält, dieses Stück aus einem nicht erzählbaren Buch herausgearbeitet. Und zwar Wort für Wort im Originalton Lutz Seilers.

Es war eine sehr elitäre, intime Veranstaltung. Denn Kruso und Ed, die beiden Hauptakteure, schlugen auf der Bühne solche Haken, dass einem erst einmal die Luft wegblieb. Die Bühne, ein verrostetes, angespültes Schiffswrack, hat den Symbolgehalt eines ähnlich heruntergekommen Systems oder eines sich langsam leerenden Klausners auf Hiddensee im Sommer 1989. Bis zur Pause werden Kruso und Ed lautstark und wild entschlossen Freunde, finden sich in einer untrennbaren Haudegen-Brüderschaft. Dabei fliegen Teller, wird mit der Axt herumgefuchtelt und Gedichte werden aufgesagt.

Kruso (Manfred Ohnoutka) organisiert die Klausner-Familie. Er regelt eigentlich alles. Er weiß alles. Ed, gespielt von Ronny Winter, entdeckt seine Freude an Sex und Frauen.

Apropos Frauen. Die gab es auch. Sarah Bonitz, ein Kunstgriff des Regisseurs. Bonitz spielte leichtfüßig und ironisch die Fantasiefrauen in den Köpfen der Jungs. Ed hat seine Freundin verloren. Krusos Schwester ist eines der unzähligen Opfer, die bei Fluchtversuchen über die Ostsee verschollen sind. Es liegt eine spürbare, große Trauer dann letztlich über Allem. „Diese ganze sinnlose, restliche Welt!“ sagt Kruso. Und Sarah Bonitz erweckt auch auf zauberhafte Weise diesen sprechenden, ominösen Fuchs aus dem Buch zum Leben, ein Fellkragen eigentlich, aber der kann am Ende sogar rauchen.

Der zweite Teil war dann deutlich ruhiger, berührender. Alles scheint wegzurutschen, der Klausner geht so unter wie die DDR. Welcher Ed symbolisch den Todesstoß versetzt, indem er Kruso, eher aus Versehen, ein Messer in die Brust rammt.

Und dieser Untergang kündigte sich an. Die Feeling B-Sause mit der sich anschließenden Schlägerei, Krusos Verschwinden. Und das grandiose Flaggentheater von Jan Bernhard. Ein Schauspieler, der alle Rollen spielte, die übrig waren, und das in einer magischen Wandlungsfähigkeit. Mal Klausnerchef, mal Stasionkel oder Physikervater. Es war eine Show!

Das Stück hat diesen kryptischen, tiefsinnigen und philosophischen Text nicht entschlüsselt. Brauchte es auch nicht. Es ist eine Sicht. Und eine, die ziemlich nah herankommt an das, was der Autor sagen wollte. Wahrscheinlich.

Juliane Voigt

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