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Stralsund Ein Leben in Bildern

Rotraud Stange ist 90 Jahre alt und malt leidenschaftlich gern, am liebsten den Norden

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Ein Bild ist bei ihr nie fertig: Rotraud Stange (90) findet an ihren Arbeiten meistens noch etwas nachzubessern.

Quelle: Foto: Miriam Weber

Stralsund. Eine Biografie in Bildern – das sind die Werke von Rotraud Stange. Im Moment ist die 90-Jährige dabei, Bilder für eine alte Schulfreundin zu malen, mit der sie noch immer in Kontakt steht. „Wir haben früher in der Tschechoslowakei gelebt“, sagt Rotraud Stange und zeigt auf Bilder, die als Motiv die Burg Schreckenstein haben. Die Burgruine steht im Böhmischen Mittelgebirge in der heutigen Tschechischen Republik.

Wie es im Leben, zumindest geografisch gesehen, bei Rotraud Stange weiter lief, kann man an ihren Arbeiten erkennen. Viel Ostsee, viel plattes Land und weiter, typisch norddeutscher Himmel. „Wir wurden ausgesiedelt und haben lange in Born gelebt“, erzählt die sympathische Seniorin. Nach dem Krieg lernte sie ihren Mann kennen, beide arbeiteten als Lehrer in Westmecklenburg. 1980 zog es die Stanges nach Stralsund, dort bauten sie das Scharfrichterhaus an der Ecke Filter-/Papenstraße aus. „Ich habe als Kunsterzieherin und Musiklehrerin an der Gerhart-Hauptmann-Schule gearbeitet. Unter anderem“, wie sie mit einem Lachen hinzufügt. Denn Rotraud Stange hat auch einen Chor geleitet, Unterricht für Blockflöte und Mandoline gegeben. Es kam auch vor, dass sie andere Fächer wie Physik oder Deutsch unterrichten musste. „Das war eben so“, sagt sie mit einem Schulterzucken.

Schon bei ihren Schülern war Rotraud Stange eine Sache wichtig: „Ich wollte immer die Begeisterung meiner Schüler für Kunst wecken, aber sie sollten nicht unter Zwang lernen.“ Zwar habe sie schon immer gern gezeichnet, doch erst nach dem Tod ihres Mannes mit dem Malen in der Freizeit angefangen. Ein künstlerisches Vorbild habe sie nie gehabt. „Da muss man einen eigenen Stil entwickeln.“ Aber dann sagt sie nach kurzem Überlegen: „Ich finde es schon gut, wenn man auf den Bildern auch etwas erkennt. Sogenannte moderne Kunst ist eher nicht so mein Fall.“

Besonders Landschaften haben es ihr angetan. „Die größte Herausforderung, aber auch das schönste Motiv sind die Ostsee und der norddeutsche Himmel.“ Was bei den unzähligen Zeichnungen von Rotraud Stange auffällt, sind die oft leuchtenden Farben. „Ich mag es, mit Acrylfarben und Pastellkreide zu arbeiten“, erklärt sie. Letztere würde dafür sorgen, dass die Farben leuchten.

Das Helle und Freundliche entspricht auch dem Naturell der Künstlerin. „Sie ist unglaublich lebensbejahend und lebensfroh“, sagt Monika Schwerin, Leiterin des Pflegeheims „Rosa Luxemburg“, in dem Rotraud Stange seit dem vergangenen Jahr zu Hause ist. „Eigentlich hat sie immer etwas zu tun. Langeweile gibt es bei ihr nicht“, erklärt Monika Schwerin. „Das bestätigt Rotraud Stange sofort: „Wenn man nichts macht, wird man blöd. Und das Zeichnen fordert mich auch geistig.“ Außerdem sei es ihr wichtig, dass sie mit ihren Bildern anderen Menschen eine Freude machen kann. Auch deshalb verschenkt sie in jedem Jahr Kalender mit ihren Bildern.

Bei Rotraud Stange ist ein Bild nie endgültig fertig. „Ich finde immer etwas, was ich noch ausbessern kann“, sagt sie mit einem Lachen. „Ein Strich hier oder dort, der kann schon das i-Tüpfelchen sein.“ Wenn sie arbeitet, braucht die Rentnerin allerdings ihre Ruhe. „Ich male gern in meinem Zimmer, mit einem Brett auf dem Schoß. Ich mag es nicht, wenn mir jemand beim Arbeiten über die Schulter schaut oder Gewusel rundherum herrscht. Das lenkt mich nur ab.“

Im Pflegeheim wurde der Hansestädterin übrigens ein großer Wunsch erfüllt, denn dort bekam sie ihre eigene Ausstellung. „Mit einer richtigen Eröffnung mit Kammermusik und einem Glas Sekt und vielen Gästen, so wie sich das gehört“, sagt Monika Schwerin. Nun sind zahlreiche Arbeiten von Rotraud Stange im ganzen Haus zu sehen.

Miriam Weber

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