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Gräber bekommen endlich mehr Licht

Stralsund Gräber bekommen endlich mehr Licht

Freiwillige Helfer befreiten am Samstag die Gräber des St.-Jürgen-Friedhofes von Gestrüpp und Unrat

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Sabine Düben (v.l.), Dr. Angela Pfennig und Eleonore Heiß am Grab des Max Horn, ehemaliger Stralsunder Superintendent, dem es höchstwahrscheinlich zu verdanken ist, dass die Jakobi-Kirche noch steht.

Quelle: Fotos: Christian Rödel

Stralsund. Ein verwunschener, traurig-schöner Ort ist der Sankt-Jürgen-Friedhof im Stadtteil Knieper. Gewissermaßen auch ein vernachlässigtes Stiefkind unter den städtischen Friedhöfen Stralsunds, weil trotz seiner berühmten Toten (unter anderem Elisabeth Büchsel und Ferdinand von Schill), die hier begraben wurden, die Hansestadt kaum Geld für den Erhalt dieser einzigartigen Begräbnisstätte aufbringen kann. Es ist ein Dilemma, wie hier unwiederbringliches Kulturgut verfällt und überwuchert wird! Gäbe es nicht private Stralsunder Initiativen würde der 1326 unter Wartislaw IV. angelegte Gottesacker wohl schon völlig verwahrlost sein.

Am vergangenen Wochenende machte sich die promovierte Gartenhistorikerin und Architektin Angela Pfennig daran, wieder etwas für den Erhalt des Friedhofes zu tun. Von Samstagmorgen bis zum frühen Nachmittag befreiten mit ihr zehn Stralsunder die Grabstätten von Unrat und Gestrüpp. „Das sonnige Wetter ist ideal für unseren Arbeitseinsatz, den wir hier regelmäßig durchführen“, sagte Angela Pfennig und erzählte, dass sie mit ihren Helfern seit fünf Jahren im Frühjahr, Sommer und im Herbst auf dem Friedhof aktiv ist. Es gäbe zwar ein städtisches Pflegekonzept für die Ruhestätte, aber die klamme Stadtkasse lässt kaum die Finanzierung einer regelmäßigen Pflegedienstleistung zu.

Eine so genannte Ausdünnung der friedhofstypischen Vegetation übernehmen die Stralsunder Nabu-Gruppe, der Stralsunder Schützenverein, Privatpersonen und die von Dr. Angela Pfennig geführte Akademie für Garten- und Landschaftskultur. Der Landschaftsarchitekt Nicolaus Fehmel und sein Kumpel Frank Beyer haben sich in das Dickicht geschlagen, um dort mittendrin einen Baum abzusägen. „Wir müssen hier natürlich aufpassen, dass wir keine Vogelnester beschädigen“, meinte Nicolas Fehmel. Der Verwaltungsjurist Claus Pergande und Kollege aus Angela Pfennigs Abteilung für Straßen und Stadtgrün entdeckte beim Stutzen der Sträucher ein altes Grabkreuz und versuchte die Inschrift zu entziffern, was ihm nur teilweise gelang. Ein anderer Helfer fand eine ganze Sammlung von leeren, völlig verdreckten Flaschen, die vor ziemlich langer Zeit einmal hochprozentigen Schnaps zum Inhalt gehabt haben müssen. Einige Leute benutzen den Friedhof auch als Müllhalde. Sabine Düben, die auch regelmäßig zu den Arbeitseinsätzen kommt, meinte nachdenklich: „Dieser Ort sollte eigentlich zu innerer Einkehr und Meditation anregen.“

Am 11. September plant Gartenhistorikerin Angela Pfennig, die eine auf zehn Wochenstunden reduzierte Stelle in der Abteilung Straßen und Stadtgrün bekleidet, eine Führung aus Anlass des bundesweiten Denkmaltages anzubieten. Die Grabstätte des fast vergessenen Stralsunder Superintendenten Max Horn, der von 1878 bis 1963 lebte, haben die aktiven Mitstreiter von Angela Pfennig schon frei legen können. Doch weitere Areale des Friedhofes sind immer noch überwuchert und dadurch verschattet.

Geschichte des Friedhofs

Im Jahre 1675 fasst der Rat der Stadt Stralsund den Beschluss, den Friedhof auf dem Areal anzulegen, auf dem er sich noch heute befindet. Erst ab 1715 wurden auch Reiche auf dem St.-Jürgen-Friedhof bestattet. So liegt hier zum Beispiel der Begräbnisort der Fürstin von Putbus. Im Jahr 1778 verbot die Königlich Schwedische Regierung Bestattungen innerhalb der Stadtmauern. Der St.-Jürgen-Friedhof gewann zunehmend an Bedeutung als Begräbnisstätte.

Seit 1990 gilt der Friedhof als Geschützter Park, die beiden Hauptalleen mit ihren Linden als Geschützte Alleen. 1992 wurde ein Gestaltungsplan entworfen. Neue Einfriedungen in den Jahren 1995 und 1996 unterstrichen wieder den Charakter als abgeschlossene Parkanlage. Derzeit erfolgt peu à peu die Umsetzung eines Entwicklungskonzeptes aus dem Jahr 2003.



Christian Rödel

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