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Stralsund Gutsfamilie vergiftete sich – Buchheldin überlebte
Vorpommern Stralsund Gutsfamilie vergiftete sich – Buchheldin überlebte
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00:00 13.04.2017

Eine tragische Geschichte steht im Mittelpunkt des Buches „Im Zweifel fürs Leben“. Es ist die Geschichte von Gisela Hawkey, eine geborene Schönow. Schönow wie die Gutsfamilie, die bis 1945 in Niepars lebte – und sich hier auch selbst ausgelöscht hat.

Im Nieparser Bücherturm findet am 20. April die Buchlesung „Im Zweifel fürs Leben“ statt. Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Gisela Hawkey, die damals Schönow hieß und Tochter der Gutsfamilie war. Die Schönows wählten aus Angst vor den Russen 1945 den Freitod – nur Gisela überlebte. Quelle: Foto: Privat
So sah Gisela Schönow damals aus, als sie gemeinsam mit ihrer Familie in Zansebuhr und Niepars lebte. Erst jetzt mit 90 Jahren erzählte sie ihrem Patensohn Ingo Küster ihre ganze Lebensgeschichte, die im Kruse-Verlag 2016 als Buch erschien.

Gisela Schönow verbrachte ihre Kindheitsjahre in Niepars und Zansebuhr. Sie ging erst in Niepars zur Schule und fuhr später mit dem Zug von Martensdorf nach Stralsund. Sie erlebte den Zweiten Weltkrieg als junges Mädchen, besonders die Bombardierung von Stralsund blieb ihr in Erinnerung.

Dort, wo sich heute das Ofenhaus von Lutz Dames befindet, kam es 1945 zu einem furchtbaren Ereignis: Die Angst vor den nahenden Russen war so groß, dass sich die Familie für den Freitod entschieden hat. Vater, Mutter und die vier kleinen Geschwister starben durch das von Gisela besorgte Gift, denn sie arbeitete in der Apotheke. Sie selbst nahm auch Gift – und sollte doch als einzige überleben.

Denn ausgerechnet ein Offizier der Roten Armee fand sie rechtzeitig und hat sie damit gerettet.

„So manche Nacht habe ich nur geweint, meine Tränen hätten wohl Seen füllen können. Wie konnte ich weiterleben? Wie sollte ich zu einem erträglichen oder gar normalen Leben zurückfinden? Es schien mir unmöglich. Das einzige Mittel, so dachte ich, war für mich fortan Arbeit und nochmals Arbeit. Sie sollte meine getroffene, leere Seele und die mich immer wieder erschütternden Bilder in meinem Kopf überdecken...“, heißt es in dem Buch, das ihr Patensohn Ingo Küster nach ihren Berichten geschrieben hat.

Die Zeit nach dem Krieg blieb für Gisela mit Höhen und Tiefen verbunden. Sie ging nach England, gründete eine Familie und bekam zwei Söhne, die noch heute – wie auch Gisela selbst – in England leben.

Der Kontakt nach Stralsund und Niepars blieb über die Jahre erhalten, auch wenn die DDR-Zeit das nicht immer leicht machte.

Auch dem georgischen Offizier, der das junge Mädchen einst gerettet hatte, gelang es nach vielen Jahren, den Kontakt zu Gisela zu finden, hier spielten neben Glück hilfsbereite Menschen eine entscheidende Rolle. Erst im Alter von über 90 Jahren war Gisela bereit, ihre Geschichte für ein Buch zu erzählen. Dieses Buch schrieb ihr Patensohn Ingo Küster und veröffentlichte es im Herbst 2016 im Druck- und Verlagshaus Kruse.

Besonders Erika Meier, die in Niepars lebt und zum 725. Dorfjubiläum 2007 für die Chronik des Ortes recherchierte und diese mit dem Material von über 130 Zeitzeugen aufgeschrieben hatte (die OZ berichtete), hat die Geschichte von Gisela Schönow nie aus den Augen verloren. Sie hielt auch den Kontakt. Und der führte letztendlich dazu, dass Ingo Küster und seine Lebensgefährtin nun auch in Niepars das Buch „Im Zweifel fürs Leben“ vorstellen. Treffpunkt ist am 20. April. Und welcher Ort könnte passender für so eine besondere Lesung sein als der Bücherturm in Niepars...

„Wir denken, dass Ingo Küster auch Bildmaterial dabei hat. Man darf also auf diese Buchlesung sehr gespannt sein. Ich vermute, dass viele Ältere aus der Gemeinde die Familie noch kennen. Sie können sich bestimmt an die Gutsfamilie und an die tragischen Ereignisse von 1945 erinnern“, sagt Bürgermeisterin Bärbel Schilling (parteilos). Die Gemeinde lädt zu dieser besonderen Veranstaltung ein und sorgt mit Getränken auch für ein wohliges Ambiente. „Aber das wird bestimmt ganz emotional. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie man selbst in so einer Situation handeln würde...“ sagt die Bürgermeisterin, die sowohl Einwohner der Gemeinde Niepars als auch andere Gäste willkommen heißt, in die Vergangenheit einzutauchen.

Ines Sommer

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