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Heimat zwischen zwei Welten

Stralsund/Berlin Heimat zwischen zwei Welten

Meine neue Heimat heißt Berlin. Die Hauptstadt mit wenigen Worten zu beschreiben, ist schwierig. „Chaotisch, laut und unfreundlich“, hatte mir ein Schulfreund nach dem Abitur versichert.

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Der einstige Stralsunder Yusuf Rieger ist mittlerweile ein erfolgreicher Poetry Slammer.

Quelle: Fotos: Privat

Stralsund/Berlin. Meine neue Heimat heißt Berlin. Die Hauptstadt mit wenigen Worten zu beschreiben, ist schwierig. „Chaotisch, laut und unfreundlich“, hatte mir ein Schulfreund nach dem Abitur versichert. Damit war Berlin für mich nie eine Option.

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Meine neue Heimat heißt Berlin. Die Hauptstadt mit wenigen Worten zu beschreiben, ist schwierig. „Chaotisch, laut und unfreundlich“, hatte mir ein Schulfreund nach dem Abitur versichert.

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Ich mag das Großstadtleben mit all den Freiheiten und Möglichkeiten, aber auch der Verantwortung.“Yusuf Rieger (20)

Zwei Jahre und ein paar Monate auf Weltreise später war ich in Berlin gelandet. Immatrikuliert für Deutsche Literatur und Kulturwissenschaft an der Humboldt Universität, nachdem ich ursprünglich Sport in Köln studieren wollte. Pläne ändern sich. In meinem Fall recht drastisch. Doch nach meinem Auslandsaufenthalt kam nur noch die Metropole Berlin in Frage und ein Studium mit Gedichten von Goethe und Schiller schien plötzlich interessanter als Geräteturnen und runde Lederbälle.

Rund lief es anfangs allerdings nicht. Um ehrlich zu sein, es war eine Katastrophe. Berlin war, wie mein Freund prophezeit hatte, laut und chaotisch. Ich war mit den vielen Menschen und Möglichkeiten grenzenlos überfordert. Dazu kamen überfüllte Hörsäle, Literaturtheorie statt Faust und überraschend viele Hindernisse bei der Wohnungssuche. In Berlin lernt man gezwungenermaßen, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen.

Nach nun sechs Monaten muss ich feststellen, es sind unglaublich viele Dinge gekommen und es ist wahnsinnig viel passiert. Neben Studium, eigener Wohnung und neuen Freunden habe ich auch ein neues, spannendes Hobby gefunden, das immer mehr meiner Zeit in Anspruch nimmt — Poetry Slam. Ein Dichterwettstreit bei dem mehrere Teilnehmer, mit selbstgeschriebenen Texten gegeneinander antreten.

Es geht um Ruhm und Ehre und ab und zu auch um ein bisschen Taschengeld. Nach meinem Tag in der Uni, schnappe ich mir nun also regelmäßig meine Texte und präsentiere sie auf den zahlreichen Lesebühnen und Slam-Veranstaltungen in und um Berlin.

Und das mit Erfolg. Schon nach wenigen Wochen durfte ich auf den größten Veranstaltungen Berlins auftreten und nach einem halben Jahr Bühnenerfahrung gibt es nun sogar Anfragen aus anderen deutschen Städten, sodass ich zu mehreren Slams in Hamburg, Bochum, Leipzig und anderen Städten reisen werde, um meine Gedichte dort vorzutragen. Als Student ist das eine tolle Möglichkeit, kostenlos in Deutschland herumzukommen und andere Städte und ihre Slam-Szenen kennenzulernen. Doch manchmal fehlt mir Stralsund. Dort lebte man ohne große Verantwortung bei den Eltern. Nach der Schule ging es zu Freunden oder vor den Laptop. Jetzt geht es plötzlich darum, sich neben dem Studium, um die eigene Wohnung, eine geregelte Wochenplanung und im besten Fall um ein warmes Mittagessen zu kümmern. Doch so geht es, wie ich glaube, allen jungen Erwachsenen, die von Zuhause weg, in die große Welt ziehen. Ich mag das Großstadtleben. Die vollgepackten Tage, die neuen Freunde und Freiheiten, aber auch die Verantwortung. Und wenn es doch mal zu hektisch wird, packe ich einfach meine Sachen und fahre in meine alte Heimat. Denn der Sund, Rügen und die Stralsunder Altstadt, damit kann selbst das hippe Berlin nicht ganz mithalten. Berlin hat zwar zu jeder Zeit alles, was man braucht. Aber wenn ich in Stralsund bin, merke ich, dass man auch ohne das Alles sehr gut leben kann.

Die schlichte Schönheit der Natur, die übersichtliche, historische Altstadt und die Insel Rügen vor der Haustür sind nur einige gute Argumente, um so oft wie möglich zurückzukommen. Es ist ein schönes Gefühl, seine Heimat zwischen zwei so unterschiedlichen Welten zu wissen und in beiden ein Zuhause gefunden zu haben.

Yusuf Rieger ist am 17. März, 20 Uhr, beim Sund-Slam in der Kulturschmiede zu erleben.

Von Yusuf Rieger

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