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Hingucker: Historische Haustüren

Stralsund Hingucker: Historische Haustüren

Restaurator Wolf Thormeier schaut mit über 1000 Fotos auf die Schätze von Bürgerhäusern in Stralsund und führt mit vielen Details vom 18. bis ins 21. Jahrhundert

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Öffnet Türen: Der Stralsunder Restaurator Wolf Thormeier gibt einen Einblick in die Stralsunder Haustürenlandschaft.

Quelle: Foto: Marlies Walther

Stralsund. Da fällt er fast mit der Tür ins Haus. Restaurator Wolf Thormeier muss gar nicht viele Worte machen. Ob prunkvoll oder schlicht, sie sind echte Hingucker:

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Restaurator Wolf Thormeier schaut mit über 1000 Fotos auf die Schätze von Bürgerhäusern in Stralsund und führt mit vielen Details vom 18. bis ins 21. Jahrhundert

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Stralsunds Haustüren! Und deshalb will er ihnen ein Denkmal setzen.

So öffnet er Türen – im zweiten Band seiner Reihe „Stralsunder Bürgerhäuser“, der jetzt im Verlag Kruse herausgekommen ist. „Erst in den letzten Jahren ist ein Umdenken im Umgang mit historischen Haustüren zu erleben. Viele, die man schon fast verloren glaubte, wurden restauriert“, sagt der Stralsunder. Mit über 1000 Fotos von rund 350 Eingangslösungen zeigt er, was eine Tür so ausmacht, wie sie konstruiert ist, wo ihre Besonderheiten in den verschiedenen Stilepochen vom 18. bis 21. Jahrhundert liegen. Detailaufnahmen und historische Bilder geben einen Einblick in die Schönheit und Vielfalt der Stralsunder Haustürenlandschaft.

„Vor allem Touristen sind es immer wieder, die mich ansprechen, ob wir denn überhaupt wüssten, was wir da für Schätze haben“, sagt Thormeier. Seine eigene Liebe zu diesen „Aushängeschildern der Hausbesitzer“ geht bis in seine Jugend zurück. In einem Projekt der damaligen Hansa-Oberschule hatten Schüler zusammen mit ihrem Zeichenlehrer Gerhard Magdeburg von 1976 bis 1986 über 40 Türen aufgearbeitet. Was bei einer Sanierung von Türen handwerklich zu beachten ist, dem widmet sich Thormeier in einem speziellen Kapitel seines Buches.

Chronologisch kann man auf über 300 Seiten durch viele Türen spazieren, vom Barock über den Rokoko oder Klassizismus bis zu Nachbildungen aus DDR-Zeiten oder moderne Lösungen wie in der Stralsunder Stadtbibliothek. Die älteste Tür, die Thormeier abbildet und erklärt, stammt aus der Zeit um 1730 und trägt ein typisches Rautenmuster. Zu den wohl schönsten zählt eine Tür, die den Einlass zum Haus der Firma Grönhagen in der Heilgeiststraße 94 verschafft. Und das hat seine besondere Geschichte. Das aufwändige Schnitzwerk entstand vermutlich 1747, denn das Haus ließ damals Michel Möller, ein bekannter Holzschnitzer, errichten. Und der machte mit diesem Meisterstück seiner Zunft alle Ehre. Diese Tür hat Thormeier sogar einmal selbst restauriert – so wie rund zehn weitere.

Er macht Türen ausfindig, die in Stralsunds Geschichte neue Plätze fanden, zum Beispiel von der Schill- in die Knieperstraße oder von der Ossenreyer- in die Wasserstraße zogen. Er lässt den Leser wissen, dass die Türen im Klassizismus mit vorgefertigten Stuck-Elementen aus Gips – wie Löwenköpfe – versehen wurden. Und er entdeckt, dass die heute oftmals bunte Farbigkeit gar nicht den Ursprung ausmachte. Belegt sei hingegen vielfach Einfarbigkeit bei der eigentlichen Farbgebung. „So wird das Spiel von Licht und Schatten auch viel deutlicher“, sagt der Fachmann. Die Haustür ist für Thormeier „das, was einen empfängt, was immer im Blickfeld des Betrachters liegt“. Und da hat „jede Epoche traumhafte Türen“, schwärmt der Hansestädter, der seit 1991 als Restaurator tätig ist, seit 1999 freischaffend.

Bereichert wird das Buch durch Zeichnungen des Stralsunder Architekten Dr. Ulrich Janzen. Außerdem schöpft Thormeier aus den Forschungen von Dr. Harald Marx, der von 1991 bis 2008 Direktor der Kunstsammlung Dresden war. Marx hatte 1964 in einer Seminar-Abschlussarbeit an der Berliner Humboldt-Uni Stralsunder Haustüren beschrieben und fotografiert. Von denen ist ein Großteil nicht mehr da.

Zu sehen sind auf diese Weise in dem Buch auch verschwundene Kostbarkeiten. „Viele Türen wurden durch Kriege oder Stadtbrände zerstört, fielen dem Zeitgeschmack zum Opfer oder wurden in der Nachwendezeit von skrupellosen Antikhändlern gestohlen“, sagt Thormeier.

Fünf Jahre hat ihn dieses Buchprojekt beschäftigt, das sich an seine Veröffentlichung über Wandmalereien anschließt. Eine Fortsetzung kann er sich gut vorstellen – mit Werbeschriften, Treppenhäusern, Fenstern und Fußböden.

Erschienen im Verlag Kruse

Das Buch „Stralsunder Bürgerhäuser – Haustüren“ von Wolf Thormeier ist im Verlag Kruse erschienen.

Erhältlich ist es beim Verlag und im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 978-3-95872-048-0 zum Preis von 26,95 Euro.

Der Autor wurde 1959 in Stralsund geboren, studierte nach dem Abitur und einer Maurerlehre – zunächst bis zum zweiten Studienjahr – Architektur in Weimar. Nach einigen Jahren als Baufacharbeiter im Bereich Denkmalpflege begann er dann im Jahre 1988 in Potsdam ein Restauratorenstudium für Wand- und Architekturfassung, das er 1991 abschloss. 1999 machte er sich in der Hansestadt selbstständig.

Marlies Walther

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