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„Ich gehe durchaus mit einem weinenden Auge“

Stralsund „Ich gehe durchaus mit einem weinenden Auge“

Generalmusikdirektor Golo Berg dirigierte am Donnerstag sein letztes Philharmonisches Konzert und übte Kritik an der Kulturpolitik des Landes

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Ein Knicks aus Verehrung? Rüdiger Lösekrug (r.) vom Theaterförderverein überreichte Golo Berg zum Abschied ein Bild von dem Rügener Maler Frank Otto Sperlich. Das Motiv zeigt den Ausnahmedirigenten Kurt Masur.

Quelle: Foto: Benjamin Fischer

Stralsund. Ein letztes Mal hat er den Verführer gegeben. Den, der sein Publikum mit der Kunst, mit der Musik verführt. Dazu passend verabschiedete sich Generalmusikdirektor (GMD) Golo Berg am Donnerstag bei seinem letzten Philharmonischen Konzert unter anderem mit Richard Strauss’ „Don Juan“ von seinen Theaterbesuchern. Nach fünf Jahren in Stralsund und Greifswald wechselt Golo Berg in der kommenden Spielzeit an das Theater Münster.

Auch wenn er von sich selbst sagt, nicht gern im Mittelpunkt zu stehen, hatte er am Donnerstagabend gar keine andere Chance: Dieser Abend gehörte ihm. Stehende Ovationen des Publikums nach dem Konzert und wortreiche Dankesreden des Intendanten des Theaters Vorpommern, Dirk Löschner, der Gründerin der Initiative „Theater leben!“, Inkeri Beland, und des Vorsitzenden des Theaterfördervereins Hebebühne, Rüdiger Lösekrug.

Für Golo Berg fast zu viel des Wohlwollens, denn: „Ein Dirigent ohne Orchester ist nichts.“ Er richtete den Fokus auf „seine“ Musiker. „Dirigenten kommen und gehen, doch das, was bleibt, ist das Orchester. Ohne die Musiker ist ein Dirigent nichts.“ Wie intensiv das Grundvertrauen zwischen Orchester und Dirigent sein kann, diese Erfahrung habe er hier gemacht. „So ist es uns gelungen, in außergewöhnlichen Momenten über das Hier und Jetzt hinauszuwachsen.“

Deutliche Worte fand der scheidende GMD zur „ungünstigen Situation“ am Theater, die „unsägliche Politik“ und die „beunruhigende Neuordnung der Theaterlandschaft“. „Am Theater sollte die Auseinandersetzung mit der Kunst im Mittelpunkt stehen. Doch dabei steht uns die Politik derzeit im Wege.“ Sie verhindere, dass die Künstler mit ganzem Herzen dabei sein können, wenn im Hinterkopf Zukunftsängste schweben. „Wir sind dafür verantwortlich, Kunst auf hohem Niveau zu produzieren und auf eben diesem zu unterhalten. Das geht nicht, wenn das Ensemble zwischen den Aufführungsorten 100 Kilometer auf der Autobahn unterwegs ist.“ Für die Zukunft wünsche er sich, dass den Mitarbeitern des Theaters Vorpommern „unbedingte Wertschätzung“ entgegengebracht werde, denn: „Es ist eine große Aufgabe, mit wenig Geld, Kunst auf gewohnt hohem Niveau zu machen.“

Immer wieder war an diesem Abend die Rede von den Spuren, die Golo Berg am Haus hinterlässt. Es sind tiefe Spuren, denn Berg hat in seiner Zeit am Theater Vorpommern viele Ideen umgesetzt, wie etwa die vom Enthusiastenorchester. Musiker des Philharmonischen Orchesters und enthusiastische Laienmusiker präsentierten sich im Mai 2014 das erste Mal unter der Leitung von Berg auf der Bühne. Am 8.

Juli wird das Enthusiastenorchester im Großen Haus des Theaters Stralsund noch einmal mit Werken von Beethoven und Mendelssohn Bartholdy zu erleben sein. Auf Bergs Konto geht zudem „Musik+“, ein Projekt, bei dem Theater und Schulen zusammenarbeiten. Eine Klasse entwickelt gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester ein von den Schülern moderiertes Konzert zu einem bestimmten fachübergreifenden Thema.

Für sein letztes Philharmonisches Konzert in Vorpommern wählte Golo Berg Werke von Richard Strauss, Richard Wagner und Robert Schumann und verriet seinem Publikum abschließend: „Glauben Sie mir, ich gehe durchaus mit einem weinenden Auge.“

Ein Leben voll Musik

1968 wurde Golo Berg in Weimar geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ bei Prof. Gunter Kahlert.

Sein erstes Engagement führte Berg mit 21 Jahren an das damalige Landestheater Mecklenburg. Damit war er einer der weltweit jüngsten Chefdirigenten.

Seit der Spielzeit 2012/13 ist Golo Berg Generalmusikdirektor am Theater Vorpommern. In dieser Zeit inszenierte er unter anderem Richard Wagners „Tannhäuser“.

Miriam Weber

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