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Jubiläumsfeier wird zum überraschenden Kunsterlebnis

Stralsund Jubiläumsfeier wird zum überraschenden Kunsterlebnis

Die Künstlerin Jorinde Gustavs arbeitet seit 50 Jahren in Stralsund

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Galeristin Christine Beyer (v.l.), Künstlerin Jorinde Gustavs, Kunsthistoriker Christoph Tannert aus Berlin, Musikerin Frieda Gustavs und Tochter Svea Gustavs, gleichzeitig Künstlerin und Kollegin.

Quelle: Sandra Bergemann

Stralsund. 75 Jahre Leben und 50 Jahre Kunst: Dafür ist die Künstlerin Jorinde Gustavs am Sonnabend von ihrer Familie, Freunden und Kollegen gefeiert worden.

Sie ist avantgardistisch. Sie ist natürlich auch laut. Sie kommt nicht immer gut an. Sie ist nicht lieblich. Sie ist feministisch. Es ist wichtig, dass sie da ist!“Galeristin Christine Beyer über Jorinde Gustavs

Und zwar nicht in, sondern vor der Hanse-Galerie im Rathausdurchgang. Öffentlicher ging es in Stralsund also gar nicht. Und es war wie erwartet ein grandioses Kunst-Happening. Eine Feier, mit der Jorinde Gustavs selbst überrascht worden war.

Svea Gustavs, ihre Tochter, beide arbeiten seit vielen Jahren eng zusammen, hatte diese Kunstaktion vorbereitet und dazu eingeladen. Auch das Büfett kam aus der Familie. Sohn Thure Gustavs produziert Käse, Brot und Wurst in Zandershagen. Ein ganz privater Häppchen-Service für die für ihre antikonsumistische Haltung bekannte Jubilarin.

In der Hanse-Galerie war handliche Objektkunst zu sehen. Ausgestopfte Kissenbezüge und gerahmte, von emsigen braven Fräulein in Vorzeiten umhäkelte Stofftaschentücher mit provokanter Druckaufschrift. Jorinde Gustavs hat das Angebot von Heiner Müller, seine Texte zu materialisieren, ganz wörtlich genommen. Sie arbeitet mit textilen Materialien, Betttüchern, Taschentüchern, Mädchenkleidchen, aber auch Wischlappen, denen sie einen Text zuordnet und aufdruckt, die Materialien in Wachs taucht oder auch in Blut. Daraus entstehen oft doppelte Metaphern, die entsetzen können oder erfreuen, eine eigene Sprache bekommen.

So sperrig wie ihr Gesamt-Werk ist auch die räumliche Dimension vieler ihrer Installationen und Performances. Also waren die wichtigsten Arbeiten aus 50 Jahren künstlerischen Schaffens mittels einer Präsentation noch einmal zu sehen.

Jorinde Gustavs wurde in Leipzig geboren, studierte Textilgestaltung an der Fachschule für Angewandte Kunst in Leipzig und Schneeberg. Seit 50 Jahren lebt und arbeitet sie in Stralsund.

Der Berliner Kunstwissenschaftler Christoph Tannert hielt eine Laudatio auf die Künstlerin. Einer, den sie dafür schätzt, dass er ihre Vorgaben in Worten deutlich machen kann. Der ihre Arbeit schon seit 1986 peripher begleitet. Jorinde Gustavs habe, so Tannert, aus der angewandten Kunst kommend, aus dem Textilen – Häkeln, Stricken, Nähen – völlig neuartige, skulpturale Ansätze gefunden. Mit einer aufklärerischen Dimension und einem deutlichen politischen und feministischen Anliegen, in einer Zeit, als über Feminismus in der DDR überhaupt nicht geredet wurde.

Auch Galeristin Christine Beyer kennt die Arbeiten der Künstlerin seit 1986. Als freie Galeristin hat sie Jorinde Gustavs 1991 zum ersten Mal in der Hanse-Galerie gezeigt. „Ich schätze sie sehr“, sagt Beyer. „Sie ist avantgardistisch. Sie ist natürlich auch laut. Sie kommt nicht immer gut an. Sie ist nicht lieblich. Sie ist feministisch. Es ist wichtig, dass sie da ist!“

Und die künstlerische Ausrichtung geht inzwischen auch in die dritte Frauen-Generation über. Enkelin Frieda Gustavs studiert nämlich Komposition in Amsterdam.

Juliane Voigt

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