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Lachen ist die beste Medizin

Stralsund Lachen ist die beste Medizin

Das Theater Vorpommern führt Molieres „Der eingebildete Kranke“ auf

Stralsund. . „Erstaunlich ist, dass das Thema die Menschheit schon mindestens seit 400 Jahren quält“, stellt Hannes Hametner, Dramaturg am Theater Vorpommern, fest. Die Rede ist von der Hypochondrie, die fachsprachlich als Angststörung klassifiziert wird und durch die Dynamik gekennzeichnet ist, „dass die Anomalie als bedrohlich empfunden wird und dadurch jedes Symptom massive Angst auslöst“, erklärt Phillip Kuwert, Chefarzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Helios-Hanseklinikum Stralsund.

 

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Der eingebildete Kranke (r.) wird gespielt von Markus Voigt. Hier steht er auf der Bühne mit Jörg F. Krüger (l.), der den MonsieurFleurant spielt und mit Chiaretta Schörnig, Darstellerin von Béline. FOTO: VINCENT LEIFER

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„An Molieres Stück reizen mich die Absurdität und die Aktualität. Die Krankheit und der Umgang mit ihr sind ein hoch aktuelles, gesellschaftliches und familiäres Problem.Dominik Günther, Regisseur

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Der eingebildete Kranke (r.) wird gespielt von Markus Voigt. Hier steht er auf der Bühne mit Jörg F. Krüger (l.), der den MonsieurFleurant spielt und mit Chiaretta Schörnig, Darstellerin von Béline. FOTO: VINCENT LEIFER

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„An Molieres Stück reizen mich die Absurdität und die Aktualität. Die Krankheit und der Umgang mit ihr sind ein hoch aktuelles, gesellschaftliches und familiäres Problem.Dominik Günther, Regisseur

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Die Materie veranlasste den französischen Schauspieler und Dramatiker Moliere dazu, seine bereits 1673 uraufgeführte Komödie „Der eingebildete Kranke“ zu schreiben. Jetzt zeigt das Theater Vorpommern Molieres berühmtestes Stück. Bereits in der vergangenen Woche wurde in Greifswald Premiere gefeiert. In Stralsund steht am Sonntagvormittag um 11 Uhr im Foyer des Großen Hauses am Olof-Palme-Platz eine Matinee zu der Komödie auf dem Programm. Premiere am Sund ist am 3. Dezember um 19.30 Uhr.

Regie führt der in Bonn geborene Dominik Günther, der erstmals am Theater Vorpommern arbeitet. Er ist seit 2005 als freier Regisseur tätig und inszenierte unter anderem am Thalia Theater Hamburg, am Deutschen Theater Berlin und sogar am Jungen Staatstheater Hanoi, wofür er zahlreiche Auszeichnungen erhielt. „An Molieres Stück reizen mich die Absurdität und die Aktualität. Die Krankheit und der Umgang mit ihr sind ein hoch aktuelles, gesellschaftliches und familiäres Problem“, macht er bewusst.

Im gesellschaftlichen Konstrukt des 21. Jahrhunderts schreie alles nach Optimierung und Perfektionierung. Ratschläge für eine gesunde Ernährung, gesunde Wohnräume und ausreichend körperliche Bewegung würden medial genauso weit verbreitet wie das krankmachende Potential von Elektrosmog, legt Hametner dar. „Die Pharmaindustrie erfindet immer neue Leiden wie Hyperaktivität, das Burn-Out-Syndrom, das Jogger-Knie oder den erhöhten Cholesterinspiegel“, führt er aus. Gegenwärtiger kann ein Theaterstück also nicht sein. Bei Moliere gibt sich der eingebildet Leidende, der wohlhabende Pariser Bürger Argan, gänzlich seiner Krankheit hin und unterwirft ihr seine gesamte Lebenslust. Da müssen ununterbrochen Ärzte und Apotheker gerufen werden; die älteste Tochter Angelique soll sogar einen Arzt heiraten, damit sich der „Todsterbenskranke“ abzusichern weiß. „Und doch entsteht das eigentliche Leid dadurch, dass wir das Leid ablehnen. Das Problem sind die Gedanken, die wir uns darüber machen“, erklärt Kuwert. Das Helios Hanseklinikum ist Sponsor dieses Theaterstücks.

Um die Aktualität der Problematik zu unterstreichen, wählte Günther eine zeitgenössische Übersetzung des „Eingebildeten Kranken“ von Simon Werle. Gespannt sein darf der Zuschauer besonders auf das Bühnenbild, welches Günther wie auch bei Molieres „Menschenfeind“ zusammen mit Sandra Fox kreiert hat. Die Kostümbildnerin, die auch erstmalig am Theater Vorpommern zu erleben ist, arbeitet interdisziplinär mit szenischen Räumen. So wird eine überdimensionale Pillenpackung als Bühne fungieren. „Sie ist Ausdruck der Überhöhung eines klinischen Raumes“, erläutert sie.

Die Schauspieler werden hüpfen und klettern müssen, berichtet sie weiter. „Das ist anstrengend und zugleich Herausforderung, aber auch große Lust. Nur nicht am Montagmorgen“, erzählt Markus Voigt, der die Hauptfigur Argan spielt. Doch ist dieses hoch psychologische Stück vor allem eine wirkungsvolle Komödie. „Die Krankheit ist Platzhalter für die Ausübung der eigenen Macht“, erklärt Sascha Löschner, Chefdramaturg.

Letztlich bleibt bei allem Tragischen die Hoffnung auf ein gutes Ende. „Wie immer faszinieren die Gegensätzlichkeiten, neben Tragik auch die Leichtigkeit. Demnach wird es auch um das Lachen gehen“, verrät Günther. Denn Lachen ist ja bekanntlich die beste Medizin. So darf der Zuschauer sich auf eine mitreißende, humorvolle Inszenierung freuen.

„Der eingebildete Kranke“: Premiere in Stralsund, Sonntag, 3. Dezember, 19.30 Uhr, Großes Haus am Olof-Palme-Platz, Matinee: Sonntag, 11 Uhr, Theater-Foyer, weitere Aufführungen in Stralsund: 11. Dezember, 18 Uhr, 17. Dezember, 19.30 Uhr, 27. Januar, 19.30 Uhr, 5. Februar, 16 Uhr, 4. März, 19.30 Uhr. Karten sind noch für alle Vorstellungen erhältlich unter www.theater-vorpommern.de oder an der Theaterkasse

Annemarie Bierstedt

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