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Landes-Netzwerk soll Kirchenbibliothek retten

Barth Landes-Netzwerk soll Kirchenbibliothek retten

Wissenschaftler der Rostocker Uni haben in Regalen der 1398 erstmalig erwähnten Barther Bibliotheca Bardensis geforscht

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Christiane Michaelis, Cornelia Chamrad und Hellmut Braun (v.l.) sind in der Barther Kirchenbibliothek historischen Schätzen auf der Spur.

Barth. Hellmut Braun, Cornelia Chamrad und Christiane Michaelis haben ihre Forschungsarbeit in der Barther Kirchenbibliothek abgeschlossen. Drei Tage lang haben die wissenschaftlichen Bibliothekare der Rostocker Universität in der historischen Kirchenbibliothek den Inhalt der Bücher untersucht.

„In der kommenden Woche reisen wir in die Diözesan-Bibliothek nach Neustrelitz und machen dort mit unserer Arbeit weiter“, erklärte Hellmut Braun. Die wissenschaftlichen Bibliothekare helfen mit, ein neues Projekt umzusetzen. „Es handelt sich um ein Leuchtturmprojekt“, wie Dr. Varvara Disdorn-Liesen, Vorsitzende des Fördervereins der Barther Kirchenbibliothek, berichtete. „Die Nordkirche und die Universitätsbibliothek Rostock bauen in einem gemeinsamen Projekt ein landesweites Netzwerk der Kirchenbibliotheken auf.“ In ihm sollen die über 40 historischen Kirchenbibliotheken in Mecklenburg-Vorpommern für nachkommende Generationen erschlossen, vernetzt und gesichert werden. Das gemeinsame Projekt zum Erhalt der Kulturgüter unterstützen die Alfried-Krupp-von-Bohlen- und Halbach-Stiftung. Die Projektmitarbeiter bieten den Kirchengemeinden mit historischen Buchsammlungen Beratung und Unterstützung an. Bei Bedarf auch Fortbildungen zu bestandserhaltenden Maßnahmen.

Dazu zähle beispielsweise, wie Schimmelbefall erkannt und verhindert werden könne, wie Robert Zepf, Direktor der Rostocker Universitätsbibliothek, beschrieb.

In mancher Kirchenbibliothek schlummern vielleicht sehr seltene oder einmalige Bücher. „Das wissen wir gegenwärtig noch nicht“, sagte Robert Zepf. Er sei gespannt, welche Entdeckungen das Projektteam mit Hilfe der Verantwortlichen vor Ort in den kommenden Wochen machen werde. Er hoffe, dass auch Spektakuläres darunter sein werde. Ziel sei es, Sammlungen aus dem Vergessen zu holen und sie nachhaltig zu sichern.

Klöster und Stifte waren die mittelalterlichen Horte des Weltwissens. Ihre Bibliotheken vereinten Bände aller wissenschaftlichen Disziplinen. Noch heute schlummern in Kirchen und Gemeindehäusern kostbare Buchbestände, die – für Öffentlichkeit und Forschung unsichtbar – fernab konservatorischer Fürsorge verfallen. Auch die Kirchenbibliothek in Barth war einst für Jahrhunderte im Dornröschenschlaf versunken. In der Marienkirche wurde sie vom Reizklima der Ostsee erheblich geschädigt. Ihr Herzstück bildet die Sammlung des norddeutschen Reformators Johannes Block (1470/1480- 1544). Mit beispielsweise frühen Lutherpublikationen, Schriften Philipp Melanchthons und Drucken Matthäus Merians gewährt sie Einblicke in die europäische Kirchen- und Kulturgeschichte.

Der vor sieben Jahren gegründete Förderverein nahm sich der Buchschätze in den Regalen der 1398 erstmalig erwähnten Bibliotheca Bardensis an. Der Verein warb um Spenden und konnte Stiftungen für die Bewahrung des Buchschatzes gewinnen. Unterstützt vom fachlichen Beirat, mit großem Einsatz der Mitglieder sowie der evangelischen Kirchengemeinde, glückte die Rettung von 4000 Bänden vor der Zerstörung durch Schimmel und Feuchtigkeit. Zudem wurde der historische Bibliotheksraum gemäß neuesten Standards saniert.

Die Reinigung und fachgerechte Unterbringung waren große, erste Schritte zur dauerhaften Bewahrung der Kostbarkeiten. Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes unterstützte im vergangenen Jahr die Restaurierung von mittelalterlichen Handschriften sowie Inkunabeln. Diese auch Wiegendrucke genannten Werke stammen aus der Frühzeit des Buchdrucks, als der Letterndruck noch in der Kinderwiege lag.

Kirchengemeinden, die Interesse an einer Zusammenarbeit haben, können unter E-Mail Hellmut.Braun@nkb.nordkirche.de Kontakt aufnehmen.

Detlef Lübcke

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