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Mile Prerad weckt den Fisch im Findling

Lobkewitz Mile Prerad weckt den Fisch im Findling

Der 69-jährige Bildhauer arbeitet an der Skulptur eines Ostseefisches, der ab dem Sommer im Hafen Wiek zu sehen sein wird

Lobkewitz. Besucher und Bewohner der Gemeinde Wiek können sich bereits jetzt auf eine neue Sehenswürdigkeit freuen. Im Hafen des Ortes wird im Sommer eine große, steinerne Fischskulptur des Rügener Künstlers Mile Prerad ihren Platz finden.

Noch allerdings liegt das Rohmaterial, ein rund fünf Tonnen schwerer Findling, auf dem Rasen vor dem Haus des Künstlers Prerad. Einige Linien sind bereits über den Stein gezogen, direkt neben dem steinernen Koloss steht eine Werkbank mit Schleifgeräten, Hämmern und Ohrenschützern. Mile Prerad zieht sich Handschuhe an und startet den Trennschleifer. Unter großem Getöse werden winzige Teile des Steins abgeschliffen. Wenn man genau hinschaut, kann man aber schon ahnen, was sich im Inneren des Steins verbirgt: Ein Fisch. Genauer gesagt: ein Seehase. „Lachse oder Heringe kennen alle“, sagt er.

„Einen Seehasen nicht, dabei kommt er auch in der Ostsee vor.“ Dabei hat sich der 69-Jährige eine gute Vorlage organisiert. Prerad geht zur Kühltruhe in seinem Wohnhaus, holt einen gut faustgroßen tiefgefrorenen Fisch hervor. „Das ist er. Der Seehase.“ sagt der Künstler. „Ein durchaus seltenes Tier, das mir die Fischer mitgebracht haben.“ Der rundliche Fisch sieht ungewöhnlich aus. Keine Schuppen zieren seinen Leib, dafür kleine Knubbel, die sich in regelmäßigen Abständen über die graue Haut verteilen: „Der Fisch hat viele Linien und Strukturen“, so Prerad. „Das macht ihn so faszinierend als Modell für ein Kunstwerk aus Stein.“

Den Findling hat der Bildhauer quasi im Vorbeifahren entdeckt. „Der Stein lag auf einem Feld in der Nähe von Breege“, erzählt Prerad. „Ich wusste sofort, was in ihm steckt“. Der Landwirt, auf dessen Gelände der Stein lag, erklärte sich sogar bereit, ihm den Koloss bis auf sein Grundstück in Lobkewitz zu bringen.

Die auf Rügen gefundenen Feldsteine seien durchaus zum Bildhauen geeignet. Viele bestünden aus schwedischem Granit — einer dekorativen, aber machmal auch tückisch harten Steinart. „Zuerst schlage und schneide ich das ganz grobe weg, so dass eine Form entsteht“, so Prerad. „Dann werden die Arbeiten mit dem Meißel immer feiner.“ Das Polieren am Schluss sei anstrengender, als mancher denke. „Sieben bis acht Durchgänge braucht es“, erzählt er. „Monotone Bewegungen bei denen man sich auch noch enorm konzentrieren muss.“

Soviel Arbeit hat auch ihren Preis. Für die kapitale Steinskulptur muss eine fünfstellige Summe bezahlt werden. „Dafür steht der Stein dann ja auch lange Zeit. Vielleicht nicht für ewig, aber für immer“, sagt er und lächelt.

Die Arbeiten des Bildhauers sind in der ganzen Region zu finden, etwa 40 Skulpturen stehen auf Rügen und auf dem Festland. So zum Beispiel die Tiere der Ostsee im Glower Park oder die Robben vor dem Stralsunder Ozeaneum. Obwohl die Figuren in ihren Details perfekt ausgeformt und penibel auf Hochglanz poliert sind, schafft er es, die natürlichen Formen und Farben des Materials in das Objekt einzugliedern. Dadurch sehen die Skulpturen, obwohl aus schwerem Stein, oftmals aus, als wären sie in der Bewegung gefangen. „Ich habe viel beobachtet. Auch das muss man lernen", meint er. „Bücher, Filme im TV — Robben zum Beispiel haben wundervolle Bewegungen, die man kennen muss, will man sie darstellen.

Betrachtet man seine Holzskulptur der Mutter Gottes mit Jesuskind in der Kapelle Vitt, bemerkt man schnell, dass die Kunst Prerads nicht nur auf das Dekorative beschränkt ist. Auch in seinem Atelier findet man neben zuckersüßen Kegelrobben auch Holzskulpturen von erschreckender Intensität. Etwa das Holzrelief der „Frau mit Burka“, das eine verhüllte Frau zeigt. Eine Figur mit aktuellem Bezug zur Flüchtlingskrise? — „Aus den 1970er Jahren“, widerspricht Prerad. „Integration und Frieden sind immer schon große Themen für mich gewesen.“

Auch Prerad selbst kennt das Gefühl ein Neuer, ein Fremder, zu sein. 1966 kam er aus Jugoslawien ins Sauerland, sein Vater war hierher geflohen. Nach einer Bildhauerlehre in Jugoslawien lernte er in Deutschland noch Maschinenschlosser und Dachdecker. „Irgenwie muss man ja Geld verdienen“, sagt er. „Aber die Bildhauerei war immer meine große Leidenschaft.

Vor 20 Jahren dann zog er mit seiner Frau Marie-Anne nach Rügen. „Weil es so wunderschön ist“, sagt er. Und bei einem Blick auf die zahlreichen Findlinge an den Feldrändern hätte er schon damals erleichtert festgestellt: „Material ist auf der Insel auch genug vorhanden.“

Von Anne Ziebarth

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