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Mit Fallada durch Vorpommern

Stralsund Mit Fallada durch Vorpommern

Die Stralsunderinnen Sabine Koburger und Regina B. Apitz treten den Beweis an: Fiktion und Realität liegen in dem Roman „Der Jungherr von Strammin“ nahe beieinander

Stralsund. Keine Frage, sie hatten großen Spaß beim Forschen, Schreiben und Illustrieren. Waren überwältigt, welche Wundertüte sich während der Recherchen in Archiven und Briefwechseln auftat. Nun ermöglichen die beiden Stralsunderinnen Sabine Koburger und Regina B. Apitz einen erstaunlichen Blick hinter die Kulissen des Fortsetzungs-Romans „Der Jungherr von Strammin“, den Hans Fallada 1943 für eine Illustrierte geschrieben hat.

Die Handlung spielt um 1910/20 und enthält eine ganze Reihe Fingerzeige auf reale Orte in Vorpommern. Dazu gibt es weitere hintergründige Anspielungen sowohl literarischer als auch politischer Art.

Weil sie soviel herausfanden, seien sie in einen „missionarischen Taumel“ verfallen, wollten das anderen mitteilen, verrät die FalladaForscherin Dr. Koburger.

Entstanden ist das Sachbuch „Junger Mann auf Irrwegen – mit Falladas Romanfiguren durch Vorpommern“, erschienen im Verlag Edition Pommern. „Wir wollen zeigen, wie eng Fallada mit Stralsund und der Umgebung verbunden war“, sagt Sabine Koburger . Dazu bieten die Autorinnen eine „ungewöhnliche Lesart“ an, stellen Fiktion und Realität nebeneinander. Sie zeigen, was Fallada erfunden, gefunden und in Literatur verwandelt hat, erzählen Episoden aus dem Leben der Familie Ditzen, suchen nach realen und literarischen Vorbildern, lassen historische Orte und Personen wieder aufleben und verraten, was der Name Rauhbold mit dem prominenten Verleger Ernst Rowohlt zu tun hat.

Es werde deutlich, dass Falladas scheinbar trivialer Roman durch die vielen Anspielungen und Bezüge „eben doch ein anspruchsvoller Unterhaltungsroman ist“, stellt Sabine Koburger fest. Und wer ihn noch nicht kennt, werde hoffentlich neugierig auf die Lektüre.

Sabine Koburger und Regina Apitz können gut verstehen, was Fallada in einem Brief an den Verlag am 26. März 1943 ausdrückte: „Es ist ein Manuskript, das ich ohne alles schlechte Gewissen absende – wenn es auch nur ein Unterhaltungsroman ist – und das sage ich nur selten.“ Wahrlich war es keine leichte Zeit, in der Fallada selbst von Depressionen heimgesucht wurde und in einer tiefen Ehekrise steckte, die im Sommer 1943 mit der Scheidung endete. Da schien eine heitere Erzählweise ein Ding der Unmöglichkeit. Wohl auch deshalb siedelt Fallada die Geschichte in seiner Jugend an. „Es liegt daran, dass diesmal nichts ausgedacht und konstruiert ist, sondern alles fließt, die Erfindung kam mühelos und musste nie genötigt werden. Das ist Gnade...“, war er am Ende mit sich im Reinen.

Offenbar bewusst hat Fallada als zentralen Schauplatz Stralsund gewählt, wie er dem Herausgeber des „Stralsunder Tageblatts“ am 16. Februar 1943 mitgeteilt hatte. „Die Atmosphäre Ihrer Stadt ist es, die mich verlockt hat, meinen neuen, für die ,Woche’ bestimmten Roman dorthin zu verlegen.“ So tauchen die Baden-, Mönch- und Ossenreyerstraße ebenso auf wie das Rathaus und das Lambert-Steinwich-Denkmal oder Gutshäuser in der Umgebung. „Wir sind die Wege abgefahren und haben uns wie die Kinder gefreut, dass das eine oder andere genauso gewesen ist wie die Realität in dem Roman“, erzählt die Künstlerin Regina Apitz, die das Buch mit wunderbaren Federzeichnungen illustriert hat. Fallada habe so authentisch wie möglich sein wollen. Zum Beispiel verberge sich hinter dem Hotel „Halber Mond“ Stralsunds „Goldener Löwe“. Auch von der „Sonne“ ist zu erfahren, wo Fallada in den 1920er-Jahren gespeist hat. „Wir folgen dem Jungherrn von Löbnitz und Velgast über Stralsund, Hiddensee, Rügen bis Sassnitz und zu dem fiktiven Ort Ückelitz – das Vorbild dürfte das Schloss Preetz sein“, beschreibt Sabine Koburger. Immer, wenn es Interessantes zu berichten gibt, wird die Reise unterbrochen. Dazu gibt es historische Fotos und eine Karte des Stralsunder Malers Erich Kliefert.

Leser aus der Region dürfen sich auf viele Geschichten aus der Geschichte freuen. Für Fallada-Freunde und Touristen, die gern auf literarischen Pfaden wandeln, ist das Buch ohnehin eine gute Empfehlung. Die Buchpremiere fand übrigens in der Stralsunder Mönchstraße 12, dem Haus der Familie Werner, statt. Dort hat Fallada im Herbst 1921 gewohnt und vier Briefe an seine Geliebte geschrieben.

„Junger Mann auf Irrwegen – Mit Falladas Romanfiguren durch Vorpommern“, Edition Pommern, 18,95 Euro, ISBN: 978-3-939680-40-6.

Marlies Walther

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