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PRO & CONTRA EINFACH MAL NICHTS TUN

Stralsund PRO & CONTRA EINFACH MAL NICHTS TUN

Jugendliche fühlen sich oft von Reizen überflutet / Einige verordnen sich selbst Ruhephasen von Bildschirm und Smartphone

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Täglich sind wir vielen Reizen wie Musik, Medien und Technik ausgesetzt (im Bild Merle Ritzer).

Quelle: Richard Weinz

Stralsund. Ich bin ein passionierter Nichtstuer. Und ich strebe stets danach, meine Fähigkeiten auf diesem Gebiet auszubauen. Das gelingt mir so gut, dass selbst mein Blutdruck im Durchschnitt entspannte 100/60 mmHg an den Tag legt.

 

OZ-Bild

Moritz Werthschulte

Quelle:

Ich habe früher schon wenige Bücher gelesen und in Zeiten von Youtube lese ich fast gar nicht mehr.“Tobias Holtz (16)

Für mich ist Ruhe ein eingeplanter Teil meines Alltags. Das hat den Vorteil, dass mein Leben zeitökonomisch konzipiert ist. Ich denke, meine tägliche Portion Gemütlichkeit kann unabhängig von Hausaufgaben, Klausurvorbereitungen, Einkaufen und Schuhe putzen betrachtet werden. Den meisten Stress machen mir aus eigener Erfahrung nicht andere, sondern ich selbst. Und wenn ich mir für zehn Minuten am Tag mein frisch ergattertes, wunderschönes Teekännchen schnappe und ein Weilchen dessen Inhalt schlürfe, kostet das alles andere als die Welt. Aber als Ergebnis sieht die Vorahnung meiner Matheklausur gar nicht mehr so schrecklich aus.

Wahrscheinlich bin ich emotional unfähig, Langeweile zu entwickeln. Ich trinke Tee, lese Bücher, kuschle mich ein, genieße den Regen oder gehe meiner Lieblingsbeschäftigung nach: Schlafen. Ich bin Profischläfer. Ich kann immer und überall schlafen. Und seinen Hobbies gehe ich so oft nach, wie es geht.Swantje Schurig (17)

Reizüberflutung – dieses Wort ist in aller Munde. Überall und von jedem wird uns erzählt, wie schlimm das ist. Wie sehr uns die vielen Reize überfordern. Dass das doch alles nicht gut für uns sein kann. Und klar ist es auch mal wichtig, sich in Ruhe zu entspannen, eine Kerze als einzige Lichtquelle zu haben und sich einfach mal zurückzulehnen. Aber mal ganz ehrlich: Wenn ich nicht gerade total angestrengt, erschöpft und müde bin, wird mir so nach kurzer Zeit sterbenslangweilig. Eher schätze ich es, etwas am Computer zu machen, nebenbei einen Film zu gucken und vielleicht auch noch etwas zu essen. Insgesamt bin ich sowieso ein totaler Multitasking-Fan. Bei der Hausarbeit sehe ich gerne Filme, wenn ich ein Buch lese, mache ich gerne noch Musik an. Und früher, beim Erledigen von Hausaufgaben, musste ich mich immer noch irgendwie anders beschäftigen. Selbst beim Reisen und Erkunden fremder Städte schätze ich ein gutes Hörbuch.

Das Tolle daran ist, dass ich so vieles gleichzeitig erledigt bekomme. Den Abwasch und das Ansehen der neuesten Folge einer Serie zum Beispiel. Und nebenbei wird mir auch nie langweilig...

Moritz Werthschulte (19)

Mal wieder Zeit für einen Offline-Urlaub

Unsere Gehirne werden belagert. Belagert von Tausenden kleinen Reizen, die um unsere Aufmerksamkeit ringen. Egal ob zehn neue Smalltalk-Nachrichten bei WhatsApp, das Chaos aus Bildern, Texten und Videos am Rechner und bei Facebook oder einfaches Radiogeplärre, überall sind die Menschen von Ablenkungen umgeben.

Kann man damit auf Dauer leben oder droht uns, wie von Kritikern vorhergesagt, schon bald die totale „Informationsüberflutung“? „Früher habe ich schon wenig gelesen, aber heutzutage, in Zeiten von Youtube, hätte ich sowieso kein Interesse oder keine Geduld für ein Buch“, beschreibt es der 16-Jährige Tobias Holtz.

Diese Meinung steht geradezu beispielhaft für eine Generation, die mit den Neuen Medien groß geworden ist. So liegt laut einer Studie der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse aus dem Jahr 2016 der Anteil an Jugendlichen, die mehrmals in der Woche ein gedrucktes Buch lesen, nur bei 36 Prozent.

Jetzt muss man natürlich nicht gleich den Untergang des Abendlandes befürchten, und auch das Lesen wird nicht völlig aussterben. Es gilt jedoch zu bedenken, dass der Buchgenuss laut dem französischen Hirnforscher Stanislas Dehaene auf lange Sicht sowohl das Erinnerungsvermögen als auch Empathie und Selbstreflexion verbessern können.

So etwas kann das kurze Überfliegen von Wikipedia-Artikeln oder Kommentaren auf Facebook nicht leisten. Müssen wir also befürchten, dass wir, also die Jugend, verdummen? Eher nicht, zwar berichten verschiedene Psychologen über Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit als Folgen ungebremsten Medienkonsums, weisen aber gleichzeitig darauf hin, dass sich so etwas bei jedem unterschiedlich auswirken kann. Jedoch soll das Gefährdungsrisiko in jungen Jahren besonders hoch sein, wenn sich das Gehirn gerade in der Entwicklungsphase befindet. Deshalb sollte man Kleinkinder nicht zu oft vor den Fernseher setzen, sondern stattdessen ihnen auch einige Momente der Ruhe verschreiben.

Ältere sollten vor allem einen Ausgleich zur ständigen Berieselung in Form von Spaziergängen oder Sport suchen. Aber am Besten wäre, was sich der 16-jährige Schüler Philipp Klock wünscht, nämlich „einfach mal abzuschalten und im Offline-Urlaub zu verschwinden“.

Richard Weinz (17) lernt in der 12. Klasse am Hansa-Gymnasium.

Richard Weinz

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