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Putbus gibt Pläne für Archäologiemuseum nicht auf

Putbus gibt Pläne für Archäologiemuseum nicht auf

Insel-Bürgermeister starten Initiative für eine Außenstelle / Stralsund soll als Partner mit ins Boot geholt werden / Landespolitiker entdecken das Thema für sich

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Flächendenkmal Putbus: Auf Rügen wird weiter um das Archäologie-Museum für die Fürstenstadt gekämpft.

Quelle: Archiv

Stralsund/Putbus. Trotz des zunächst eindeutigen Ergebnisses der Studie zur Standortwahl für ein Archäologisches Landesmuseum möchte die Putbuser Bürgermeisterin Beatrix Wilke (parteilos) den Versuch nicht aufgeben, die Einrichtung zumindest teilweise in ihre Stadt zu holen. „Die Studie ist eine rein fachliche Einschätzung, die noch keine Aspekte der Regionalentwicklung beinhaltet“, sagt Wilke. Damit spielt die Bürgermeisterin auf das West-Ost-Gefälle im Bundesland an, das es auf politischem Wege abzumildern gelte. „Wenn wir nicht alleiniger Standort werden können, besteht ja vielleicht die Möglichkeit, gemeinsam mit einem Mitbewerber zumindest einen Nebenstandort zu bilden“, so Wilke. Dafür käme dann das benachbarte Stralsund infrage, das im Ranking der Agentur den dritten Platz nach Rostock und Schwerin belegt (die OZ berichtete).

In der Hansestadt übt man sich in Zurückhaltung. „Da die Hansestadt Stralsund bis heute nichts Offizielles zum Archäologischen Landesmuseum bekommen hat, können auch keinerlei Aussagen zu Kooperationen getroffen werden“, lässt Rathaus-Sprecher Peter Koslik lediglich verlauten.

„Eine Kooperation könnte man noch mal ins Gespräch bringen“, glaubt auch der kulturpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ingulf Donig. „Wenn eine Außenstelle des Instituts in Stralsund entstünde, wären die notwendigen Investitionen wegen möglicher Synergien mit anderen Bildungseinrichtungen womöglich vertretbar“, so Donig.

Beide Städte hätten indes Grund, von der Landesregierung einen Ausgleich für entgangene Wertschöpfung zu erwarten. Stralsund wegen zweier jungsteinzeitlicher Einbäume, die im Schweriner Depot zu Asche wurden und Putbus wegen der vor Jahren aus schwer nachvollziehbaren Gründen vom Umweltminister abgesagten Landesgartenschau. Seinerzeit war hinter vorgehaltener Hand gemunkelt worden, dem Umweltminister habe das damalige Resultat der Standortstudie, das Putbus favorisierte, nicht gefallen, weswegen er die Notbremse gezogen habe.

Die rührige Bürgermeisterin der Fürstenstadt traf sich Anfang des Monats in Begleitung des Landtagsabgeordneten und frischgebackenen Vorstehers ihrer Stadtvertretung, Burkhard Lenz (CDU), mit dem Kultusminister in Stralsund. Dort übergab sie Matthias Brodkorb (SPD) eine gemeinsam mit der Tourismuszentrale Rügen (TZR) erstellte 30-seitige Bewerbungsschrift zusammen mit einem von 23 Bürgermeistern der Insel unterzeichneten Unterstützerschreiben. Der Kreistag habe sich im Mai damit befasst, Standorte im Landkreis Vorpommern-Rügen „ins Rennen“ zu führen. „Ein Landesmuseum für Archäologie in Putbus würde die Kulturlandschaft enorm bereichern und wäre ein Statement für die gesamte Insel und den Landkreis“, heißt es darin.

Unterstützung kam in der vergangenen Woche auch von der Jungen Union (JU) der Insel, die sich dafür aussprach, „diese Institution in beiden Landesteilen zu verankern“. Da der Sitz des Lehrstuhls an der Universität Rostock angesiedelt sei, solle das Museum nach Vorpommern. „Allein die Insel Rügen nimmt innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern eine herausgehobene Stellung in der Frühgeschichte des Landes und des südlichen Ostseeraumes ein“, betont JU-Sprecher Georg Günther.

Für Rostock spricht der Studie zufolge vor allem die Lage im dichter besiedelten Landesteil sowie die Nähe zur Universität. Alle Funktionen kann die Hansestadt indes nicht erfüllen. So heißt es in der Studie: „Für den Ausstellungsbetrieb benötigt das Museum Kuratoren, die Ausstellungskonzepte entwickeln und die Vermittlungsarbeit leisten können. Es braucht Themen und Konzepte, die neu sind und ein breites Publikum ansprechen. Diese Felder kann die Universität Rostock nicht übernehmen.“

Eine weitere Handlungsempfehlung der Studie könnte für den östlichen Landesteil sprechen: „Aufgrund der starken Beziehungen zum Ostseeraum sollten frühzeitig Kooperationen zu anderen archäologischen Museen in osteuropäischen Ländern, wie Polen oder den baltischen Staaten aufgebaut werden. Gemeinsame Projekte werden derzeit auch von der EU gefördert.“

Verwaltungs-Chefin Beatrix Wilke erwägt nun, den Kultusminister einzuladen,um ihm vorzuführen, was sich hinter der Formulierung seiner Studie verbirgt, in Putbus „sind heute noch Baudenkmale im Stil des Klassizismus erhalten“: ein als Flächendenkmal klassifiziertes geschlossenes Ensemble von Deutschlands jüngster planmäßig aufgebauten Residenzstadt.

Die Punkte-Vergabe

So sah das Punkte-Ranking der Standortstudie für ein Archäologisches Landesmuseum von Mecklenburg-Vorpommern aus. Auch wenn die einfache Addition zweier Standorte nicht zulässig ist, könnten Synergien ein anderes Bild ergeben. Stralsund und Putbus stünden dann gegenüber Rostock zumidest in der Summe recht ordentlich da:

1.   Rostock 875

2.   Schwerin 684

3.   Stralsund 644

4.   Greifswald 607

5.   Putbus 484

6.   Groß Raden 470

7.   Neustrelitz 449

8.   Bad Kleinen 338

9.   Tollensetal 60

Uwe Driest

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