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Stralsund Rezeptideen, VEG-Geschichten und Sorge um Bäderbahn am OZ-Reportermobil
Vorpommern Stralsund Rezeptideen, VEG-Geschichten und Sorge um Bäderbahn am OZ-Reportermobil
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00:01 30.04.2016

Velgast Das ist doch mal ein netter Empfang für die Heimatzeitung: Kaffee, Obst und Naschereien hat Susanne Senneke in ein Körbchen gepackt und bringt es vorbei, als das OZ-Reportermobil gestern vor dem Velgaster Norma Station macht. „Zur Stärkung“, sagt die dreifache Familienmutter. Der heiße Kaffee tut gut, denn das Thermometer zeigt nur fünf Grad, der eisige Wind bläst kräftig und ärgert die Sonne.

Im Rahmen der Serie aus dem Amt Franzburg-Richtenberg machte die OZ gestern in Velgast Station — viele Einheimische hatten am Stand vor dem Norma Vorschläge parat

Rezept aus Pommern

Grützwurst-Eintopf: Kartoffeln lässt man mit Salz ziehen, fertige Grützwurst kommt dazu.

Gemüse wie Sellerie und Porree gibt man klein geschnitten dazu. Außerdem würzt jeder nach seinem Geschmack. Der Tipp von Edda Lange: Pigment, Nelken und etwas Zimt — alles gemahlen — geben dem Eintopf seine besondere Note.

Gleich nebenan treffen sich ein paar Mittsechziger. Unter ihnen auch Norbert Schulzki. „Ich finde, in Velgast wohnt und lebt es sich gut. Wir haben alles, was man braucht. Ärzte, Apotheke, Post und Sparkasse, Blumenladen, Bäcker... Da fehlt nichts“, sagt der 63-Jährige, der sich als Gemeindearbeiter noch ein paar Euro dazu verdient. Edda Lange schaltet sich in das Gespräch: „Das stimmt wirklich. Hier ist es richtig gut. Wir haben bis 2013 in Altenhagen im Block gewohnt. Weit ab vom Schuss. Nun leben wir in Velgast in der Seniorenanlage, weil unser Block abgerissen wurde. Und wir fühlen uns sehr wohl hier.“

Die 77 Jahre sieht man der netten OZ-Leserin nicht an. Sie will noch schnell was einkaufen, schließlich soll es Grützwurst-Eintopf geben. „Ich seh‘ schon an Ihrem Blick, dass Sie das nicht kennen.

Das ist ein altes Rezept aus Hinterpommern. Die Grützwurst ist ja fertig und kommt in den Topf mit Salzkartoffeln und Gemüse. Gewürze dazu und fertig“, erklärt sie der Reporterin. Und sie verrät uns auch, was noch jung hält: „Wir spielen regelmäßig Karten, am liebsten aber Rummicup.“

Inzwischen kommt auch ihr Mann Joachim Lange vorgefahren. „Ich bin mit dem Auto da, will Getränke holen“, sagt der 76-Jährige, der früher als Kraftfahrer im Volkseigenen Gut (VEG) gearbeitet hat. Seine Frau wollte das Stück lieber mit dem Rad fahren.

Barbara Brecht stürmt auf uns zu und fordert: „Sie müssen unbedingt etwas schreiben über die Usedomer Bäderbahn. Das darf nicht passieren, dass die eingestellt wird. Viele von uns wollen nach Barth zum Facharzt, andere steigen hier in Velgast um. Das ist ein wichtiges Verkehrsmittel für Einheimische und Touristen“, findet die Velgasterin und erklärt, dass man schon Unterschriften gesammelt habe.

Uwe Braun ist extra zum OZ-Stand gekommen, um etwas loszuwerden: „Ich möchte unbedingt dem Pflegedienst Berner ein Lob aussprechen. Voriges Jahr ging es mir sehr schlecht, weil mir ein Zeh abgenommen wurde. Die Mitarbeiter haben mich ganz toll betreut, und das über Wochen.“ Der Landmaschinenschlosser, der beim VEG als Mädchen für alles gearbeitet hat, kam 1972 mit seinen Eltern nach Velgast. „Ich fühle mich längst hier heimisch. Ich erinnere mich gern an die alten Zeiten, da hatte Velgast noch eine Freilichtbühne. Da könnt‘ ich Ihnen Geschichten erzählen...“, grient der 51-Jährige. „Dann komm doch mal zu uns. Wir haben eine Ortschronistengruppe gegründet, die den 775. Geburtstag von Velgast vorbereitet und 2017 ein Almanach rausbringen will“, spricht Bernd Tscheuschner mal gleich eine Einladung aus. Der Sozialpädagoge vom Storchennest-Verein ist in Velgast natürlich bekannt wie ein bunter Hund. „Ja, das kann Fluch und Segen zugleich sein“, gesteht er und holt einen Zettel aus der Tasche. Ob die ehrenamtliche Seniorenbetreuung von Frau Kasch, die Trickfilmgruppe in der Kita oder die Flüchtlingsbetreuung (gestern ging es gemeinsam zum Felix-Meyer-Konzert), er hat einige Themen, die für die OSTSEE-ZEITUNG interessant sein könnten. Und dann wäre da noch ein junger Mann, der von der ehrenamtlichen Arbeit in der Jugendbetreuung den Weg zum Erzieherberuf gefunden hat.

Dass die beiden Flüchtlingsfamilien aus Syrien gut integriert sind, findet auch Olaf Karock. „Da wird viel gemacht, sogar in meiner Tischtennisgruppe beim Velgaster Sportverein sind sie dabei.“

Und zum Schluss unserer Stippvisite schaut noch ein guter, alter Bekannter vorbei, den alle nur August nennen. Er hat für die Mädels Glühwein dabei, denn der heimtückische Wind hat doch bereits für kalte Finger und Füße gesorgt. „Das ist ein besonderer Tropfen aus meiner alten Heimat Diesdorf“, so Helmut Augustyniak. Für uns ist der 64-Jährige eine Velgaster Unikat. 1980 schrieb er als Volkskorrespondent der OZ seinen ersten Beitrag. „Damals wurden wir Forstarbeiter nach Oberhof geschickt, um Sturmschäden zu beseitigen. Ich hab sogar darüber berichtet, dass in Oberhof eine Straße Schuenhäger Weg heißt, sozusagen als Anerkennung für unsere Arbeit“, berichtet der gelernte Forstfacharbeiter, der seine Brötchen nun im Nationalparkamt verdient.

Seitdem hält uns „August“ die Treue, berichtet über den Velgaster Fasching hautnah. Und er hat aus seiner Heimat, der Altmark, in den Neunzigern auch das Osterfeuer nach Vorpommern gebracht. Wir sind gespannt auf weitere seiner Bildgeschichten, denn die macht er am liebsten.

Von Ines Sommer

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