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Schönheitskur für hölzernen Herrscher

Kenz Schönheitskur für hölzernen Herrscher

In der Marienkirche in Kenz bei Barth wird jetzt das älteste Bildnis eines pommerschen Herrschers restauriert.

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In der Kirche in Kenz arbeitet Restaurator Marcus Mannewitz am Kenotaph (Scheingrab) von Barnim VI. (um 1410). Fotos (2): Bernd Wüstneck/dpa

Kenz. Mit dem Kenotaph Barnim VI. (1365 bis 1405) in der Marienkirche von Kenz wird jetzt das älteste existierende Bildnis eines pommerschen Herzogs restauriert. Das Kenotaph ist ein Scheingrab als Ehrenbezeugung. Es wurde aus Holz um das Jahr 1410 von einem unbekannten Künstler angefertigt. Es steht seit mehr als 600 Jahren im Chor der Kirche nahe der Grabkammer des einstigen Herzogs von Pommern-Wolgast.

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In der Marienkirche in Kenz bei Barth wird jetzt das älteste Bildnis eines pommerschen Herrschers restauriert.

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Das Kenotaph ist das einzige aufklappbare hölzerne mittelalterliche Grabmal in MV.“Pastor Kai Steffen Völker

Das aufklappbare Kenotaph beherbergt in seinem Innern eine etwa zwei Meter lange Holzplastik des Herzogs Barnim VI. Zwei Klappen, die sich öffnen und schließen lassen, ziehen sich über die ganze Länge des aus Eichenholz gefertigten Scheingrabes. Es ist mit schmückendem Schnitzwerk versehen.

„Das Kenotaph ist mit einer Länge von 2,40 Metern und einer Höhe von 1,57 Metern das einzige aufklappbare hölzerne mittelalterliche Grabmal in Mecklenburg-Vorpommern“, erklärt Pastor Kai Steffen Völker. Zugleich sei es die älteste erhaltene bildliche Darstellung eines pommerschen Herzogs überhaupt.

Nach Angaben von Pastor Völker sind Holzteile beschädigt und an einigen Stellen löst sich die Bemalung. Nach derzeitigen Berechnungen wird die Restaurierung 16000 Euro kosten. „Möglich geworden sind die Arbeiten erst durch die Förderung der G. und H. Murmann-Stiftung innerhalb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz“, so der Pastor. Auch die Sparkasse Vorpommern unterstütze die Restaurierung.

Herzog Barnim VI. von Pommern war der zweite Sohn des Herzogs Wartislaw VI., regierte ab 1394 und erreichte besondere Bekanntheit durch den Umstand, dass er an der Seite der Vitalienbrüder am Kaperkrieg gegen die mächtigen Städte der Hanse teilnahm. Das brachte Gewinn in die leeren herzoglichen Kassen. Der Kaper-Herzog war mit Veronika von Hohenzollern verheiratet, der Schwester von Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg.

Barnim, seit 1394 Herzog zu Wolgast-Demmin und Greifswald, war ein gottesfürchtiger Mann und glaubte zudem an die besonderen Kräfte der schon bei den Slawen für ihre heilende Wirkung bekannten Quelle neben der Kenzer Kirche. Deshalb weilte er recht oft in dem kleinen Wallfahrtsort. Das mehrte natürlich das Ansehen der Kirche St. Marien und zog zusätzliche Wallfahrer an. Als Pommern wieder einmal von der Pest heimgesucht wurde, war der Andrang besonders groß. Auch der Kaper-Herzog gehörte wieder einmal zu den Wallfahrern nach Kenz. Doch gegen die Ansteckung durch die Pest boten die Heilquelle und auch das Beten in der Kirche St. Marien keine Hilfe.

Das galt auch für Barnim VI., der im Wallfahrtsort am 22. September 1405 an der Pest starb. Vorher hatte er festgelegt, dort auch begraben zu werden. So entstanden die erst im Jahre 2010 bei Sanierungsarbeiten entdeckte Gruft für den Herrscher, das Kenotaph und das von Herzog Philipp II. von Pommern um 1603 gestiftetes Kalkstein-Epitaph. Das alles festigte den Wallfahrtsruf von Kenz.

Die Kirche selbst hat jedoch in mehrerlei Hinsicht eine besondere Bedeutung. Erbaut wurde sie in den Jahren nach 1398 auf einem Feldsteinsockel im Stil der Backsteingotik. Die Heilquelle erhielt um 1760 ein Brunnenhaus, das nach 2003 erneuert wurde.

Die Kirche bekam über die Jahrhunderte und vor allem in der Zeit der Gotik und des Barock eine den dörflichen Rahmen sprengende wertvolle Innenausstattung. Das reichte von den wertvollen Glasmalereien auf sechs Chorfenstern, die nach 1430 entstanden und heute als größter Bestand mittelalterlicher Glasmalerei in Mecklenburg-Vorpommern gelten, über ein Triumphkreuz aus dem 14.

Jahrhundert bis zum Altaraufsatz und der Kanzel, die Ende des 17. Jahrhunderts von Thomas Phalert geschaffen wurde.

Die mittelalterlichen Glasfenster zeigen einen Bilderreigen mit Gestalten aus der Bibel, dem Marienleben und der Geschichte Pommerns. Sie sind ein echter Hingucker. Dazu gesellt sich eine Orgel, die aus der berühmten Werkstatt von Johann Friedrich Schulze im thüringischen Paulinzella stammt.

In jüngerer Zeit kommen wegen der Geschichte und der Ausstattung auch immer mehr Touristen in die Kirche.

Detlef Lübcke und Martin Stolzenau

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