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Schon mal mit dem Knie gedacht?

Stralsund Schon mal mit dem Knie gedacht?

Am Schulzentrum am Sund und am Hansa-Gymnasium laufen derzeit Kurse im Rahmen des Projektes „Künstler für Schüler“.

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Nele Glaß (hinten), Jonas Redieck und Frieda Heichel versuchen, das Schulhaus als Raum zu erleben.

Quelle: Fotos: Swantje Schurig (2)/claudia Lucas (2)

Stralsund. Ein normaler Morgen am Hansa-Gymnasium. Die abgenutzten Schulbänke des Kunstraumes sind im Raum verteilt. Vor dem Kunstkurs der Klasse 11 steht Dörte Bähr und betrachtet die Schüler mit einem begeisterten Lächeln, während diese vor dem Hintergrund einer elektronischen Musik immer wieder auf die Tische klettern.

OZ-Bild

Am Schulzentrum am Sund und am Hansa-Gymnasium laufen derzeit Kurse im Rahmen des Projektes „Künstler für Schüler“.

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Das Projekt „Künstler für Schüler“ hat es offensichtlich bereits in den ersten Stunden geschafft, dass die Schüler auf den Tischen tanzen. Grafikerin und Bildhauerin Anne Hille und Tänzerin Dörte Bähr bringen mit ihrem Tandemprojekt „Upside-down“ die Performance Art (Kunst) in den Klassenraum. Objekt und Bewegung, Zeit und Raum sind das thematische Zentrum des Projektes.

Performance Art? Nie gehört? Der Künstler Joseph Beuys ist ein wichtiger Vertreter dieser abstrakten Idee, sozusagen im Bereich der bildenden Kunst ein dicker Fisch im abstrahierten Goldfischglas.

Beuys konfrontierte sein Publikum mit Werken wie „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“. Ein künstlerisches Erlebnis, das auch dem Kurs der Hansa-Schüler, dank Videoaufzeichnungen der Performance, nicht vorenthalten wurde: Das Publikum, durch eine Glasscheibe ausgesperrt, betrachtet den Künstler Beuys mit einer Goldmaske, wie er einen toten Hasen durch den Raum bewegt. Nach der intensiven Beschäftigung mit dieser Beuys-Performance war sein Ausspruch „Ich denke sowieso nur mit dem Knie“ für alle Schüler auf einmal sehr glaubhaft.

So ziellos und abstrakt, wie dieses Projekt auch wirken mag — es soll als Ergebnis eine Performance entstehen, die auch einem Publikum gezeigt wird. Aber nicht einfach irgendwo, sondern in der Landeshauptstadt Schwerin.

Die Stimmung unter den Schülern bezüglich dieses unkonventionellen Projektes reicht von Begeisterung über distanzierte Verwunderung bis hin zu dem Wunsch, die eigene Zeit mit etwas weniger Sinnlosem zu vergeuden. Die Beschäftigung mit Performance Art wirft für viele mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Eine der Größten, die jede Stunde beinahe greifbar im Raum schwebt, ist: „Das soll Kunst sein?“. Mit dem Mantra „Kunst kommt von Können“, dessen man sich schon das eine oder andere Mal bedient hat, um sich eine schlechte Note in Malerei schön zu reden, kommt man seit dem Beginn des Projektes nicht mehr weit. Mit „Können“ im klassischen Sinne haben die Aufgaben, die in dem Workshop gestellt werden, wenig zu tun. Um hinter den Sinn mancher Forderungen zu steigen, ist man gut beraten, wenn man es wie Beuys pflegt und mit dem Knie denkt. Eine Herausforderung, auf die man sich allerdings erst einmal einlassen muss. Der Verlust von jeglicher Logik, und das geht oft mit Performance Art einher, ist für einen sich durch den Matheunterricht quälenden Schüler der Oberstufe sehr schwer zu verkraften.

So verwirrend die ersten Stunden auch waren, sammelten die meisten trotz allem auch viele neue Eindrücke. Und das wiederum funktionierte nur, weil sich die Mädchen und Jungen auf etwas scheinbar Absurdes einließen.

Wesentlich gegenständlicher, handwerklicher und klarer geht es bei den 16 Neunt- und Zehntklässlern am Schulzentrum am Sund zu. Sie entschieden sich für das Schriftprojekt „Du tippst — Ich schreibe“

mit der Künstlerin Regina Apitz. Hintergrund für die Grafikerin, diesen Kurs anzubieten, ist, dass die schöne Handschrift immer mehr in die nostalgische Ecke gedrängt wird. „Es gerät sozusagen aus der Mode, mit der Hand zu schreiben und mit diesem Projekt wollen wir im wörtlichen Sinne ein Zeichen setzen“, sagt Regina Apitz. Im Kurs erlernen die Schüler die Schriftart Antiqua und schreiben Sprüche, Zitate und Namen. „Mit Buchstaben im weitesten Sinne lässt sich ein ganzes ästhetisches Grundgerüst vermitteln, lassen sich Form- und Farbzusammenhänge, Flächenaufteilungen, Kontraste und Proportionen lehren“, ist Regina Apitz überzeugt. Außerdem gestalten die Goethe-Gymnasiasten Collagen, Initialien und Druckstempel. Die Ergebnisse der Arbeiten werden bei der Abschlussveranstaltung am 14. Juli im Schloss Güstrow präsentiert.Swantje Schurig (17) besucht das Hansa-Gymnasium

Künstler für Schüler

Der Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern bietet seit 17 Jahren Workshops von Künstlern für Schüler an.

Das vom Bildungsministerium geförderte landesweite Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Minister Mathias Brodkorb.

Künstler bieten verschiedene Projekte an, an denen Schüler freiwillig teilnehmen können.

Der Schulalltag soll mit ungewöhnlichen Ideen, unbequemen Fragen oder der Arbeit an außergewöhnlichen Formaten bereichert werden.

Von Swantje Schurig und Miriam Weber

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