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Stralsund-Details, die Geschichte atmen

Stralsund Stralsund-Details, die Geschichte atmen

Vom Pflasterstein für den „Papenbrand tom Sunde“ zu Barlachs Pieta im Johanniskloster

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Das prachtvolle Wappen am Eingang der Stadtbibliothek in der Badenstraße erinnert mit dem schwedischen Löwen und dem pommerschen Greif an die Zeit zwischen 1649 und 1815, als Stralsund zu Schweden gehörte. Es taucht noch an anderen Orten in der Stadt auf, zum Beispiel am Rathaus oder am Kommandantenhus.

Stralsund. Die Hansestadt hat schon viele Komplimente bekommen, Touristen und Besucher sind voll des Lobes. Bekannte Leute haben das sogar schriftlich hinterlassen. So schwärmte einst die Schriftstellerin Ricarda Huch: „Meerstadt ist Stralsund, vom Meer erzeugt, dem Meere ähnlich, auf das Meer ist sie bezogen in ihrer Erscheinung und in ihrer Geschichte.“ Der Wissenschaftler Wilhelm von Humboldt notierte in seinem Tagebuch: „Ein schöner Anblick ist Stralsund von Rügen aus mit seinen hohen gotischen Türmen.“ Auch der sowjetische Autor Konstantin Simonow war angetan von der Stadt, als er sie 1964 besuchte. In seiner Reportage „Murmansk – Stralsund“ schrieb er unter anderem: „Stralsund ist eine alte, zur Zeit der Hanse erbaute Stadt mit spitzgiebligen, gleichsam an Segel erinnernden Häusern Alles in dieser Stadt riecht nach Meer.“ Das größte Kompliment aber ist sicher die Anerkennung der Stadt durch die Unesco als Weltkulturerbe.

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Vom Pflasterstein für den „Papenbrand tom Sunde“ zu Barlachs Pieta im Johanniskloster

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Meerstadt ist Stralsund, vom Meer erzeugt, dem Meere ähnlich, auf das Meer ist sie bezogen in ihrer Erscheinung und in ihrer Geschichte.“Ricarda Huch, Schriftstellerin (1864 – 1947)

Eine ganz besondere Geschichte hat die Pieta – so wird die Darstellung Marias mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus bezeichnet – nach einem Entwurf von Ernst Barlach im Hof des Johannisklosters. Mit über 50-jähriger Verspätung wurde die Plastik 1988 aufgestellt, wenn auch nur als eine vergrößerte Kopie, die der Stralsunder Bildhauer Hans-Peter Jaeger angefertigt hat. Obwohl es unter den damaligen Abgeordneten des Stadtparlaments Stimmen gab, die da meinten, der tote Krieger hätte ja einen faschistischen Stahlhelm auf.

Ernst Barlach hatte sich 1931 mit dieser Pieta und zwei weiteren Entwürfen an einem Wettbewerb zur Errichtung eines Denkmales in Stralsund für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges beteiligt. Neben Barlach reichten namhafte, aber auch unbekannte Bildhauer, ihre Vorschläge ein. Der Kriegerverein als Veranstalter entschied sich schließlich gegen Barlachs Entwurf – der war ihnen vermutlich zu pazifistisch – aber für den von Georg Kolbe. Und damit begann eine Provinzialposse, denn weite Kreise der Bevölkerung waren der Ansicht, dass diese Figurengruppe keine symbolhafte Verkörperung des Frontsoldaten darstellte. Das Modell bildete vielmehr eine Verkörperung des sportlichen Gedankens ab. Nicht die gestraffte Kraft des Mannes allein dürfe die hervortretende Ausdrucksstärke des Frontsoldaten sein, hieß es damals. Es müsse vielmehr das heroische Erlebnis des großen Krieges in den Vordergrund treten. Das habe das Modell aber vermissen lassen.

Enthüllt wurde das Denkmal nach Kolbes Entwurf trotzdem, und zwar am 24. November 1935. Für gut zehn Jahre stand es am damaligen Hindenburg-Ufer, dann verschwand es hinter einem Bretterverschlag. Wie ein Wunder hat es diese fast 50-jährige Verbannung überlebt, bis es eines Tages nach der Wende wieder auftauchte. Nun hat die Skulptur im Marinemuseum auf dem Dänholm ihren Platz gefunden.

Schon in früheren Zeiten hat es Ereignisse in Stralsund gegeben, die über die Stadtgrenzen hinaus wirkten. Ende des 14. Jahrhunderts zum Beispiel nahm die Ratsherrenschaft unter dem Bürgermeister Wulflam besonders scharfe Formen an. Dagegen lehnten sich wiederholt Kräfte aus dem Volk auf. Während dieser Auseinandersetzungen zeichneten sich in der katholischen Kirche erste Verfallserscheinungen ab. Bemerkenswert waren dabei die blutigen Vergehen des Archidiakonus von Tribsees. Er lag mit der Stadt im Streit und zog raubend und mordend mit dreihundert Berittenen vor die Tore.

Die Beifallsbekundungen der städtischen Priesterschaft an diesem Treiben erregten den Volkszorn so, dass es schließlich zum „Papenbrand tom Sunde“ kam. Die empörte Bevölkerung ergriff 1407 drei sundische Priester und verbrannte sie auf dem Scheiterhaufen. Für diese schreckliche Tat musste die Stadt viel Geld zahlen, um den über sie vom Papst verhängten Bann rückgängig zu machen. Unter anderem musste südlich des Turmmassives der Marienkirche die Apollonienkapelle als Sühne errichtet werden. Ein Stein am Gehweg vor der Milchbar auf dem Neuen Markt bezeichnet noch heute annähernd die Stelle, an der die Priester verbrannt wurden.

Harry Hardenberg

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