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Szenenapplaus bei Musical-Premiere

Stralsund Szenenapplaus bei Musical-Premiere

„Da schwätzt ein ungelehrter Esel“ wird in der Marienkirche vom Publikum gefeiert

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Knapp 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene wirken beim Musical „Da schwätzt ein ungelehrter Esel“ mit.

Quelle: Foto: Juliane Vogt

Stralsund. Wer mitgemacht hat, war im anschließenden Gewusel bei der Premierenfeier im Turmraum der Kirche St. Marien leicht zu erkennen. T-Shirts in Reformationsgrün und vorne drauf ein Esel mit Talar und Halskrause, das Maul aufgerissen. „Da schwätzt ein ungelehrter Esel“ steht drunter. So heißt das Bühnenprojekt, das die Junge Gemeinde der Marienkirche gerade auf die Beine gestellt hat. Die ganze Stadt war irgendwie da, am Sonntagnachmittag. Und es gab Szenenapplaus und Bravos und Zugaben und nicht nur, weil da Eltern und Großeltern ihre Sprösslinge feierten.

Die Musik und Spielfreude auf der Bühne übertrug sich aufs Publikum. Große Begeisterung gab es darüber, was die jungen Menschen auf die Beine gestellt haben.

Knapp 100 Mitwirkende sind es: Kinder, Jugendliche, ein paar Erwachsene, Andrea Lehnert, Religionspädagogin der Mariengemeinde, leitete die Aufführung. Musikalisch hatte Albrecht Stegen das Sagen.

Geschrieben haben die Jugendlichen das Musical selbst – die Texte. Anna Göbbels, Magdalena Scheffler und Josefine Knauf haben komponiert. Hip Hop, ein bisschen Folksong und viele mitreißende Gassenhauer. Da sangen bei der Zugabe schon fast alle mit.

Die Requisiten und Kulissen waren liebevoll aus Pappe hergestellt und bunt bemalt, wie mexikanische Pop-Art. Sicheln und Hellebarden im Chor, alles Pappe. Und die Spieler – alle voll dabei. Kein Text-Aufsagen, es war lebendiges Spiel, mit vollem Eifer gingen alle in ihren Rollen auf und sangen kräftig mit. Auch im Chor und bei den Musikern auf der Bühne Spannung und Aufmerksamkeit bei den Spielszenen und Choreografien.

Es geht um die Geschichte der Reformation in Stralsund. Johann Ketelhot steht im Mittelpunkt. Für die Recherche sind die Jugendlichen sogar nach Treptow an der Regt gefahren, um im Kloster Belbuck nach Spuren des Reformators zu suchen. Dort hatte Ketelhot bei Bugenhagen Luthers Lehren studiert, war nach Stralsund geflohen, als das Nest der Widerstände dort ausgehoben wurde und hatte sich hier mit seinem Freund Ladewig Fischer als Tuchfärber versteckt; bis er erkannt und von dem Geistlichen auf der Kanzel herunter als Aufrührer beschimpft worden war. Darauf soll Ketelhot ihm seine Meinung dazu zurückgeschmettert haben, eine Rede, die mit den Worten endete: „Da schwätzt ein ungelehrter Esel“.

Danach begann er öffentlich zu predigen, heiratete seine Braut Marie und ist bis heute einer der bedeutendsten Reformatoren Pommerns. Stralsund hatte schon zehn Jahre vor Pommern den neuen Glauben durchgesetzt.

Die Jugendlichen haben die Geschichte auch in ihre Gegenwart geholt. Brandheiße Themen wurden mitbehandelt. Mädchen, die genauso schlau sind wie ihre Brüder und in die Schule gehen wollen, was mit der Kirchenschulverordnung dann auch durchgesetzt wurde. Luther hatte seine Töchter noch selbst unterrichtet. Oder die Reformation der Kirche, die auch heute nicht abgeschlossen ist. „Nichts im Leben bleibt beim Alten, wir müssen Kirche umgestalten.“ Alles in leichter Sprache. Mit der finalen und überlieferten Rede des Ladewig Fischer, der forderte, dass jeder selbst die Bibel lesen können soll.

„Denn es will keiner sein ein ungelehrtes Eselein.“

Weitere Musical-Vorstellungen

Über viele Monate haben sich Jugendliche der Kirchengemeinde St. Marien und Heilgeist-Voigdehagen mit der Reformationsgeschichte Stralsunds beschäftigt und auf der Grundlage historischer Fakten dieser Zeit, das Musical „Da schwätzt ein ungelehrter Esel“ entwickelt und produziert.

Die nächsten Vorstellungen der Aufführung können am 9. Juli um 17 Uhr und am 29. Oktober um 16 Uhr in der Kirche St. Marien besucht werden.

Juliane Vogt

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