Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Theaterdebatte und kein Ende

Stralsund Theaterdebatte und kein Ende

Vor gefüllten Rängen stritten Künstler, Politiker und Zuschauer mit dem Bildungsminister über die Reformpläne.

Voriger Artikel
Als Oder-Sund-Team kommen die Gewichtheber zurück
Nächster Artikel
Blasmusikanten überzeugen Jury

„Werde unsere Botschaft in Schwerin gehört!“, möchte man diesem Mönch in den Mund legen. Mit dem Stück „Der Name der Rose“ landete das Theater bei den diesjährigen Ostsee-Festspielen einen Publikumserfolg.

Quelle: Christian Rödel

Stralsund. Nein, eine Lösung wurde am Ende der zweistündigen Debatte am Donnerstagabend im Musenhaus am Olof-Palme-Platz nicht präsentiert. Und das hatte wohl auch niemand der zahlreichen Gäste erwartet. Wohl aber war es „ein guter Anfang auf einem gemeinsamen Weg“, wie es Ute Bartel, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Stralsund, zum Abschluss formulierte. „Gut, dass wir das gemacht haben.“

00010ceu.jpg

„Werde unsere Botschaft in Schwerin gehört!“, möchte man diesem Mönch in den Mund legen. Mit dem Stück „Der Name der Rose“ landete das Theater bei den diesjährigen Ostsee-Festspielen einen Publikumserfolg.

Zur Bildergalerie

Ihre Partei hatte zu einem Streitgespräch unter dem Motto „Theater 2016“ eingeladen und dazu auch Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) mit aufs Podium geholt. Der fühlte sich dort ein wenig „wie auf dem heißen Stuhl“, wie er zugab.

Unmissverständlich machte der Minister deutlich, dass es aus seiner Sicht eine Lösung der vor allem finanziellen Probleme, die derzeit alle Theaterschaffenden in MV umtreibt, „nur mit dem Land“ geben werde. Deshalb ließ Brodkorb auch keinen Zweifel daran, dass er innerhalb der Theaterreform die Bildung von zwei Staatstheatern — eines im Westen und eines im Osten — favorisiert.

Für Vorpommern bedeutet dies, dass Stralsund/Greifswald/Putbus mit Neubrandenburg/Neustrelitz fusionieren müsste. Das Land würde Träger mit Mehrheit. Für jede Sparte würde ein Probenstandort festgelegt. Dabei handelt es sich um Modell 7 von neun Modellen, die von der Wirtschafts-Beratungsfirma Metrum vor einem Jahr vorgelegt wurden (die OZ berichtete am 26. September 2012).

Doch genau hier sehen die meisten Kunstschaffenden eine große Gefahr. „Die Theaterlandschaft wird durch Staatstheater nicht gerettet“, ist Wolfgang Bordel, Intendant der Vorpommerschen Landesbühne Anklam, überzeugt. Für ihn ist das wichtigste Ziel von Theater, „fröhliche Zuschauer zu produzieren“.

Auch Stefan Hahn, der den Tanzverein Perform(d)ance leitet, tritt dem Fusionsmodell mit großer Skepsis entgegen und bezweifelt, dass über die geschaffene räumliche Distanz Kunst entstehen kann. Ein Großteil der eingesparten Mittel würde dann in Benzin- und Unterbringungskosten der Künstler auf der Straße landen, vermutet der Hansestädter. „Mehr Sachverstand“ in der gesamten Diskussion hätte sich der Generalmusikdirektor des Theaters Vorpommern, Golo Berg, gewünscht. Er sei „schockiert“ und hält es für „nicht redlich“, davon auszugehen, dass mit weitaus weniger Personal das Orchester dasselbe leisten kann, wie es das derzeit tut. „Wie viel Musiktheatervorstellungen sind dann in Stralsund und Greifswald noch möglich?“, stellte er in den Raum.

Intendant Dirk Löschner erinnerte an die „historische Wahrheit“, denn in Vorpommern habe man das Gefühl, das alles, was hier bereits im Vorfeld an Fusion und Kooperation seit 1994 umgesetzt wurde, in Schwerin keine Anerkennung findet. Allein durch das Zusammengehen der Theater Stralsund, Greifswald und Putbus sei die Mitarbeiterzahl von 530 auf 273 verringert worden. „Und wir feiern im nächsten Jahr 20 Jahre Haustarifvertrag“, machte Betriebsratsvorsitzender Andreas Otto mit bitterer Ironie deutlich, dass die Mitarbeiter mit Lohnverzicht — gezahlt wird zehn Prozent weniger als der Flächentarifvertrag — seit zwei Jahrzehnten schmerzliche Einbußen hinnehmen. Doch nur so sei es gelungen, das Drei-Sparten-Theater aufrechtzuerhalten. Solche Einschnitte habe es im Schweriner Theater nicht gegeben.

Aus dem Publikum bescheinigte der Stralsunder Heino Bruno ter Ven, der als Richter arbeitet, dass der Minister auf der einen Seite zwar viele gute Ideen habe. Aber auf der andere Seite fehle es an Glaubwürdigkeit, warf er ihm vor.

Brodkorb sicherte zu, dass der Osten nach denselben Kriterien wie der Westen behandelt werde. Zur kritisierten Mittelvergabe kündigte er an, dass es eine „Korrekturberechnung“ geben werde.

Eine klare Antwort gab der Minister auf eine Frage von Aufsichtsratsmitglied Hans Walter Westphal (SPD), ob das Land bei einer Trägerschaft auch inhaltlich auf die Theater Einfluss nehmen wolle. „Das ist Quatsch. Eine abwegige Vorstellung“, so Brodkorb. Gehe es doch um die wirtschaftlichen Belange, denn „Kunst lebt von Freiheit“.

 

Marlies Walther

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stralsund
Verlagshaus Stralsund

Apollonienmarkt 16
18439 Stralsund

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Benjamin Fischer
Telefon: 0 38 31 / 20 67 40
E-Mail:  stralsund@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.