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Stralsund Tribsees: Chor-Abschied nach 40 Jahren
Vorpommern Stralsund Tribsees: Chor-Abschied nach 40 Jahren
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00:05 18.05.2017
Der Tribseeser Frauenchor feiert am Sonnabend seinen 40. Geburtstag. Quelle: Fotos: Privat

Tribsees. Das wird nicht nur ein denkwürdiger und feierlicher Moment, sondern auch ein trauriger: Der Tribseeser Frauenchor feiert am Sonnabend seinen 40. Geburtstag – und verabschiedet sich mit einem großen Konzert in der Thomaskirche für immer vom Publikum.

Warum der Abschied? „Im Januar hat unsere Chorleiterin aus persönlichen Gründen ihr Amt niedergelegt. Wir danken Evelyn Scheitor für ihren zehnjährigen Einsatz. Sie hatte uns nach dem 30. Jubiläum übernommen“, sagt Renate Winter im Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG. Die 66-Jährige hat dann mit viel Mühe eine Steinhägerin gefunden, die einsprang. „Anne Kirsch hatte aber von Anfang an gesagt, dass sie uns nur zum 40. führen kann, sie hat schon zwei Chöre zu betreuen.“

Eine andere Chef-Lösung ist nicht in Sicht, und so steht der Tribseeser Frauenchor, der vor 40 Jahren als reiner Lehrerchor und deshalb auch mit Männern an Bord gegründet wurde, vor dem Aus. „Wir sind noch 18 Frauen. Nicht alle möchten so wie ich aufhören. Und so wäre es natürlich für die zehn Sängerinnen, die weitermachen möchten, schön, wenn sich ein neuer Chorleiter findet“, so Renate Winter, wohlwissend, dass das schwer wird, denn heutzutage macht sowas keiner mehr ehrenamtlich...

Trotz dieser traurigen Nachricht möchten die Sängerinnen mit einem tollen Programm vors Heimpublikum treten. Und deshalb wurde jetzt fleißig und engagiert geprobt. So wie es die Frauen seit 40 Jahren machen. 1977 für einen würdigen Auftritt zum 60. Jahrestag der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ gegründet, sorgte das Ensemble fortan für die feierliche Umrahmung von Mai-Feiertag, Jugendweihe und Weihnachtsprogramm. Mit hellblauen Blusen und Hemden fing der Lehrerchor einst an. Danach gab es auch mal weiße Blusen und lange Westen, auch weiße Blusen mit rotem Schal wurde bei Auftritten getragen. Inzwischen sind die Frauen zu beigefarbenen Blazern übergegangen. „Eine Freude war uns auch immer der Auftritt beim Chorsingen im Remter. Das war schon sehr feierlich, und man war angespornt“, erzählt Renate Winter. Die Lehrerin, die viele Jahre die Grundschule in Tribsees leitete, singt übrigens noch im Kirchenchor und engagiert sich als Frauenbeauftragte in der Gemeinde.

„Ich habe 2007 als Schulleiterin aufgehört, sozusagen nach 50 Jahren in der Schule, denn 1957 wurde ich in Tribsees eingeschult“, erinnert sich die Lehrerin für Mathe, Deutsch und Werken. „Danach habe ich mich gleich in die Vorbereitung des Stadtjubiläums gestürzt, insofern war da kein Loch. Ich hatte all die Jahre genug zu tun. Aber jetzt hab ich mich entschieden, nur noch in einem Chor mitzusingen“, so die Ur-Tribseeserin, die mit ihrem Mann, ebenfalls in der Trebelstadt geboren, ein mit viel Liebe zum Detail und selbst saniertes Stadtmauer-Haus ihr Eigen nennt.

Toll seien auch die Chortreffen mit der Partnergemeinde Klausdorf in Schleswig-Holstein gewesen. Seit 2003 gibt es noch ein anderes Highlight: Jedes Jahr zu Weihnachten tritt der Frauenchor gemeinsam mit den „Klaashahns“ auf – ein beliebtes Konzert bei den Tribseesern. Und genau deshalb kommen die Platt-Sänger auch zum Geburtstagsständchen am Sonnabend vorbei.

Um 17 Uhr beginnt das Konzert, der Eintritt ist frei, Spenden sind natürlich erwünscht. Geboten wird ein zweistündiger bunter Mix, denn auf der Kirchenbühne in St. Thomas stehen nicht nur Frauenchor und „Klaashahn“. Die Feuerwehrkapelle stimmt den Nachmittag an, auch die „Trebelspatzen“ sind mit dabei.

Aus Lehrer-Ensemble wurde Stadt- und später Frauenchor

20 Frauen und fünf Männer gründeten 1977 den Lehrerchor Tribsees. Im Laufe der Jahre kamen viele Frauen hinzu, jedoch verstummten die Männerstimmen so nach und nach, wie Brigitte Steffen in der Chronik des Chors festgehalten hat. Die einstige Russisch-Lehrerin ist selbst von Anfang an dabei und hat alles liebevoll aufgeschrieben.

Als erste Chorleiterin führte Petra Thomsen den Taktstock, dann übernahm Selma Korthals den Lehrerchor. Es folgten Evelyn Scheitor und jetzt kurzzeitig Anne Kirsch.

38 Mitglieder zählte der Chor, als 1997 der 20. Geburtstag gefeiert wurde – damals noch als Stadtchor. 37 Frauen gehörten dem Ensemble zum „30.“ an.

Ines Sommer

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