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Trotz Insolvenzgefahr: Brodkorb verbietet Theater das Sparen

Stralsund/Greifswald Trotz Insolvenzgefahr: Brodkorb verbietet Theater das Sparen

Obwohl das Theater Vorpommern in einer akuten Finanzklemme steckt, will Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) dem Haus verbieten, mehr Geld einzusparen als die Landesregierung für angemessen hält.

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Plakate am Stralsunder Theater kündigen das Stück für den Abend an: Nathan der Weise, ein Schlüsseldrama der Aufklärung. Nicht ganz so humanistisch geht es hinter den Kulissen zu. Dort wird seit Monaten um die finanzielle Existenz des Theaters gestritten.

Quelle: Alexander Müller

Stralsund/Greifswald. Obwohl das Theater Vorpommern in einer akuten Finanzklemme steckt, will Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) dem Haus verbieten, mehr Geld einzusparen als die Landesregierung für angemessen hält. In einem Brief an Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) schreibt der Minister, dass er „sehr besorgt“ ist, über „die vereinbarten Schritte hinausgehende Einsparungen zu planen“. Das Schreiben liegt der OZ vor.

Wie aus dem Brief hervorgeht, haben die Gesellschafter Intendant Dirk Löschner dazu aufgefordert, angesichts der prekären finanziellen Situation nach weiteren Einsparmöglichkeiten zu suchen. Das Theater Vorpommern steuert in diesem Jahr auf ein Minus von voraussichtlich 611 000 Euro zu (die OZ berichtete). Zu den Gesellschaftern gehören die Hansestädte Stralsund und Greifswald sowie in deutlich geringerem Maße der Landkreis Vorpommern-Rügen.

Nach OZ-Informationen liegt das finanzielle Potenzial der nun dem Theater-Aufsichtsrat vorgestellten Sparoptionen bei insgesamt 190000 Euro. Dazu gehören beispielsweise eine Reduzierung der Personalkosten um 87000 Euro sowie Einschränkungen beim Werbe-Etat und bei Posten wie Benzinkosten für den Theater-Fuhrpark. Allein in diesem Bereich sollen 50000 Euro weniger ausgegeben werden. Allerdings dürfte das Theater trotz dieser gesparten Kosten am Ende nicht viel mehr Geld auf dem Konto haben. Sollte der Plan, 190000 Euro weniger auszugeben als geplant, wirklich umgesetzt werden, droht der Minister damit, eine bereits zugesagte Nothilfe über 350000 Euro für dieses Jahr wieder infrage zu stellen. „Wenn das Theater noch in der Lage ist, Geld zu sparen, ist es fragwürdig, eine Nothilfe der Landesregierung zu gewähren“, sagte Brodkorb auf Anfrage der OZ.

Bereits im vergangenen Jahr war das Theater Vorpommern mit 409000 Euro in die roten Zahlen gerutscht. Löschner hatte daraufhin eine Nothilfe vom Land bekommen, damit der Bühnenbetrieb zahlungsfähig bleibt.

In diesem Wirtschaftsjahr muss die Theater Vorpommern GmbH zusätzlich zum nächsten Notgroschen über 350000 Euro, den das Land auf Grund der angespannten Situation ausnahmsweise schon zu Beginn dieses Jahres genehmigt hat, Rückstellungen für Personalkosten über 250 000 Euro auflösen, um über die Runden zu kommen. Außerdem hat das Kultusministerium am Anfang dieses Jahres bereits Einsparmaßnahmen vom Theater Vorpommern gefordert. Dies war eine Bedingung im Zuge der Genehmigung der Nothilfe. Es sei absehbar, dass alle Einsparungen über dieses Maß hinaus die künstlerische Handlungsfähigkeit des Theaters gefährden. Brodkorb: „Das unterstütze ich nicht.“

Eine weitere Bedingung für die 350000 Euro vom Land stellt vor allem für die Gesellschafter des Theaters ein Risiko dar. Dem Vernehmen nach müssen sie einspringen, sollte das Minus in diesem Jahr höher ausfallen als die anvisierten 611000 Euro, was beispielsweise dann der Fall ist, wenn das ohnehin jedes Jahr verlustreiche Open-Air-Programm „Ahoi, mein Hafenfestival“ in diesem Sommer besonders schlecht läuft.

Intendant Löschner hält das von den Gesellschaftern und vom Aufsichtsrat wohl aus diesem Grund geforderte Zusatz-Sparpaket für nicht umsetzbar. „Das, was wir jetzt haben, ist das Minimum für so ein Theater“, betont Löschner. Er stehe mit den Gesellschaftern sowie dem Aufsichtsrat in einem ständigen Dialog, bei dem angesichts der ohnehin schlechten finanziellen Ausstattung fortwährend über Geld und Kosten gesprochen wird. „Es ist normal, wenn man dann auch einmal nicht einer Meinung ist. Die Nothilfe vom Land ist notwendig, damit wir über dieses Jahr kommen.“ Ob trotzdem zusätzlich gespart wird, müssen jetzt die Theater-Gesellschafter entscheiden.

Kein Nullsummenspiel

Kultur lohnt sich bekanntlich immer. Insofern liegt in quälenden Finanzdebatten, deren Ausgang regelmäßig dazu führt, zu erkennen, dass Theater, finanziell betrachtet, reine Verlustbetriebe sind, nie die ganze Wahrheit. Auf den ersten Blick scheint es auch egal zu sein, ob das Land oder die kommunalen Gesellschafter beim Sparen den längeren Atem haben. Sollte es am Theater ein bislang unentdecktes Sparpotenzial von tatsächlich 190000 Euro geben, wird Mathias Brodkorb nicht lange zögern, diese Summe von der zugesagten Nothilfe des Landes wieder abzuziehen. Denn eine Nothilfe gibt es in Notzeiten (die erleben die Theater in Wahrheit allerdings seit Jahren), in denen das Konto leer ist und eine Insolvenz droht, also längst alles weggespart wurde.

Trotzdem ist das kein Nullsummenspiel. Denn, wenn ein Minister Geld gibt, weil er selbst erkannt hat, dass vor Ort alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, sollte man zuschlagen. Gespart wird noch genug — leider besonders am Theater.

Von Benjamin Fischer

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