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Weiter verhärtete Fronten im Streit um Mehmel-Orgel

Stralsund Weiter verhärtete Fronten im Streit um Mehmel-Orgel

Orgelkomission bleibt bei Entscheidung für Aufbau eines barocken Instruments / Bürger fordern weiter mehr Mehmel im Neubau

Stralsund. Der verhüllte Prospekt in der Kulturkirche St. Jakobi zeugt davon: Die Sanierung der Orgel, die stets mit dem Namen Friedrich Albert Mehmel in Verbindung gebracht wird, hat längst begonnen. Den Streit darüber, was für ein Instrument da rekonstruiert wird, hat das nicht stoppen können. Und: Einigung ist nicht in Sicht. Das zeigte die öffentliche Diskussion am Donnerstagabend in der vollbesetzten Jakobikirche.

Für Frank Dittmer, Sprecher der Orgelkommission, blieb am Ende eine „ernüchternde Erkenntnis“. Und dies, obwohl sich Experten der Komission viel Mühe gegeben hatten, ihre Entscheidung ausführlich darzulegen, die da lautet: Mehmels Orgel lässt sich nicht rekonstruieren, da zu wenig von ihr übrig ist.

Von den rund 4000 Pfeifen, dieMehmel 1877 in seiner Stralsunder Werkstatt für die Orgel angefertigt hatte, sind noch 307 vorhanden. Laut Kantor Martin Rost, Mitglied der Orgelkommission, sei die Expertenrunde zu dem Schluss gekommen, den barocken Prospekt von 1741, den schon Mehmel nutzte, zu erhalten. Dahinter soll eine barocke Orgel im Stil des 18. Jahrhunderts eingebaut werden, klanglich abgestimmt auf die beiden anderen großen Stralsunder Orgeln von Stellwagen und Buchholz.

Das Problem: Bis zu dieser Entscheidung war von der Hansestadt und der Stralsunder Stadtsanierungsgesellschaft (SES) gegenüber Spendern, Stiftungen und Fördermittelgebern der öffentlichen Hand stets betont worden, dass das Geld in die Restaurierung der Mehmel-Orgel fließen würde. Dieter Bartels vom Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt“, das die Initiative zu dieser Diskussionsrunde ergriffen hatte, machte seinem Ärger Luft. „Diese Veranstaltung hätte viel früher stattfinden müssen. Wir haben Anspruch darauf, gehört zu werden“, sagte er unter Hinweis darauf, dass das Komitee und die Herbert-Ewe-Stiftung seit Jahren Spenden für den Aufbau der Mehmel-Orgel gesammelt haben.

Der mit der Sanierung in St. Jakobi beauftragte Dresdener Orgelbauer Kristian Wegscheider versuchte, einen Kompromiss anzubieten. „Mehmels Orgelteile, die sich nicht ins neue Instrument integrieren lassen, sollen in der Kulturkirche ausgestellt werden.“ Ein Vorschlag, dem Christoph Lehnert, Pastor an St. Marien widersprach: „Die Orgel hat eine Seele, die gefüllt ist mit Mehmel. Das ist es doch, was den Stralsundern an die Nieren geht.“ Lehnert forderte, statt Orgelteile auszustellen mehr Mehmel in die Orgel einzubauen.

Orgelbauer Eckehard Lüdke vermisste im Podium fundierte Positionen pro Mehmel. Er forderte, den jetzigen Vorgang einzustellen. „Fangen Sie mit der Orgelkomission neu an.“ Mehr Sachverstand sah Lüdke in einem Brief der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD) an die Orgelkomission versammelt.

Der VOD rügt darin die Entscheidung zur Errichtung einer „Phantasie-Barockorgel“ in deutlichen Worten. Was vom Podium aus als „irritierende Aussage“ gewertet wurde, da sich bislang kein Vertreter der Vereinigung vor Ort umgesehen oder Kontakt zur Orgelkomission aufgenommen habe. Wie Kantor Martin Rost anmerkte, speise sich die VOD-Kritik ausschließlich aus dem Gutachten der Bautzener Orgelbaufirma Eule, dass die Machbarkeit der Rekonstruktion der Mehmel-Orgel attestiere.

Ein Gutachten, mit dem Orgelbauer Kristian Wegscheider seine Probleme hat. „In der ganzen Untersuchung kommt nicht einmal das Wort Pfeifenwerk vor“, so Wegscheider. Für ihn sind die Pfeifen aber das, was eine Orgel ausmacht. Davon gebe es zu wenig, die von Mehmel stammen. Und von den fehlenden wisse man nicht, wie sie geklungen haben. Wegscheider verwies auf die Charta Veneziana von 1964 für den Umgang mit Denkmälern: „Die Restaurierung hört dort auf, wo die Hypothese beginnt.“

Jörg Mattern

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