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Wenn ein Denkmal vom Sockel gehoben wird

Stralsund Wenn ein Denkmal vom Sockel gehoben wird

„Martinus Luther – Anfang und Ende eines Mythos“ feiert am Freitag um 20 Uhr Premiere im Gustav-Adolf-Saal

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Eine Figur, die zu einem Denkmal erstarrt ist, wird uns als Mensch nahegebracht.Linus Buck, Regisseur

Stralsund. Wenn man ihn spielt, dann jetzt. „Im hohen Jahr“ des 500. Reformationsjubiläums liege es nahe, dass auch das Theater das Thema Luther aufgreifen muss, findet Dramaturg Sascha Löschner (47). Die Wahl fiel auf ein „gutes Angebot“ von John von Düffel. Der war schon als Kind von der Bibel begeistert und wollte „den Autor“ unbedingt kennenlernen. Bis heute hat sein Interesse an dem „Sprachschöpfer“ und „Glaubensdolmetscher“ angehalten.

 

OZ-Bild

Marvin Rehbock in der Rolle des jungen Martin Luther. Freitag hat das Stück über „Anfang und Ende eines Mythos“ Premiere.

Quelle: Foto: Vincent Leifer

„Anfang und Ende eines Mythos“ nennt von Düffel seinen „Martinus Luther“ im Untertitel. „Ein Denkmal wird ganz nah an uns rangeholt. John von Düffel zeichnet eine in sich zerrissene und widersprüchliche Figur“, sagt Löschner. Darin liege die große Spannung des Stückes, das sich immer auf den realen Hintergrund bezieht.

Im ersten Akt wird das Publikum einen in sich hadernden, zweifelnden Martin Luther kennenlernen, der auf dem Weg in die Juristerei beschließt, sein Studium hinzuschmeißen, um ins Kloster zu gehen und Gott zu dienen. Ein junger Student, der zunächst nur seinem Vater kontra bietet, wird bald dem Übervater – dem Papst – widersprechen und die Welt verändern. Diese Entwicklung werde ganz „unironisch, zupackend, ins Existenzielle gehend und mit psychisch nachvollziehbaren Haltungen“ beschrieben.

Komplett entgegengesetzt komme der zweite Akt daher, der den alten, kranken, verbitterten, unzufriedenen Luther zeigt. Der behauptet von sich zwar immer noch, der Prophet der Deutschen, der deutsche Apostel zu sein. Doch der „Welterschütterer“ hat sich überlebt. Die theologischen Auseinandersetzungen führen andere. „Dieser Teil ist fast wie eine Boulevard-Komödie gebaut“, sagt Löschner und verspricht Spaß und Vergnügen.

Für Regisseur Linus Buck ist es das Besondere, dass „uns eine Figur, die zu einem Denkmal erstarrt ist, als Mensch nahegebracht wird“. Mit all seinen Fehlern, Verletzlichkeiten und Dämonen. Was hat Luther bewegt? Was passiert gerade mit ihm? Was bleibt? Solchen Fragen gehe man nach.

Auf der Bühne tun das drei Schauspieler. Chiaretta Schörnig, Markus Voigt und Marvin Rehbock, die insgesamt neun Figuren verkörpern. In einem schon allein von den Ausmaßen recht gewaltigen Bühnenbild von Giovanni de Paulis, der in Italien und Deutschland arbeitet. Die Kulissen bestehen aus einem 4,90 Meter hohen Portal mit hölzernen Teilen, die sich umklappen lassen, in Michelangelos Sixtinische Kapelle und in Luthers „Trautes Heim“ führen. „Da muss man den Malsaal richtig loben“, verteilt Linus Buck Komplimente. Auf dem zentralen Element des Bühnenbildes wird übrigens alles angeschlagen, was sich so anschlagen lässt...

Marvin Rehbock spielt den jungen Luther, der voller Leidenschaft und Enthusiasmus steckt. Und da habe er sich in den letzten Wochen schon intensiv mit der Figur beschäftigt. Als besonders reizvoll beschreibt der 32-Jährige, es auszuloten, wie das so ist, mit jenen „Momenten, in denen man für sich die Erleuchtung findet“. Einen Punkt, an dem Klarheit herrscht und man für sich Entscheidungen trifft. Ein bisschen so war es wohl auch für Rehbock selbst, der in Offenbach am Main geboren wurde, als er im Rahmen des „Laiensclubs“ am Schauspiel Frankfurt erstmals auf einer Theaterbühne stand und wusste: „Ja, du wirst Schauspieler.“ Daraus wurde eine „immer wieder fordernde, facettenreiche Arbeit mit vielen Kämpfen in sich selbst“ und tollen Rollen. Studiert hat er in Rostock. Sein erstes Engagement trat er in Münster an. Es folgte Trier, wo er unter anderem in „Tschick“ zu sehen war. Seit 2015 ist Marvin Rehbock festes Ensemblemitglied des Theaters Vorpommern. Hier reichte die Palette von Shakespeares „Sturm“ bis Molières Komödie „Der eingebildete Kranke“.

Theaterpremiere: „Martinus Luther – Anfang und Ende eines Mythos“ am 29. September, 20 Uhr, im Stralsunder Gustav-Adolf-Saal, 12. Oktober, 20 Uhr, im Greifswalder Rubenowsaal.

Marlies Walther

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