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Wohnen im einstigen Grafen-Schloss

Hohendorf Wohnen im einstigen Grafen-Schloss

Investor Manfred Karl, der das Herrenhaus der Klot-Trautvetters 2011 ersteigert hatte, lässt es nun für drei Millionen sanieren.

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Das Schloss bietet Wohnen mit Kultur.“Christine Naujoks (46), Projektleiterin

Hohendorf. Fünf Jahre schlummerte das Hohendorfer Schloss in einem Dornröschenschlaf so vor sich hin – jetzt wirbeln die Bauarbeiter verschiedenster Gewerke durch das 1858/59 gebaute Herrenhaus. Dr. Manfred Karl aus Lübeck, der den Bau im Stil der Tudors samt Park 2011 für die MDK Grund und Boden GmbH bei einer Zwangsversteigerung für 700000 Euro an Land gezogen hatte, investiert jetzt drei Millionen Euro in die Kernsanierung. Anfang 2017 sollen die 30 Ferien-Appartements bezugsfertig sein.

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Investor Manfred Karl, der das Herrenhaus der Klot-Trautvetters 2011 ersteigert hatte, lässt es nun für drei Millionen sanieren.

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„Hochwertig, aber nicht elitär sind die Appartements, die hier in einer Größe von 23 bis 88 Quadratmetern mit einem oder mehreren Zimmern entstehen. Dabei ist jedes anders. Da kann man sich ein Feriendomizil unterm Dach ebenso aussuchen wie eine Wohnung mit Terrasse. Einmalig schön werden auch die Appartements im Turm“, erklärt Christina Naujoks bei einem Rundgang durchs Schloss. Die Immobilienkauffrau betreut das Projekt im Auftrag des Eigentümers „protec ag“, einer Familien-Holding mit Dr. Manfred Karl an der Spitze.

Das Dach wurde bereits gedeckt, Keller und Mauerwerk saniert, einzelne Fenster ausgetauscht. Auch die Elektro-Anlage und der gesamte Sanitär- und Heizungsbereich wurden nach heutigen Standards umgebaut. Generalunternehmer für die gesamten Bauarbeiten ist die Norddeutsche Bau- und Verwaltungs GmbH aus Stralsund. Sie beauftragte Firmen wie Heizung und Sanitär Engelbrecht, Elektro Plückhahn, Sundlift, die Tischlerei Grasmann aus Tribsees und den Gartenbaubetrieb Bornhöft aus der Nachbarschaft.

„Wir haben hier etliche böse Überraschungen erlebt, weil vieles nicht fachgerecht gemacht wurde“, sagt Christina Naujoks und spielt damit auf die Sanierung vor über 20 Jahren an. Die hatte der letzte Schlossherr Hubertus Graf von Klot-Trautvetter (er starb im Sommer 2015) nämlich 1992/93 für damals sechs Millionen D-Mark durchgeführt. 2,5 Millionen davon wurden über einen Sparkassen-Kredit abgesichert, der den letzten Erben des vorpommerschen Grafengeschlechts von Klot-Trautvetter schließlich in den finanziellen Ruin stürzte. 2007 beantragte die Sparkasse Vorpommern die Zwangsversteigerung, 2011 kam das Schloss unter den Hammer. Allerdings erst beim dritten Anlauf...

Marketing-Fachfrau Christiane Hensel-Gatos betont, dass in den letzten Jahren viel hinter den Kulissen passiert sei. „Ein Problem war zum Beispiel die Zuwegung zum Schloss, die es quasi nicht gab. Es musste also Land dazugekauft werden.“ Doch alle Probleme seien gelöst, so die 54-jährige Hamburgerin. „Wir rechnen damit, dass Ende Januar alle Bauarbeiten beendet sind.“

In das Projekt einbezogen ist auch der romantische Park mit seinen kleinen verschlungenen Wegen – ganz nach dem Vorbild von Lenné. „Diese Idee werden wir aufgreifen, deshalb gibt es eben in Hohendorf nicht die allseits gepriesene Sichtachse“, sagt Christine Naujoks und steuert nach dem Spaziergang durch den Park auf einen ganz besonderen Seitenflügel zu. „Das wird unser Musiksaal. Den haben wir mit unserem Baustellen-Konzert vor kurzem schon eingeweiht, sogar mit neuem Kamin. Und die Gäste, darunter viele Nachbarn, waren begeistert. Sie freuen sich, dass hier endlich etwas passiert“, erinnert sich die Projektleiterin an einen wunderschönen Abend. „Und wir haben ganz viele alte Geschichten gehört. Da hat man uns nicht nur vom Grafen, sondern auch von der Schule erzählt, die mal in diesem Haus war“, ergänzt Christiane Hensel-Gatos. Die beiden Frauen brennen für das Projekt „Wohnen mit Kultur“. Sie wollen Klassik mit Moderne verbinden. Da passen moderne Einrichtung und historischer Stuck ebenso dazu wie musikalische Highlights, Ausstellungen, künstlerische Aktionen oder Lesungen. „Das reicht vom Klavierkonzert über Licht-Installationen bis hin zum Percussion-Künstler“, gibt Christiane Hensel-Gatos schon einen Ausblick auf 2017.

150 Jahre Familienbesitz

Schloss Hohendorf gilt als eines der schönsten Herrenhäuser Vorpommerns. Das 1858/ 1859 im englischen Tudorstil errichtete klassizistische Gebäude wurde von dem bedeutenden Architekten Friedrich Hitzig entworfen, inspiriert von Plänen Schinkels. Bauherr war Ernst Malte Freiherr von Klot-Trautvetter – der Großvater des letzten Besitzers. Hubertus wurde 1871 zum Grafen erhoben. Die Tradition des Adelsgeschlechts lässt sich jedoch bis 1527 zurückverfolgen.

1733 bis 1945 waren die Klot-Trautvetters die Herren von Hohendorf, Batevitz, Bisdorf, Wendisch Langendorf und Kinnbackenhagen – das waren 5000 Hektar Land. Nach dem Zweiten Weltkrieg floh die Familie in den Westen, doch 1990 zog es Hubertus von Klot-Trautvetter als einen der ersten Adligen nach Ostdeutschland zurück. Er kaufte das Schloss für den symbolischen Euro zurück. Nach der Zwangsversteigerung lebte er bis zu seinem Tod 2015 in der benachbarten Schlossresidenz, dem früheren Marstall.

Die Witwe, Gräfin Wioletta, wohnt noch heute dort und betreibt ein kleines Café für Touristen.

6 Millionen hat der letzte Graf auf Schloss Hohendorf 1992/1993 in die Sanierung gesteckt. Danach wurde es als Hotel und auch als Außenstelle des Standesamtes Altenpleen genutzt.

30 Appartements sollen bis 2017 im Schloss entstehen – ebenso wie öffentlicher Musiksaal, Bibliothek, Bar und Kaminzimmer. Die Wohnungen werden als Ferien-Domizil oder Zweitwohnsitz verkauft. Erste Interessenten haben schon angeklopft, Preise gibt es noch nicht. iso

Ines Sommer

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