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Stralsund Kurt Moser: Ein Leben zwischen den Welten
Vorpommern Stralsund Kurt Moser: Ein Leben zwischen den Welten
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00:00 31.03.2016

Im Juli vergangenen Jahres jährte sich der Geburtstag von Prof. Dr. Kurt Moser zum 120. Mal. Der Arzt prägte den Wiederaufbau des Gesundheitswesens in Stralsund nach 1945 maßgeblich. Moser führte über vier Gesellschaftssysteme hinweg ein sehr bewegtes Leben, in dem es ihm zeitweise schwer fiel, seinen Platz zu finden, wie seine Memoiren „Erinnerungen und Gedanken zwischen zwei Welten“ enthüllen. Trotz seiner Leistungen ist er heute nahezu vergessen. In Stralsund erinnert lediglich noch sein Grabmal auf dem Zentralfriedhof an ihn.

Prof. Kurt Moser im Jahre 1980. Quelle: Archiv

Kurt Erich Moser wurde 1895 in Wiburg in Finnland geboren, wo sein Sozialvater, der Kapellmeister und Dirigent Robert Moser, engagiert war. Zur Geheimhaltung seiner unehelichen Geburt wuchs er bei seiner Tante Marie und deren Mann auf. Den Anstellungen Robert Mosers folgend besuchte Kurt Moser schließlich die Realschule und das Gymnasium in Greifswald.

1914 begann er in Greifswald Medizin zu studieren. Kurz darauf wurde ihm bei der militärischen Musterung seine uneheliche Geburt eröffnet. Es gelang ihm zeitlebens nicht, diesen subjektiv erlebten Makel, der ihn formal auch von einer akademischen Karriere ausschloss, vollständig zu überwinden.

Nach Abschluss des Studiums 1920 nahm er seine Tätigkeit an der Psychiatrischen und Nervenklinik in Königsberg auf, die von Prof. Ernst Meyer (1871-1931) geleitet wurde, der ihn wesentlich beeinflusste. 1921 promovierte Moser, 1926 wurde er trotz fehlender Habilitation zum Oberarzt berufen, 1928 habilitierte er sich und von 1930/31 an leitete er aufgrund einer schweren Erkrankung Meyers die Königsberger Klinik bis zur Neubesetzung 1932.

Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen weisen ein breites Interesse aus. Die frühen Arbeiten umfassten mehr psychiatrische Aspekte. Mit der klinischen Orientierung auf die instrumentelle Diagnostik von Hirn- und Rückenmarkstumoren fand sich eine Schwerpunktverlagerung zu neurologischen Fragestellungen.

Die Ernennung Mosers zum außerordentlichen Professor 1934 stellt den Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Laufbahn dar, denn 1936 verließ er mit Hinweis auf die politischen Verhältnisse die Klinik und eröffnete eine eigene Praxis in Königsberg. Im Widerspruch zu diesem Rückzug aus politischen Gründen stehen unter anderem Mosers Zugehörigkeit zum Erbgesundheitsobergericht, wo über Zwangssterilisationen psychisch Kranker und Behinderter entschieden wurde, und eine Parteianwartschaft in der NSDAP.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Moser als Sanitätsoffizier eingesetzt. Im Februar 1945 floh er mit seiner Familie aus Königsberg nach Greifswald. Im August 1946 eröffnete er in Stralsund zunächst wiederum eine Privatpraxis. Eigenen Angaben zufolge hatte er einen Lehrstuhl wegen der geforderten SED-Parteizugehörigkeit abgelehnt und begrub damit die Hoffnung auf die Fortsetzung seiner akademischen Karriere endgültig.

Er arbeitete nun vor allem praktisch als Nervenarzt und leitender Arzt der Nervenabteilung in der Poliklinik. Ab 1950 wurde ihm der neurologische und psychiatrische Konsiliardienst an den städtischen Krankenanstalten übertragen. Aufgrund seiner hohen fachlichen Qualifikation erhielt er 1954 das Angebot, den Lehrstuhl für Neurologie und Psychiatrie an der neu zu gründenden Medizinischen Akademie in Dresden zu besetzen. Er lehnte aus Altersgründen ab.

1957 wurde Kurt Moser Chefarzt der neu eröffneten Neurologischen Abteilung des Bezirkskrankenhauses und der Poliklinik in Stralsund. Es gelang ihm, in einer von personellen Engpässen durch ungenügende Vergütung und Republikflucht geprägten Zeit eine Personalfluktuation in seinem Bereich nahezu vollständig zu vermeiden.

1961 wurde er zum stellvertretenden ärztlichen Direktor des Bezirkskrankenhauses Stralsund berufen und für seinen Einsatz beim Wiederaufbau des Gesundheitswesens zur Verleihung des Titels Obermedizinalrat vorgeschlagen. Dass Moser den Titel angesichts seiner Verdienste nie erhalten hat, könnte die Konsequenz aus seiner fehlenden Parteizugehörigkeit gewesen sein. Bis zum vollendeten 70. Lebensjahr stand er der Klinik vor und muss als Begründer der klinischen Neurologie in Stralsund gelten. Er wurde nach seinem Tod 1982 auf dem Zentralfriedhof beigesetzt.

Von Jan Armbruster

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