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Langsam reicht‘s: Der Winter lässt nicht locker

Stralsund Langsam reicht‘s: Der Winter lässt nicht locker

Die Kinder freut die weiße Pracht, alle anderen sind genervt. Viele Bewohner der Stadt und des Landkreises haben genug vom Schneeschieben.

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Hausmeister Wolfgang Golz musste nochmal die Schneefr�se rausholen.

Stralsund. „Wir sind seit Sonntag ununterbrochen im Einsatz“, sagt Detlef Conrad vom Winterdienst-Team der Hansestadt. „Besonders in der Hochschulallee, in Freienlande, Devin, Andershof Ausbau, Voigdehagen und Devin wären sonst die Verwehungen so stark geworden, dass am nächsten Morgen garantiert nichts mehr gegangen wäre. Aber so konnten wir erreichen, dass kein Ortsteil von Stralsund abgeschnitten war.“ Die gesamte Technik sei im Einsatz, und es gab auch keine Pannen. Die Frauen-Trupps, die an den Ampeln Schnee räumen, sind ebenfalls wieder im Stadtgebiet auf Tour, berichtet der Schichtleiter.

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Viele Kraftfahrer mussten ihr Auto erst mal freischaufeln.

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Klaus Lüdtke vom Nahverkehr meldet: „Wir können alle Strecken und Linien bedienen. Die Zusammenarbeit mit dem Winterdienst hat wie immer super geklappt. Und wir freuen uns, dass diesmal so viele Leute vernünftig waren und auf den Bus umgestiegen sind.“ Allerdings seien durch die allgemeine Verkehrslage Verspätungen nicht zu verhindern. „Wir liegen so bei rund 15 Minuten. Aber ich denke, da haben die Leute Verständnis“, so der 46-Jährige von der Verkehrsaufsicht beim Nahverkehr.

In der letzten Woche hatte es sich Roswitha Wendel schon auf der Terrasse gemütlich gemacht. „Ich hatte schon Frühjahrsblüher gepflanzt. Die mussten jetzt ganz schnell wieder rein“, bedauert die 55-Jährige. Auch Anne Karbe hatte den Schneeanzug schon eingemottet. „Zum Glück haben wir den Schlitten noch nicht weggeräumt. Unser Kleiner freut sich. Wer weiß, wie lange wir den Schnee noch haben.

Es ist doch wahrscheinlich der letzte für diesen Winter, den muss man noch mal ausnutzen“, findet Marion Nolte, die mit Enkelin Nele-Johanna rodelt.

Was die Kinder glücklich macht, nervt viele. „Der Winter zieht sich zu lange hin“, findet Hausmeister Wolfgang Golz (46) im Kieler Ring. Er macht sich mit dem Schneeschieber vor der Haustür zu schaffen. „In meinem Garten zwitschern schon die Vögel“, hat der 54-jährige Hans-Peter Dankert nicht mehr mit einem Wintereinbruch gerechnet.

Noch härter trifft es den Landkreis in puncto Schneemassen. „Wir haben nur die Hauptstraßen bedient, sind nicht in die Stichdörfer reingefahren. In Altenpleen wurden die Kinder abgeholt, nach Neuenpleen sind wir nicht abgebogen“, berichtet Timo Mähl vom Grimmener Betriebshof der Kraftverkehrsgesellschaft Ribnitz.

Der 46-jährige Fahrplan-Technologe erklärt: „Zwischen 4 und 5 Uhr musste der Einsatzleiter eine Entscheidung treffen. Wir müssen ja auch die Sicherheit der Kinder im Auge haben. Natürlich haben viele Eltern vorher angerufen.“ Die meisten Schüler haben sich dann aber doch auf den Weg gemacht. In der Regionalschule Prohn saßen 133 Schüler im Unterricht, 55 fehlten, so Schulleiterin Christel Bräunig. „Rügenbrücke — null problemo“, besser kann man es nicht zusammenfassen. Manfred Müller, Chef der Straßenmeisterei in Martensdorf, zieht eine positive Winterdienstbilanz: „Natürlich müssen die Leute mal anhalten, wenn unsere große Technik im Einsatz ist, aber wir hatten keine einzige Sperrung. Brennpunkte waren der Prohner Kreisel, die Landesstraße 213 Richtung Prohn, aber auch vor Muuks und Hohendorf.“

Kurz vor Groß Kordshagen auf der Landesstraße 21 und am Günzer Bahnhof gab es harte Herausforderungen. „Wir haben von 14 auf 18 Fahrzeuge aufgestockt. Brauchten im Gegensatz zum Sonntagmorgen dann jetzt aber doch noch die Räumtechnik und eine Fräseeinheit“, so der Straßenmeister, der sich bei allen Partnern bedankt. Eins muss er noch loswerden, was ihn ärgert: „Wir haben viele Leute, die vernünftig fahren. Aber es kann doch nicht sein, dass man bei Schneesturm ohne Licht fährt und das Auto noch nicht mal freigeräumt hat.“

Insbesondere auf den freien, ungeschützten Straßenabschnitten leistete der Wind ganze Arbeit. Bis zu einem Meter hoch türmten sich beispielsweise die Schneewehen auf der Landesstraße 212 zwischen Velgast und Richtenberg. Nur in Schrittgeschwindigkeit und mit Sichtweiten, die teilweise unter zehn Metern lagen, kämpfte sich Kati Becker durch die verwehten Teilabschnitte zwischen Wolfshagen und Richtenberg sowie Abtshagen und Grimmen. „Ich habe heute fast das Doppelte an Fahrtzeit von Velgast nach Grimmen benötigt“, sagt die 39-jährige Lehrerin am Gymnasium Grimmen und war dankbar, dass sie von den Nachmittagsveranstaltungen an ihrer Schule freigestellt wurde.

Zur Mittagszeit, als Amtsvorsteher Peter Fürst dienstlich in Franzburg unterwegs war, hatte sich die Lage in seinem Amtsbereich schon fast entspannt. „Nach Rücksprachen mit dem Bauamt gibt es keine nennenswerten Probleme. Lediglich der Straßenabschnitt nach Zandershagen ist noch gesperrt. Die Leute müssen von Franzburg reinfahren“, räumt er ein. Für ihn persönlich seien die Straßenbedingungen am Sonntagabend noch schlimmer gewesen: „Da sind wir von Leipzig aus mit einem Hänger unterwegs gewesen und waren froh, als wir in Velgast ankamen.“

Apropos Velgast — da hatte der Arbeitstag für Gemeindearbeiter Klaus Götz gestern Morgen bereits um vier Uhr begonnen. Bis zum Mittag war der 53-Jährige im Gemeindetraktor mit Schiebeschild und Streuer unterwegs, um die Gehwege sowie die Flächen vor dem Neuen Friedhof und der Feuerwehr freizuhalten. Auch tags zuvor hatten er und Mitarbeiter der Bauernhof GmbH auf den Straßen und Gehwegen der Gemeinde Sonderschichten geschoben, damit der Verkehr nicht ins Stocken gerät.

„Am schlimmsten sind die Straßen nach Altenhagen, Lendershagen und Hoevet betroffen, hier hat der Wind freien Lauf“, so der Gemeindearbeiter, der mit seiner bestickten Mütze allen zeigt, was er davon hält: Schietwetter!

Ines Sommer, Wenke Büssow-Krämer und Susanne Senne

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