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Stralsund Männer-Duo brütet in Kowall 15 000 Eier aus
Vorpommern Stralsund Männer-Duo brütet in Kowall 15 000 Eier aus
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03:58 23.04.2013

Heute schon gegluckt? Wolfgang Mühlenberg und Felix Degner nicken mit dem Kopf. „Machen wir jeden Tag“, kommt es ihnen einmütig über die Lippen. Beide grienen. Die jungen Insulaner spielen verkehrte Welt. Während im Hühnerstall die Glucke für den Nachwuchs sorgt, ist das Brutgeschäft in Kowall bei Garz Männersache. Dort haben Mühlenberg und Degner mit der Geflügelzucht den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Sie betreiben eine Brüterei. Kurios: Das Männer-Duett „gluckt“ im Schweinestall.

Falsch deklarierte Bioeier, die in Wirklichkeit gar keine waren, dioxinverseuchtes Futtermittel — die Lebensmittelskandale sind eine Schweinerei, sagt Wolfgang Mühlenberg. Doch in gewisser Weise kurbeln sie auch das Geschäft an, räumt der 23-Jährige ein. „Ob Frühstücksei oder Weihnachtsgans — jeder will wissen, woher die kommen. Immer mehr halten sich selbst ein paar Hühner, Enten oder Gänse. Das sorgt bei uns für Absatz.“ Und das Männer-Duo in Kowall sorgt dafür, dass Geflügelhalter — egal ob hobbymäßig oder im großen Stil betrieben — mit Nachschub versorgt werden. „Im Februar haben wir das Gewerbe angemeldet und uns mit der Geflügelzucht selbstständig gemacht. Wir brüten zig Tausend Eier aus, liefern Legehennen-Eintagsküken an Aufzüchter in ganz Deutschland. Haben auch Wassergeflügel im Angebot“, sagt Felix Degner (27).

Der gelernte Landwirt ist Putbusser. „Wieder“, sagt er. Denn seinen Beruf hat er in Schleswig-Holstein gelernt und ihn anschließend sogar in Dänemark ausgeübt. „Ich wollte wieder auf die Insel zurück“, erinnert er sich. Sein Spannemann Wolfgang Mühlenberg, der auf dem von seinem Vater bis vor sieben Jahren geführten Landwirtschaftsbetrieb in Alt Lanschvitz groß geworden ist, hatte schon im vergangenen Jahr einen der ehemaligen und jeweils 740 Quadratmeter großen Schweineställe der einstigen LPG in Kowall gepachtet. Das passte. Ursprünglich hatten wir vor, Konsumeier zu vermarkten, erinnert Degner. „Doch hier im Norden gibt es nirgendwo eine Brüterei. Die letzte auf Rügen ist in den 80er Jahre in Grabow bei Poseritz abgebrannt. Diese Marktlücke wollten und haben wir letztendlich besetzt.“

Dafür vollführen Mühlenberg und Degner einen wahren „Eiertanz“. Die Bruteier für die Hennen, die sie aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen beziehen — die für das Wassergeflügel kommen sogar aus Frankreich — muss das Männer-Gespann auf Bruthorde legen. Ei um Ei wandert durch Mühlbergs und Degners Hände auf die Horde, die aussehen wie Setzkästen mit Drahtgeflecht. Die Horde landen auf den Brutwagen und die werden in die Brutzelle geschoben. „In zwei haben wir bereits investiert“, so Mühlberg. Am Ende sind es mehr als 15 000 Hühnereier, die beide bewegt haben. Exakt 15 800 Stück passen in einen Brutschrank. Bei exakt 37,8 Grad Celsius wird den Eiern dann „eingeheizt“. „So eine Zelle ist nichts anderes als ein begehbarer Kühlschrank. Der Unterschied: Das Prinzip funktioniert nicht mit Kälte, sondern mit Wärme“, erläutert Degner.

Nach 21 Tagen „einheizen“ ist es bei Hühnereiern soweit: Die Legehennen-Eintagsküken piepen um die Wette. Und wieder kommt es dem Männer-Duo einmütig über die Lippen: „Wir sorgen mit für ein gesundes Frühstücksei, die Hennen aus Kowall auf Rügen und deutschlandweit legen.“

Udo Burwitz

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