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Stralsund Mehmels Erben
Vorpommern Stralsund Mehmels Erben
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00:00 14.07.2018
Stralsund

Der faktische Neubau der Mehmel-Orgel in der Stralsunder Kulturkirche St. Jakobi soll nach Angaben der Stadterneuerungsgesellschaft SES deutlich billiger werden als bisher geplant war. Nach allem, was bisher absehbar sei, würden die Gesamtkosten für das Projekt bei 2,27 Millionen Euro liegen, sagte Kerstin Jagusch. Sie betreut den Neubau der Orgel sowie die Restaurierung des historischen Orgelgehäuses vonseiten der SES, die bei dem Vorhaben die Funktion des Bauherren wahrnimmt.

Der Neubau der Orgel in der Jakobikirche geht voran und soll sogar preiswerter werden als geplant. Unter dem Instrument machten die Fachleute zudem historische Entdeckungen ganz anderer Natur.

Bisher waren die Baukosten auf 2,6 bis 2,8 Millionen Euro geschätzt worden. Die Hansestadt Stralsund und die Bundesregierung beteiligen sich mit je einer Millionen Euro an dem Projekt. Den Rest bringen das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege, die Herbert-Ewe-Stiftung (je 130000 Euro) sowie die Stiftung Kulturkirche St. Jakobi (10000 Euro) auf.

Unterdessen würden die Arbeiten an der Orgel planmäßig voranschreiten, sagte Jagusch. Etwas überrascht sei er aber über die schwache Statik des Instrumentes gewesen, ergänzte der Dresdner Orgelbauer Kristian Wegscheider. Offenbar hatte der Stralsunder Orgelbauer Friedrich Albert Mehmel (1827-1888) wenig Skrupel, sogar tragende Balken aus dem Großinstrument zu entnehmen, als er damit beauftragt worden war, die Orgel zu vergrößern. „Eigentlich ist es ein bisschen ein Wunder, dass die Orgel so überhaupt noch hielt“, sagte Wegscheider. Um diesen Fehler wieder auszumerzen, ist die Holzkonstruktion, die nun auch die neue Orgel tragen soll, um zahlreiche Eichenbalken ergänzt worden.

Das Instrument geht auf den Einfluss von drei Orgelbauern zurück: Christian Gottlieb Richter (Stettin), Ernst Julius Marx (Berlin) und Mehmel. Die Reste des historischen Klangwerks, das sie nacheinander verändert und erweitert haben, sollen nun fast vollständig durch einen Neubau ersetzt werden. Dies, aber vor allem die Salamitaktik in der Kommunikation der neuen Herangehensweise, hatte im vergangenen Jahr in Stralsund zu einer, gemessen daran, dass es sich um ein Orgelprojekt handelt, bemerkenswert breiten und kritischen Debatte geführt. Zuvor war insbesondere den Spendern für den Wiederaufbau der Mehmel-Orgel versichert worden, ihr Geld fließe in das historische Instrument und nicht in einen zugleich klanglich anderen Neubau. Die Kritik war aber Anfang dieses Jahres zumindest vonseiten der Herbert-Ewe-Stiftung verstummt, da einzusehen gewesen sei, dass eine Rekonstruktion der Mehmel-Orgel mit großen Schwierigkeiten verbunden wäre.

Während der Bauarbeiten haben die Orgelbauer von heute derweil einige Dinge entdeckt, die zeigen, dass nicht nur der Klang, sondern auch das Bauen einer Orgel mit Genuss verbunden war. So fanden sich unter dem Boden des Instrumentes zahlreiche Zigarettenschachteln, Streichhölzer aus Schweden und noch lesbare Zeitungsreste aus der Zeit um 1877, als Mehmel dort zu Werke gegangen war.

Benjamin Fischer

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