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Stralsund Mehr Menschen als Wohnungen in Sellin
Vorpommern Stralsund Mehr Menschen als Wohnungen in Sellin
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00:05 18.03.2017

„Es hat sich sehr, sehr viel verändert in Sellin“, sagt Margrit Käske (79). Sie ist eine geborene Knospe, deren Familie heute in fünfter Generation ihr Fotogeschäft in der Selliner Wilhelmstraße betreibt. Darauf verweist eine Ahnentafel in der Mitte des Geschäfts, das jetzt Margrit Käskes Enkel führen. Vor der Wende sei alles Grau in Grau gewesen in der heutigen Prachtstraße des Ostseebades. „Nach der Wende kamen die enteigneten Hoteliers oder ihre Kinder zurück und bauten die Häuser zu Pensionen aus“, erzählt die alte Dame. „Das sieht natürlich alles viel schicker aus“, findet sie.

Der Bauboom im Ostseebad sucht seinesgleichen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Betten von einst rund 4000 mehr als verdoppelt, haben sich die Übernachtungen fast verdreifacht. Die Einwohnerzahl stieg in den vergangenen vier Jahren um zwölf Prozent auf fast 2700 Menschen.

Das rasante Wachstum hat dazu geführt, dass nicht so viele freie Wohnungen da sind, wie Einwohner hinzukommen. „Die Bauplätze sind im Moment erschöpft“, sagt Bürgermeister Reinhard Liedtke. „Wir versuchen, immer neue Baugebiete mit dem Schwerpunkt auf dauerhaftem Wohnen auszuweisen. Möglicherweise könnte sich eine Erweiterung am Weißen Steg“ anbieten. Derzeit würden drei Unternehmen zusammen 90 Dauermietwohnungen – davon 15 altersgerecht – bauen.

Dabei übersteigt die Nachfrage nach Dauermiet-Wohnungen das Angebot bei Weitem. Thomas (45) und Ann Vetter (37) kamen im vergangenen September aus dem thüringischen Meiningen auf die Insel. „Wir hatten großes Glück, gleich eine Wohnung in der alten Schule gefunden zu haben“, sagt Ann Vetter. Sie seien unter sage und schreibe 300 Bewerbern ausgewählt worden.

Thomas Vetter ist bei der Schutzpolizei, und auch seine Frau fand schnell eine Stelle bei einem Ferienhausbetreiber. „Für Sellin entschieden wir uns wegen des Schulkonzepts“, sagt Ann Vetter. Sohn Dominik (9) besuchte in Thüringen eine Sprach-Heilschule, in der sich eine Lehrkraft um 30 Schüler kümmerte. „Und hier praktizieren sehr engagierte Lehrer das Inklusions-Modell in einer Klasse mit 18 Kindern“. Dominik besucht die Grundschule des Ortes und seine Schwester Jessica (13) die benachbarte, vom CJD betriebene Schule.

Sellin bietet viel für Familien, finden die Eltern. Neben Möglichkeiten zum Eislaufen und Schwimmen sind da auch Feuerwehr und Jugendclub, die ebenfalls nebeneinander liegen. Dominik war nämlich schon in Meiningen bei der Jugendfeuerwehr und freut sich nun über die kurzen Wege, wenn er von seiner Übungsstunde bei den Ostsee-Fanfaren kommt.

Den Jugendclub leitet Sylvie Gruner, die sich über steigenden Zuspruch freut. „Zu uns kommen täglich 30 bis 40 vor allem jüngere Kinder“, sagt sie. Die Größeren kämen wegen der Schulzeiten eher am Wochenende. Ab Mai möchte sie gemeinsam mit Thomas Vetter einen Bogenschieß-Kurs anbieten. In seinem thüringischen Verein war Vetter Übungsleiter.

Dass viel gebaut wird, ist auch Familie Vetter aufgefallen, die seit fast zehn Jahren auf Rügen Urlaub machte, bevor sie auf die Insel zog. „Es wird ein Hotel nach dem anderen aus dem Boden gestampft, aber an das Personal wird überhaupt nicht gedacht“, kritisiert Ann Vetter. Auch in ihrer Ferienwohnungsvermittlung würden Leute anrufen und nach einer Wohnung fragen. „Einen Job zu kriegen, ist nicht das Thema – aber Wohnraum.“

Uwe Driest

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