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Mehr als schöne Musik – eine Botschaft

Stralsund Mehr als schöne Musik – eine Botschaft

Haydns „Schöpfung“ in der Kirche St. Nikolai in Stralsund begeisterte durch kunstvolle Popularität und kraftvolle Simplizität

Stralsund. Wer Haydns „Schöpfung“ aufführen will, hat es zunächst und vorrangig mit vielen Noten zu tun. Nicht weniger aber mit einer beeindruckenden Wirkungsgeschichte.

Einstige Tränen der Rührung, begeisterte Gedichte, Akademiemitgliedschaften, noble kaiserliche Geschenke und Europa überrollende Wellen der Euphorie wären da zu hinterfragen, um das Werk heute verständnisvoller zu erleben und entsprechend ambitioniert zu musizieren. Letzteres galt für jene Aufführung, die vorgestern – nach Hamburg – in Stralsunds Kirche St. Nikolai die Jugendkantorei, die Kantorei und das Orchester von St. Michaelis in Hamburg (Manuel Gera) sowie Stralsunds Bachchor an St. Nikolai (Matthias Pech) in offensichtlich gedeihlichem Zusammenwirken vereinte.

Denn da gab es sie, die „kunstvolle Popularität“ und „kraftvolle Simplizität“, die ein Zeitgenosse Haydns am Meister lobte und die wohl ursächlich waren – und noch sind – für die Wirkung einer so intensiv gläubigen wie naturhaft-aufklärerischen Vertonung der biblischen Schöpfungsgeschichte. In der Aufführung betraf das neben einem schlichten, aber griffigen rezitativischen Erzählton vor allem die Arien, die sowohl in ihrem so wichtigen Grundaffekt als auch im meisterlich einfallsreich gestalteten, oft genug bildhaft „redenden“ Detail zu plastischer, weil auch dynamisch ausgefeilter Wirkung kamen. (Gelegentliche Defizite im akustisch schwierigen Großraum inbegriffen).

Zudem gelang es Manuel Gera (1. Teil) und Matthias Pech (2. Teil; der dritte entfiel) eindrucksvoll, den nun großbesetzten und technisch auch in den Fugen souverän agierenden Chören viel Lockerheit, Frische und den hier eher etwas flächig ausfallenden Glanz klangmächtiger Botschaften zu verleihen.

Bliebe eine Orchesterleistung, die dem Sängerensemble mit Maren Christina Roederer (Gabriel), Michael Connaire (Uriel) und Konstantin Heintel (Raphael) hinsichtlich einfühlsam empfindsamen Musizierens nicht nachstand: technisch auf der Höhe aller Anforderungen, nobel im Klang, gestalterisch von intensiver Ausdruckskraft und stringent im Musiziergestus. Alles in allem: mehr als schöne Musik; eine Botschaft!

Da dachte man gern an einen Brief Haydns, den er am 22. September 1802 als Dank für eine Rügener Liebhaberaufführung seiner „Schöpfung“ nach Bergen schrieb: alle seine „Anstrengung und Mühe“ hätten sich da wohl gelohnt!

Ekkehard Ochs

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