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Stralsund Mieter sollen am kulturellen Leben teilnehmen können
Vorpommern Stralsund Mieter sollen am kulturellen Leben teilnehmen können
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00:00 22.03.2013
Gerda Albrecht (74) f�hlt sich in ihrer 36 Quadratmeter gro�en Wohnung wohl. Quelle: Susanne Senneke
Velgast

Erich Berner war seiner Zeit ein Stück weit voraus: Bereits Anfang 2000 hatte der studierte Agraringenieur den demografischen Wandel als eine Chance mit Zukunft begriffen.

„Als er mir seine Ideen von einer Seniorenwohnanlage in Velgast offenbarte, war ich sehr skeptisch“, erinnert sich seine Ehefrau Margit noch genau. Nicht nur wegen der immensen Investitionssumme, sondern vor allem wegen der Ungewissheit von Angebot und Nachfrage, räumt sie ein. Aber seine Idee, älteren Menschen die Möglichkeit zu bieten, solange wie möglich in ihrer Heimatgemeinde zu leben — und zwar in einer eigenen Wohnung — überzeugten die Gemeindeschwester schließlich, die seit 1998 einen eigenen Pflegedienst mit derzeit zwölf Mitarbeiterinnen betreibt.

Etwa eineinhalb Jahre dauerte es dann allerdings noch, bis die Berners auch eine Bank von ihrem Konzept überzeugen konnten. Weitaus schneller gelang ihnen das bei der Gemeinde, die ihnen mit den ehemaligen Grundstücken der Kita und der Gaststätte „Am Anger“ ein ansprechendes Areal zur Verfügung stellte. „Heute geht es nicht allein um die Wohnung, sondern auch das Nahversorgungsangebot, den Anschluss an öffentliche Verkehrsnetze und die Nähe zu Service- und Dienstleistungseinrichtungen sowie ein Wohnumfeld, das den subjektiven Anforderungen entspricht“, weiß Margit Berner dieses zentrale Grundstück sehr zu schätzen.

Im Mai 2010 legten sie den Grundstein. Dann ging es Schlag auf Schlag: Im November wurde das erste Haus mit vier Wohneinheiten übergeben, im Oktober 2011 folgten sechs Wohnungen in einem weiteren Neubau und im August des vergangenen Jahres der erste Bauabschnitt der sanierten Kita mit acht neuen Wohnungen.

Bei dem Bau der Seniorenwohnungen, für deren Management und Fertigstellung die beiden Söhne Matthias und Christoph Berner sowie Marcel Winter verantwortlich sind, wurde darauf geachtet, dass sie viele Annehmlichkeiten bieten, die das Leben im Alter erleichtern. Alle Wohnungen sind barrierefrei. Sie haben große Tür- und Flurbreiten, schwellenlose Übergänge an den Türen, einen ebenerdigen Einstieg in die Dusche und sind darüber hinaus rollstuhlgerecht.

„Im Spätsommer sind alle Bauarbeiten komplett abgeschlossen“, lässt die 55-jährige Bauherrin keine Zweifel. Bis dahin sollen auch die restlichen drei Zwei-Raum-Wohnungen, der künftige Begegnungsraum inklusive großzügiger Küche sowie eine Gästewohnung und die Büroräume des Pflegedienstes fertig gestellt sein. Letzterer betreut derzeit acht Mietparteien vor Ort — der Service reicht vom Spritzen über den Verbandswechsel bis hin zur Körperpflege und zu hauswirtschaftlichen Aufgaben.

„Auch für die letzten drei Wohnungen sind die Vormietverträge seit langem in Papier und Tüten und es liegen sogar noch zehn weitere Anträge von Mietinteressenten vor“, freut sich Margit Berner über die hohe Nachfrage und bedauert sehr, dass ihr verstorbener Mann nicht mehr die Früchte seiner Ideen sehen kann.

Doch apropos Ideen — davon schwirren Schwester Margit noch unendlich viele im Kopf herum: So könnte zur Beispiel eine gemeinsame Kaffeerunde mit Kuchen und Spielen entstehen, ebenso eine Sitzecke unter der Birke, blühende Krokusse in den Rasenflächen und — wenn alles fertig ist — ein Springbrunnen mitten in der Seniorenwohnanlage.

„Wir wollen nicht nur, dass unsere älteren Menschen lange selbstständig wohnen können, sondern auch die Bedingungen schaffen, dass sie besser am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben können und sich dabei wohl fühlen“, beschreibt die Geschäftsfrau ihr Credo.

Hochwasser im Sommer 2011 gab den Anstoß
Das Jahrhunderthochwasser in Starkow gab Gerda Albrecht letztendlich den Anstoß, über ihren Alterswohnsitz nachzudenken: „Mein Leben lang habe ich mich viel aus dem Garten ernährt. Doch als alles unter Wasser stand, habe ich mich schon gefragt, ob ich jetzt wegen jeder Möhre nach Velgast muss“, so die Gedankengänge von Gerda Albrecht im Spätsommer 2011. Schnell sei ihr damals bewusst geworden, dass sie dabei ihren drei Kindern, die alle selbst Arbeit haben, nicht zur Last fallen möchte.

Und so hat sich die heute 74-Jährige ganz bewusst für die Seniorenwohnanlage im Nachbarort Velgast entschieden. „Hier habe ich den Bahnhof, meinen Arzt, Einkaufsmöglichkeiten und muss nicht erst sechs Kilometer bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad fahren“, nennt sie triftige Gründe für ihren Umzug. Auch auf ihre neue, 36 Quadratmeter große Wohnung, die sie seit dem Herbst 2011 bewohnt, lässt die rüstige Rentnerin nichts kommen: „Es ist alles ebenerdig, sogar die Tür zur Terrasse, und ich habe alles, was ich brauche“, sagt Gerda Albrecht.

Damit meint sie auch die vielen netten Kontakte zu ihren Mitbewohnern, den „Schnatternachmittag“ in der Feuerwehr, ihre Stippvisiten bei den Handarbeitsfrauen, die Kaffeenachmittage in der Kirche, das wöchentliche Turnen in der Sportgruppe…

„Für mich ist es genau das Richtige, das Beste. Hier kann ich losgehen, wann und wie ich möchte, und habe mehr Abwechslung. Wenn es später dann mal nicht mehr geht, habe ich Hilfe vom Pflegedienst“, weiß sich Gerda Albrecht auch in Zukunft in bester Obhut. Bis dahin aber geht sie einfach nur aus der Terrassentür und schafft sich in einem ihrer Blumenbeete — wenn das Kribbeln nach Gartenarbeit wieder einmal unerträglich wird.suse

Susanne Senneke

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OZ

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